BGH Beschluss vom 07.12.2006 – IX ZR 269/03
IX. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
7. Dezember 2006
in dem Rechtsstreit
Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter
Dr. Fischer, die Richter Raebel, Vill, Cierniak und die Richterin Lohmann
am 7. Dezember 2006
beschlossen:
Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem
Urteil des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Nürnberg vom
20. November 2003 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.
Der Streitwert des Beschwerdeverfahrens wird auf 85.302,06 €
festgesetzt.
Gründe
Die Nichtzulassungsbeschwerde ist nach § 544 ZPO statthaft und auch
im Übrigen zulässig. Sie ist jedoch nicht begründet. Die Rechtssache hat keine
grundsätzliche Bedeutung. Auch die Sicherung einer einheitlichen Rechtspre-
chung oder die Fortbildung des Rechts erfordern keine Entscheidung des Revi-
sionsgerichts (§ 543 Abs. 2 ZPO).
1. Die gerügte Gehörsverletzung durch das Berufungsgericht lässt sich
seiner Entscheidung nicht entnehmen. Die tatrichterliche Würdigung (Seite 7
unten, Seite 8 oben des Berufungsurteils), dass auch der steuerlich zutreffend
unterrichtete Kläger nicht alles beim Alten gelassen haben würde, wie er be-
hauptet hat, wird allein schon durch die Parteierklärung des Klägers vom
26. Juni 2003 vor dem Berufungsgericht getragen. Es ist nicht ersichtlich, dass
der als übergangen gerügte Vortrag hier etwas hätte ändern können.
Auf die Frage, ob ein entgegenstehender Anscheinsbeweis möglich ge-
wesen wäre, kommt es nicht an; denn dieser ist nach den genannten Feststel-
lungen des Berufungsgerichts von vornherein erschüttert. Bedarf für eine ent-
sprechende Rechtsfortbildung, die das Berufungsgericht nicht in Betracht gezo-
gen hat, besteht entgegen dem von der Beschwerde vertretenen Standpunkt
nicht.
2. Einen Anscheinsbeweis für das weitere Verhalten des Mandanten bei
richtiger Steuerauskunft kann es mangels typischer Lebenserfahrung nicht ge-
ben, wenn mehr als eine Gestaltungsmöglichkeit mit unterschiedlichen Ergeb-
nissen in Frage kommt (BGHZ 123, 311, 314 f; BGH, Urt. v. 22. Februar 2001
- IX ZR 293/99, WM 2001, 741, 743). Die Wahl unter solchen Gestaltungsmög-
lichkeiten kann auch nicht im Rahmen einer sekundären "Beratungspflicht" dem
beklagten Steuerberater zugeschoben werden, wie die Beschwerde meint. Eine
solche Beratung der Gegenpartei wäre etwas ganz anderes als eine Erklärung
über tatsächliche Geschehensabläufe, über die der hierzu unbeteiligte Gegner
keine näheren Erkenntnisse besitzt, so dass sich eine sekundäre Darlegungs-
last der unterrichteten Partei ergeben kann. Die Annahme einer solchen se-
kundären Beratungspflicht widerspräche zudem der gefestigten Rechtspre-
chung des Bundesgerichtshofs (vgl. BGHZ 123, 311, 314; BGH, Urt. v.
29. September 2005 - IX ZR 104/01, BGH-Report 2006, 164, 165).
Fischer
Raebel
Vill
Cierniak
Lohmann
Vorinstanzen:
LG Nürnberg-Fürth, Entscheidung vom 31.01.2001 - 13 O 1675/99 -
OLG Nürnberg, Entscheidung vom 20.11.2003 - 2 U 987/01 -