Rechtsprechung / BGH

BGH Beschluss vom 12.07.2006 – X ZR 152/05

X. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

12. Juli 2006

in dem Rechtsstreit

Der X. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 12. Juli 2006 durch den

Vorsitzenden Richter Dr. Melullis, den Richter Scharen, die Richterinnen

Ambrosius und Mühlens und den Richter Prof. Dr. Meier-Beck

beschlossen:

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I. Der Senat beabsichtigt, die vom Berufungsgericht zugelassene Revisi-

on durch einstimmigen Beschluss zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen

für die Zulassung der Revision nicht vorliegen und die Revision keine Aussicht

auf Erfolg hat.

1. Die Klägerin, eine Anstalt öffentlichen Rechts, verlangt rückständiges

Straßenreinigungs- und Abfallbeseitigungsentgelt für das Hausgrundstück einer

Wohnungseigentümergemeinschaft. Sie hat drei einzelne Wohnungseigentümer

persönlich als Gesamtschuldner auf Zahlung der im Vergleich zu den Erstrech-

nungen niedrigeren Beträge verklagt, die sich aus späteren Änderungsrech-

nungen ergaben, und daneben Zinsen ab dem in den Erstrechnungen genann-

ten Fälligkeitsdaten verlangt.

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Das Landgericht hat der Klage hinsichtlich der Hauptforderung in vollem

Umfang stattgegeben, Zinsen aber nur ab den in den Änderungsrechnungen

genannten Zahlungsdaten zuerkannt. Hiergegen hat die Klägerin Berufung ein-

gelegt. Im Übrigen, d.h. insbesondere hinsichtlich der Verurteilung der Beklag-

ten zur Zahlung der Hauptforderung, ist das landgerichtliche Urteil rechtskräftig

geworden.

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Auf die Berufung der Klägerin hat das Berufungsgericht auch ihrer restli-

chen Zinsforderung mit der Begründung stattgegeben, die späteren Änderungs-

rechnungen hätten den zuvor eingetretenen Zahlungsverzug der Beklagten nur

für den durch die Änderungsrechnungen stornierten Teil der Hauptforderung

entfallen lassen; hinsichtlich des aufrechterhaltenen Teils der Forderung sei der

Verzug bestehen geblieben.

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Das Berufungsgericht hat sich weiter mit der Passivlegitimation der Be-

klagten auseinandergesetzt, welche diese unter Berufung auf die neue Recht-

sprechung des Bundesgerichtshofs bestritten haben, wonach es sich bei der

Wohnungseigentümergemeinschaft um einen teilrechtsfähigen Verband han-

delt, soweit sie bei der Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums am

Rechtsverkehr teilnimmt, und deshalb statt individueller Einzelhaftung kollektive

Verbandshaftung gilt. Das Berufungsgericht hat demgegenüber die Vorschriften

des Berliner Straßenreinigungsgesetzes und Abfallbeseitigungsgesetzes für

vorrangig gehalten, denen es eine gesamtschuldnerische Entgeltzahlungspflicht

der einzelnen Wohnungseigentümer entnommen hat. Wegen dieser Grundsatz-

frage hat das Berufungsgericht die Revision zugelassen.

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Die Beklagten haben Revision eingelegt. Sie wehren sich nicht dagegen,

dass das Berufungsgericht als Verzugsbeginn die in den Erstrechnungen ge-

nannten Fälligkeitsdaten angesetzt hat, sondern nur gegen ihre Passivlegitima-

tion, d.h. dagegen, dass sie persönlich - und nicht allein die Wohnungseigentü-

mergemeinschaft mit ihrem Verwaltungsvermögen - haften sollen.

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2. Es besteht kein Zulassungsgrund.

a) Die vom Berufungsgericht aufgeworfene Grundsatzfrage, ob die Teil-

rechtsfähigkeit der Wohnungseigentümergemeinschaft

(BGH, Beschl. v.

02.06.2005 - V ZB 32/05, NJW 2005, 2061) der gesamtschuldnerischen persön-

lichen Haftung der einzelnen Wohnungseigentümer auch in Rechtsverhältnis-

sen, die auf einem öffentlich-rechtlichen Anschluss- und Benutzungszwang be-

ruhen, entgegensteht, ist nicht entscheidungserheblich. Dies folgt aus der

Rechtskraft der Verurteilung der Beklagten in der Hauptsache. Wenn der durch

ein Leistungsurteil rechtskräftig zuerkannte Anspruch die Voraussetzung eines

anderen bildet, so ist er auch für diesen festgestellt. Deshalb ist im Rechtsstreit

um den Zinsanspruch, der den Bestand des Hauptanspruchs voraussetzt, letz-

terer nicht mehr zu überprüfen, wenn er schon rechtskräftig festgestellt worden

ist (BGH, Urt. v. 10.01.1980 - X ZR 21/77, MDR 1980, 395). Dies gilt nicht nur,

wenn über die Hauptforderung in einem vorangegangenen gesonderten Pro-

zess entschieden worden ist, sondern auch, wenn, wie hier, im Rahmen ein und

desselben Rechtsstreits die Verurteilung zur Hauptleistung vor der Entschei-

dung über den Zinsanspruch rechtskräftig geworden ist.

Weitere Zulassungsgründe haben weder das Berufungsgericht noch die

Revision angeführt.

b) Die Revision hat auch keine Aussicht auf Erfolg. Der erkennende Se-

nat hat bereits entschieden, dass die Klägerin die Leistungszeit nicht nur in ih-

ren Allgemeinen Leistungsbedingungen, sondern, wenn die darin enthaltenen

Fälligkeitstermine mangels rechtzeitiger Rechnungsstellung bereits verstrichen

sind, auch individuell in ihren Rechnungen bestimmen kann (BGH, Urt. v.

15.02.2005 - X ZR 87/04, NJW 2005, 1772). Des Weiteren ist bereits entschie-

den, dass Änderungsrechnungen der Klägerin in der Regel nicht dazu führen,

dass der durch Versäumung des in der Erstrechnung genannten Zahlungster-

mins entstandene Verzug des Schuldners nicht entfällt, soweit die Hauptforde-

rung der Klägerin aufrechterhalten worden ist (BGH, Urt. v. 12.07.2006

- X ZR 157/05 unter II 3 a, zur Veröffentlichung vorgesehen).

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II. Den Revisionsklägern wird Gelegenheit zur Stellungnahme

gegeben.

binnen eines Monats

Melullis

Scharen

Ambrosius

Mühlens

Meier-Beck

Vorinstanzen:

LG Berlin, Entscheidung vom 10.02.2004 - 9 O 172/04 -

KG Berlin, Entscheidung vom 23.09.2005 - 7 U 70/05 -