BGH Beschluss vom 26.07.2006 – XII ZR 46/05
XII. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
26. Juli 2006
in dem Rechtsstreit
Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 26. Juli 2006 durch die
Vorsitzende Richterin Dr. Hahne, die Richter Sprick, Fuchs, Dr. Ahlt und die
Richterin Dr. Vézina
beschlossen:
Auf die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers wird die Revision
gegen das Urteil des 20. Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin
vom 24. Januar 2005 zugelassen, soweit der Kläger auf die Wi-
derklage zur Zahlung (41.576,35 € nebst Zinsen) verurteilt und
seine Klage auf Zahlung in Höhe von 2.301 € nebst Zinsen abge-
wiesen worden ist.
Insoweit und im Kostenpunkt wird auf die Revision des Klägers
das Urteil des 20. Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom
24. Januar 2005 gemäß § 544 Abs. 7 ZPO aufgehoben und die
Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die
Kosten der Revision sowie die Kosten der Nichtzulassungsbe-
schwerde, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
Im Übrigen (Abweisung der Klage auf Zahlung weiterer 3.835 €
nebst Zinsen) wird die Beschwerde des Klägers gegen die Nicht-
zulassung der Revision zurückgewiesen.
Gegenstandswert: 47.712,35 €
Gründe
I.
Der Kläger verlangt von dem Beklagten Räumung und Nutzungsent-
schädigung in Höhe von 6.136 € für die Zeit von September 2002 bis April 2003
nach fristloser Kündigung des am 1. Dezember 1999 für 10 Jahre zu einem fes-
ten Mietzins von 10 DM/m² abgeschlossenen Mietvertrages. Der Beklagte be-
gehrt widerklagend Ersatz der von ihm für das Mietobjekt erbrachten Investitio-
nen in Höhe von 47.712,35 € abzüglich der durch seine Aufrechnung gegen die
Klageforderung erloschener 6.136 €, somit 41.576,35 €, hilfsweise Gestattung
der Wegnahme von ihm eingebrachter Einrichtungen. Er stützt seinen Anspruch
auch auf Bereicherung in Form der durch die Investitionen erzielbaren höheren
Miete.
Das Landgericht hat den Beklagten, der den Räumungsanspruch in ers-
ter Instanz anerkannt hat, entsprechend dessen Anerkenntnis zur Räumung
und weiter bis auf einen Teil der geltend gemachten Zinsforderung zur Zahlung
verurteilt. Der Widerklage hat es im Hilfsantrag (Gestattung der Wegnahme von
Einrichtungen) stattgegeben und sie im Übrigen (Zahlungsantrag) abgewiesen.
Auf die Berufung des Beklagten hat das Berufungsgericht die Zahlungs-
klage abgewiesen und der Widerklage
im Hauptantrag (Zahlung von
41.576,35 €) stattgegeben. Dagegen richtet sich die Nichtzulassungsbeschwer-
de des Klägers, mit der er die Zulassung der Revision erstrebt, um seinen Zah-
lungsantrag weiter zu verfolgen und die Abweisung der Widerklage zu errei-
chen.
II.
Das angefochtene Urteil ist nach § 544 Abs. 7 ZPO in dem im Tenor ge-
nannten Umfang aufzuheben.
Die statthafte und auch im Übrigen zulässige Nichtzulassungsbe-
schwerde ist insoweit begründet, denn das Berufungsgericht hat entschei-
dungserheblichen Vortrag des Klägers übergangen und damit dessen Anspruch
auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) verletzt.
Art. 103 Abs. 1 GG verpflichtet das Gericht, das entscheidungserhebliche
Vorbringen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu
ziehen (BVerfGE 86, 133, 144; BVerfG NJW 1998, 2583, 2584; BVerfG ZIP
2004, 1762, 1763). Dagegen hat das Berufungsgericht, wie der Kläger zu Recht
rügt, verstoßen.
1. Das Berufungsgericht geht allerdings zu Recht davon aus, dass sich
der Umfang der durch die Investitionen eingetretenen Bereicherung danach
bemisst, in welchem Maß sich durch diese der objektive Ertragswert erhöht hat.
Das entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. Danach
bemisst sich der Umfang der Bereicherung bei wertsteigernden Investitionen
des Mieters nicht nach den Kosten der getätigten Verwendungen oder der da-
durch geschaffenen objektiven Wertsteigerung des Bauwerks, sondern nach
den Vorteilen, die der Vermieter aus dem erhöhten objektiven Ertragswert der
Mietsache tatsächlich erzielen kann oder hätte erzielen können (Senatsurteile
vom 5. Oktober 2005 - XII ZR 43/02 - WuM 2006, 169, vom 16. September
1998 - XII ZR 136/96 - NZM 1999, 19, 20 m.w.N.; BGH Urteile vom 10. Oktober
1984 - VIII ZR 152/83 - NJW 1985, 313, 315, vom 3. Februar 1959 - VIII ZR
91/58 - NJW 1959, 872, 874 = LM Nr. 8 zu § 818 Abs. 2 BGB).
2. Der Beklagte hat zum Umfang der Bereicherung unter Beweisantritt
vorgetragen, der aufgrund seiner Investitionen erzielbare höhere Mietzins
betrage 10 €/m².
Der Kläger hat demgegenüber eine durch die Investitionen eingetretene
Wertsteigerung wiederholt bestritten, insbesondere auch die Ortsüblichkeit der
von dem Beklagten behaupteten erzielbaren Miete von 10 €/m² und dabei dar-
auf abgehoben, dass die Räume speziell auf die Bedürfnisse des Beklagten
zugeschnitten worden wären, so dass andere Mieter die Räume nicht ohne er-
neute Umbauten mieten würden.
Im Hinblick auf dieses Bestreiten hätte das Berufungsgericht deshalb den
von dem Beklagten behaupteten, erzielbaren höheren Mietzins nicht zugrunde
legen dürfen, sondern hätte den angebotenen Sachverständigenbeweis einho-
len müssen.
Von dem Ergebnis des Sachverständigengutachtens hängt die Widerkla-
geforderung und die Klageforderung auf Nutzungsentschädigung ab, soweit sie
nicht durch den Verzicht des Klägers für die Monate Dezember 2002 bis April
2003 in Höhe von 3.835 € erloschen ist.
III.
Im Übrigen ist die Nichtzulassungsbeschwerde zurückzuweisen.
Weder die Annahme des Berufungsgerichts, dem Beklagten stehe ein
Ausgleichsanspruch nach den Grundsätzen über die Gewährung eines anre-
chenbaren Baukostenzuschusses zu, noch die Berechnung des Umfangs der
Bereicherung auf der Grundlage des erhöhten objektiven Ertragswerts der
Mietsache gebieten die Zulassung der Revision. Das gilt auch hinsichtlich der
Frage der Fälligkeit (vgl. Senatsurteile vom 8. November 1995 - XII ZR 202/94
- ZMR 1996, 122; vom 25. Oktober 2000 - XII ZR 136/98 - juris Abs. 23). Auch
liegen die weiter gerügten Verstöße gegen Verfahrensgrundrechte nicht vor.
Die Rechtssache hat insoweit weder grundsätzliche Bedeutung noch erfordert
die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtspre-
chung eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).
Von einer näheren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO
abgesehen.
Hahne Sprick Fuchs
Ahlt Vézina
Vorinstanzen:
LG Berlin, Entscheidung vom 19.05.2003 - 25 O 525/02 -
KG Berlin, Entscheidung vom 24.01.2005 - 20 U 141/03 -