BGH Beschluss vom 11.02.2009 – IV ZR 4/07
IV. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
11. Februar 2009
in dem Rechtsstreit
Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsit-
zenden Richter Terno, die Richter Dr. Schlichting, Wendt, Felsch und
Dr. Franke
am 11. Februar 2009
beschlossen:
Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in
dem Urteil des 15. Zivilsenats des Oberlandesgerichts
Köln vom 28. November 2006 wird auf Kosten der Beklag-
ten zurückgewiesen.
Streitwert: 61.355 €.
Gründe
Die Nichtzulassungsbeschwerde zeigt Gründe für die Zulassung
der Revision i.S. von § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO nicht auf, weil die zur Prü-
fung gestellte Rechtsfrage nicht entscheidungserheblich ist.
1. Die Beschwerdeführerin und Beklagte beanstandet, Angaben
aus ihrer Anhörung vor dem Berufungsgericht nach § 141 ZPO seien zu
Unrecht als Geständnis i.S. von § 288 ZPO bewertet worden. Das Vor-
gehen des Berufungsgerichts stehe in Divergenz zu Urteilen des Bun-
desgerichtshofs vom 7. Februar 2006 (VI ZR 20/05 - VersR 2006, 663
Tz. 7) und des Oberlandesgerichts Hamm vom 28. Dezember 1995 (31 U
117/94 - NJW-RR 1997, 999 unter II 1) und widerspreche auch den vom
Bundesgerichtshof in der Entscheidung BGHZ 129, 108, 109 ff. aufge-
stellten Grundsätzen. Infolge dessen habe das Berufungsgericht bei Prü-
fung der Frage, ob der von der Klägerin als Darlehensrückforderung be-
anspruchte Geldbetrag ursprünglich unter der Abrede späterer Rückzah-
lung ausgezahlt worden sei, auf die gebotene Gesamtwürdigung des
Verhandlungs- und Beweisergebnisses unter Einbeziehung der Zeugen-
aussage des Ehemannes der Beklagten verzichtet. Eine solche Würdi-
gung hätte das Berufungsgericht zu dem Ergebnis geführt, dass die Klä-
gerin den ihr obliegenden Beweis für die Hingabe des Geldes als Darle-
hen (vgl. Senatsbeschluss vom 26. September 2007 - IV ZR 145/07 -
veröffentlicht in juris und auf der Internetseite des BGH Tz. 4; BGH, Ur-
teile vom 3. Dezember 1987 - III ZR 120/86 - BGHR BGB § 607 Beweis-
last 1; vom 28. Oktober 1982 - III ZR 128/81 - NJW 1983, 931 unter II;
vom 24. Mai 1976 - III ZR 63/74 - WM 1976, 974 unter 1) nicht erbringen
könne.
2. Die Urteilsgründe weisen demgegenüber aber hinreichend aus,
dass das Berufungsgericht ungeachtet seiner Annahme, die Beschwer-
deführerin habe es i.S. von § 288 ZPO eingestanden, das Geld ursprüng-
lich mit der Abrede späterer Rückzahlung erhalten zu haben, diese An-
gaben unter Einbeziehung der Zeugenaussage umfassend gewürdigt hat.
Es hat sich im Ergebnis die Überzeugung davon verschafft, dass ur-
sprünglich eine Darlehensabrede bestanden hat, und sich nicht darauf
beschränkt, diese Frage allein auf der Grundlage der Bindungswirkung
des vermeintlichen Geständnisses zu entscheiden.
Für eine umfassende Würdigung spricht insbesondere der Um-
stand, dass sich das Berufungsgericht mit Blick auf die Zeugenaussage
des Ehemannes der Beklagten ausdrücklich auch mit der Frage befasst
hat, ob von einer anfänglichen Schenkung des Geldes ausgegangen
werden könne. Für eine solche Prüfung wäre kein Raum mehr gewesen,
wenn das Berufungsgericht von einer strengen Bindung an ein Geständ-
nis der Beklagten ausgegangen wäre.
Gelangt der Tatrichter über eine Würdigung nach § 286 ZPO zu
demselben Ergebnis, zu dem ihn auch die Annahme eines bindenden
Geständnisses geführt hätte, so wirkt sich der Streit um die Frage, ob ein
Geständnis vorliegt, nicht auf die Entscheidung aus (vgl. dazu Orfanides,
NJW 1990, 3174, 3175).
Terno Dr. Schlichting Wendt
Felsch Dr. Franke
Vorinstanzen:
LG Aachen, Entscheidung vom 21.03.2006 - 10 O 513/05 - OLG Köln, Entscheidung vom 28.11.2006 - 15 U 64/06 -