BGH Beschluss vom 17.05.2006 – XII ZB 233/05
XII. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
17. Mai 2006
in der Familiensache
Nachschlagewerk: ja
BGHZ:
BGHR:
nein
ja
GKG § 72 Nr. 1 Halbs. 2 in der Fassung vom 5. Mai 2004
Nach der Übergangsvorschrift des § 72 Nr. 1 Halbs. 1 GKG in der Fassung vom
5. Mai 2004 ist auf eine Streitwertbeschwerde in einem vor dem 1. Juli 2004
anhängig gewordenen Rechtsstreit das Gerichtskostengesetz in der bis zum
30. Juni 2004 geltenden Fassung auch dann weiter anzuwenden, wenn die Be-
schwerde nach dem 30. Juni 2004 eingelegt wurde. Die Ausnahme des § 72
Nr. 1 Halbs. 2 GKG gilt nur für Rechtsmittel in der Hauptsache, nicht auch für
die im Gerichtskostengesetz geregelten Rechtsbehelfe gegen die Streitwert-
festsetzung oder den Kostenansatz.
BGH, Beschluss vom 17. Mai 2006 - XII ZB 233/05 -OLG AG
Jena Artern
Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 17. Mai 2006 durch die
Richter Sprick, Weber-Monecke, Prof. Dr. Wagenitz, Fuchs und Dose
beschlossen:
Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 1. Familien-
senats des Thüringer Oberlandesgerichts in Jena vom 7. Novem-
ber 2005 wird auf Kosten des Antragstellers verworfen.
Beschwerdewert: 2.226 €
Gründe
I.
Die Antragsgegnerin hat im Scheidungsverbundverfahren beantragt, den
Antragsteller im Wege der einstweiligen Anordnung zu verpflichten, ihr in Be-
gleitung dritter Personen Zutritt zu dem im Miteigentum der Parteien stehenden
Grundstück zu gewähren. Nach mündlicher Verhandlung hat das Familienge-
richt dem Antrag stattgegeben und den Streitwert für das einstweilige Anord-
nungsverfahren auf 12.500 € festgesetzt.
Gegen die Streitwertfestsetzung hat der Antragsteller Beschwerde einge-
legt, mit der er eine Herabsetzung des Streitwertes auf 836,25 € erstrebt hat.
Das Oberlandesgericht hat die Beschwerde verworfen. Dagegen richtet sich die
- zugelassene - Rechtsbeschwerde des Antragstellers.
II.
Die Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft.
Nach der Übergangsvorschrift des § 72 Nr. 1 Halbs. 1 GKG in der Fas-
sung vom 5. Mai 2004 sind auf eine Streitwertbeschwerde in einem vor dem
1. Juli 2004 anhängig gewordenen Rechtsstreit das Gerichtskostengesetz in der
Fassung vom 15. Dezember 1975 und Verweisungen hierauf auch dann weiter
anzuwenden, wenn die Beschwerde nach dem 30. Juni 2004 eingelegt wurde.
Die Ausnahme des § 72 Nr. 1 Halbs. 2 GKG gilt nur für Rechtsmittel in der
Hauptsache, nicht auch für die im Gerichtskostengesetz geregelten Rechtsbe-
helfe gegen die Streitwertfestsetzung oder den Kostenansatz (BayVGH
NVwZ-RR 2006, 150 f.; BayVGH FamRZ 2006, 634). Soweit sich diese Aus-
nahme nach dem Wortlaut der Vorschrift auf "nach dem 1. Juli 2004" (statt:
nach dem 30. Juni 2004) eingelegte Rechtsmittel bezieht, dürfte es sich um ein
Redaktionsversehen handeln.
Da das vorliegende Verfahren vor dem 1. Juli 2004 anhängig gemacht
wurde, ist entgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde § 25 Abs. 3 Satz 1
Halbs. 2 in Verbindung mit § 5 Abs. 2 Satz 3 GKG in der bis zum 30. Juni 2004
geltenden Fassung anzuwenden. Danach findet gegen eine Entscheidung über
die Festsetzung des Streitwerts eine Beschwerde an einen obersten Gerichts-
hof nicht statt; mit Fragen der Streitwertfestsetzung der Instanzgerichte soll der
Bundesgerichtshof in keinem Fall befasst werden (BGH Beschluss vom
21. Oktober 2003 - X ZB 10/03 - MDR 2004, 355 m.w.N.).
Die Unanfechtbarkeit wird auch nicht dadurch berührt, dass das Be-
schwerdegericht die Rechtsbeschwerde zugelassen hat. Ein Rechtsmittel ge-
gen eine von Gesetzes wegen der Anfechtung entzogene Entscheidung bleibt
nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs trotz Zulassung un-
statthaft (Senatsbeschluss BGHZ 159, 14, 15; BGHZ 154, 200, 201).
Dabei bleibt es auch dann, wenn - wie hier - der Einzelrichter entgegen
§ 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO anstelle des Kollegiums entschieden und damit gegen
das Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG)
verstoßen hat. Der Einzelrichter durfte nicht selbst entscheiden, sondern hätte
das Verfahren wegen der von ihm bejahten grundsätzlichen Bedeutung der
Rechtssache gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Richtern besetzten
Kammer übertragen müssen (vgl. BGHZ 154 aaO 202). Darauf kann ein
Rechtsmittel aber nach § 568 Abs. 3 ZPO selbst dann nicht gestützt werden,
wenn es im Übrigen statthaft wäre.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. § 25 Abs. 4 GKG in
der bis zum 30. Juni 2004 geltenden Fassung, wonach das Verfahren der
Streitwertbeschwerde gebührenfrei ist und Kosten nicht erstattet werden, gilt
nur für statthafte Beschwerden (Senatsbeschluss vom 22. Februar 1989
- IVb ZB 2/89 - BGHR GKG § 25 Abs. 3 Satz 1 Gebührenbefreiung 1; BGH Be-
schluss vom 18. Dezember 2002 - IX ZB 553/02 - BRAGOreport 2003, 56).
Sprick
Weber-Monecke
Wagenitz
Fuchs
Dose
Vorinstanzen:
AG Artern, Entscheidung vom 01.03.2004 - 5 F 21/02 -
OLG Jena, Entscheidung vom 07.11.2005 - 1 WF 133/04 -