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BPatG Beschluss vom 12.07.2000 – 29 W (pat) 177/99

29. Senat

Zitiert von 1 Entscheidungen 1 zitierte Normen

BUNDESPATENTGERICHT

_______________

(Aktenzeichen)

B E S C H L U S S

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 397 30 586.9

hat der 29. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der

Sitzung vom 12. Juli 2000 durch den Vorsitzenden Richter Meinhardt und die

Richter Dr. Vogel von Falckenstein und Baumgärtner 10.99

beschlossen:

Auf die Beschwerde der Anmelderin wird der Beschluß der

Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts vom 16. April 1999 aufgehoben.

Angemeldet ist die Wortfolge

G r ü n d e

I.

"German Connect"

als Marke für "elektrische, elektronische, optische, Meß-, Signal-, Kontroll- oder

Unterrichtsapparate und -instrumente (soweit in Klasse 9 enthalten); Apparate zur

Aufzeichnung, Übertragung, Verarbeitung und Wiedergabe von Ton, Bild oder

Daten; maschinenlesbare Datenaufzeichnungsträger, Verkaufsautomaten und

Mechaniken für geldbetätigte Apparate, Datenverarbeitungsgeräte und Computer;

Telekommunikation; Betrieb und Vermietung von Einrichtungen für die Telekommunikation, insbesondere Funk und Fernsehen; Erstellen von Programmen für die

Datenverarbeitung; Dienstleistungen einer Datenbank, nämlich Vermietung der

Zugriffszeiten zu und Betrieb von Datenbanken, sowie Sammeln und Liefern von

Daten, Nachrichten und Informationen; Vermietung von Datenverarbeitungseinrichtungen und Computern; Projektierung und Planung von Einrichtungen für die

Telekommunikation."

Die Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts hat die

Anmeldung zurückgewiesen, weil die Marke freihaltebedürftig sei und ihr jegliche

Unterscheidungskraft fehle. Für die an Englisch als Fachsprache im Computerbereich gewöhnten angesprochenen Verkehrskreise werde das sprachüblich gebildete Gesamtzeichen ohne Schwierigkeiten in seiner Bedeutung "deutsche/

deutschlandweite Verbindungen" verstanden. In der EDV-Sprache werde das Verb

"connect" häufig substantivisch im Sinn von "Verbindung" gebraucht. In seiner

konkreten Zusammensetzung ergebe sich für das Zeichen der rein beschreibende

Bedeutungsgehalt, daß sämtliche erfaßten Waren und Dienstleistungen der

Anmelderin, die im weitesten Sinne dem IT-Bereich zuzuordnen seien, dazu

dienten, quer über Deutschland Verbindungen in Form von elektronischen Datenverarbeitungssystemen zu schaffen. Auf Grund des beschreibenden Charakters

fehle der angemeldeten Marke auch das erforderliche Mindestmaß an Unterscheidungskraft.

Mit ihrer hiergegen gerichteten Beschwerde macht die Anmelderin u.a. geltend,

die angemeldete Wortfolge besitze das erforderliche Maß an Unterscheidungskraft. Die Zusammenstellung ihrer englischsprachigen Bestandteile sei sprachsystemwidrig gebildet, sie ergebe direkt übersetzt keinen Sinn. Der Marke komme

daher keine mittelbar oder unmittelbar beschreibende Eigenschaft für die angemeldeten Waren und Dienstleistungen zu. Die beteiligten Verkehrskreise würden

die Marke auf Grund ihres Phantasiegehalts als Herkunftshinweis betrachten.

Mangels beschreibenden Inhalts bestehe auch kein Freihaltebedürfnis an der angemeldeten Wortfolge.

Sie beantragt,

den Beschluß der Markenstelle

für Klasse 38 vom

16.04.1999 aufzuheben.

II.

Die zulässige Beschwerde der Anmelderin hat in der Sache Erfolg, da der angemeldeten Marke der Schutz weder wegen eines Freihaltebedürfnisses noch mangels Unterscheidungskraft versagt werden kann (§ 8 Abs. 2 Nr 2 und 1 MarkenG).

1. Der Senat vermag für die angemeldete Wortfolge kein aktuelles oder zukünftiges Freihaltebedürfnis für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen festzustellen. Entgegen der Auffassung der Markenstelle ist der angemeldeten

Wortfolge "German Connect" kein unmittelbar, rein beschreibender Bedeutungsgehalt für die im Warenverzeichnis beanspruchten Waren und Dienstleistungen zu entnehmen.

Soweit der Senat insbesondere bei einer Internet-Recherche die verfahrensgegenständliche Wortverbindung (zumeist in der Version "german-connect") gefunden hat, beziehen sich die Fundstellen auf eine Provider-Bezeichnung sowie

auf Account- und Domain-Namen, also auf einen firmen- bzw. namensmäßigen

Gebrauch; eine beschreibende Verwendung für die beanspruchten Waren und

Dienstleistungen hat sich insoweit nicht ergeben und konnte erst recht nicht

lexikalisch nachgewiesen werden.

Entgegen der Auffassung der Markenstelle läßt sich auch aus dem Sinn der

einzelnen Wörter der angemeldeten Wortfolge keine für die beanspruchten

Waren und Dienstleistungen beschreibende Bedeutung i.S.v. § 8 Abs. 2 Nr. 2

MarkenG entnehmen. Soweit eine beschreibende Aussage nur angedeutet

wird, steht der Eintragung regelmäßig kein Freihaltebedürfnis entgegen

(Althammer/ Ströbele/Klaka Markengesetz 5. Aufl., Rn 63 zu § 8). Die Wortfolge

"German Connect" ist weder sprachüblich gebildet noch enthält sie einen sich

ohne weiteres erschließenden Sinngehalt. Beide Bestandteile "German" und

"connect" entstammen der englischen Sprache und gehören zum Grundwortschatz (z.B. Klett, Grund- und Aufbauwortschatz Englisch, 1992), so daß

zwar ohne weiteres davon auszugehen ist, daß sie von den beteiligten Verkehrskreisen auch in ihren (Grund-) Bedeutungen "deutsch, Deutsche(r)" und

"verbinden" verstanden werden. Daraus ergibt sich für das Zeichen als Ganzes

für die angesprochenen Verkehrskreise bezüglich der hier maßgeblichen Waren

oder Dienstleistungen aber kein verständlicher oder gar beschreibender

Sinngehalt, worauf die Beschwerdeführerin zu Recht hinweist. Allgemein ist zu

berücksichtigen, daß der Verkehr eine Marke so aufnimmt, wie sie ihm entgegentritt und sie nicht analysiert. Die insoweit als erstes naheliegende quasiwörtliche Übersetzung der Wortfolge mit "deutsch verbinden" weist weder für

sich genommen noch in Bezug auf die angemeldeten Waren und Dienstleistungen einen konkret erfaßbaren Sinn auf. Es ist schon unklar, welche was

beschreibende Bedeutung der Verkehr einem Verbinden im Zusammenhang

mit beispielsweise elektrischen, elektronischen und optischen, Meß-, Signal-,

Kontroll- oder Unterrichtsapparate und -instrumenten, Apparate, zur Aufzeichnung, Übertragung, Verarbeitung und Wiedergabe von Ton, Bild oder Daten,

maschinenlesbaren Datenaufzeichnungsträger oder Verkaufsautomaten und

Mechaniken für geldbetätigte Apparate beimessen könnte. Dies gilt um so mehr

und bei sämtlichen angemeldeten Waren und Dienstleistungen hinsichtlich eines "deutschen" Verbindens. Um dem Zeichen überhaupt einen Sinn geben zu

können, ist ein weiterer interpretierender Schritt erforderlich, nämlich die Substantivierung des Bestandteils "Connect". Selbst wenn dessen Großschreibung

innerhalb des Zeichens insoweit eine Hilfestellung leistet, und in der EDV-

Fachsprache der substantivische Gebrauch des Begriffs "connect" lexikalisch

nachweisbar ist, z.B. in den Verbindungen "connect profile" - Verbindungsprofil,

"direct connect" - Direktanschluß, "connect signal" - Verbundensignal oder

"connect time" - Verbundenzeit (vgl. Fachausdrücke der Informationsverarbeitung, Wörterbuch und Glossar, Englisch - Deutsch Deutsch - Englisch, IBM

1985), folgt daraus kein die konkreten Waren und Dienstleistungen beschreibender Sinngehalt des Gesamtzeichens. Denn insoweit würde der Verkehr das

Zeichen zunächst als "deutsche Verbindung" oder synonym als "deutschen Anschluß" aufnehmen, für deren Sinngehalt das oben Gesagte entsprechend gilt.

Dementsprechend müßten die angesprochenen Verkehrskreise das angemeldete Zeichen weiter auslegen, um zu dem von der Markenstellen angenommenen Sinn der "deutschlandweiten Verbindung" zu gelangen. Dazu kommt weiterhin, daß der Sinngehalt der angemeldeten Marke auch als "deutsches Verbundensein" oder als "deutschlandweites Verbundensein" verstanden werden

könnte, da "connect" in Alleinstellung in der EDV-Fachsprache als Meldung für

eine zustandegekommene Verbindung steht (DATA BECKER Das große PC

Lexikon 2000).Von einem Zeichen mit einer unmittelbar beschreibenden Bedeutung, die für das inländische Publikum ohne weiteres verständlich ist und als

solche erkannt wird, kann daher nach Auffassung des erkennenden Senats

nicht ausgegangen werden, zumal dem Adjektiv "German" ein weit über seine

allgemeine Bedeutung hinausgehender Sinn gegeben werden müßte.

Es sind auch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, daß sich der erörterte gegenwärtige Sprachgebrauch in eine andere Richtung entwickeln und der Verkehr "German Connect" künftig für den werblichen Gebrauch benötigen könnte.

2. Der angemeldeten Wortfolge kann auch die erforderliche Unterscheidungskraft

nicht abgesprochen werde. Ihre grundsätzliche Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für Waren oder Dienstleistungen der Anmelderin von denen

anderer Unternehmen aufgefaßt zu werden, ergibt sich daraus, daß ihr, wie

ausgeführt, für die in Frage stehenden Waren und Dienstleistungen weder ein

eindeutiger noch ein beschreibender Begriffsinhalt zugeordnet werden kann.

Angesichts der vorliegenden

Interpretationsbedürftigkeit wird beim Verkehr eher die Vorstellung eines betrieblichen Unterscheidungsmittels aufkommen.

Meinhardt

Dr. Vogel von Falckenstein

Baumgärtner

Ko