Rechtsprechung / BPatG / 2004
BPatG Beschluss vom 31.08.2004 – 33 W (pat) 422/02
33. Senat
BUNDESPATENTGERICHT
33 W (pat) 422/02 _______________________
(Aktenzeichen)
…
B E S C H L U S S
In der Beschwerdesache 10.99
betreffend die Marke 300 17 208
hat der 33. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der
Sitzung vom 31. August 2004 durch den Vorsitzenden Richter Winkler, die Richterin Pagenberg und den Richter Kätker
beschlossen:
1.
Auf die Beschwerde des Widersprechenden werden die Beschlüsse
der Markenstelle
für
Klasse 19
vom
28. August 2001 und vom 7. März 2002 aufgehoben, soweit
der Widerspruch aus der IR-Marke 574 594 zurückgewiesen
worden ist.
2.
Die Sache wird zur Fortsetzung des Widerspruchsverfahrens
an das Deutsche Patent- und Markenamt zurückverwiesen.
3.
Die Rückzahlung der Beschwerdegebühr wird angeordnet.
G r ü n d e
I
Gegen die Eintragung der Wortmarke 300 17 208
PANDA
mit dem Waren- und Dienstleistungsverzeichnis der Klassen 9, 19 und 42
"Hardware sowie Software, Computer, Computerteile, Computerprogramme; Computerausrüstungen, im Wesentlichen bestehend
aus Computertastaturen, Computerzentraleinheiten, Datenträgern,
Datenübertragungssystemen, Modems, Monitoren, Schnittstellengeräten, Stromversorgungsgeräten für Computer; Computerperipheriegeräte, im Wesentlichen bestehend aus Druckern, Plottern,
Scannern; elektronische Steuerungen; alle vorgenannten Waren
für die Herstellung und den Vertrieb der Waren der Klasse 19; Agglomarmor
(Naturstein, kunstharzgebunden); Baumaterialien,
Bauten, Dächer, Dämmstoffe für Bauzwecke, Erzeugnisse aus
Beton, Holz, Leichtbeton oder Ziegeln, Betonwerkstein und Erzeugnisse aus Betonwerkstein; Betonwerksteinblöcke; Betonwerksteinplatten, insbesondere Wand-, Boden- und Fassadenplatten; Decken- und Wandverkleidungsteile; Fensterbänke; Fliesen und andere keramische Erzeugnisse; gepresste Betonwerksteinplatten; Kunststeine, bearbeitet und unbearbeitet; Naturstein,
nämlich Granit, Marmor, Sandstein; Sockelleisten; Terrazzoerzeugnisse; Treppen- und Treppenstufen; Türen; sämtliche vorgenannte Waren für Bauzwecke und nicht aus Metall; Bauberatung,
Erstellen von Programmen für die Datenverarbeitung, Erstellung
von Baugutachten, Landvermessung, Vermittlung und Durchführung von Dienstleistungen eines Architekten, Landschafts- und Innenarchitekten, Statikers und anderen Sonderfachleuten am Bau,
technische Projektplanung, Vermittlung und Durchführung von
Baugrunduntersuchungen; Erstellen von Programmen für die Datenverarbeitung für die Herstellung und den Vertrieb der Waren
der Klasse 19"
ist Widerspruch ua erhoben aufgrund der Wortmarke IR 574 594
PANDA
die in Deutschland für die Waren und Dienstleistungen
Produits chimiques destinés à l'industrie, aux sciences, à la
photographie, l'agriculture, l'horticulture et la sylviculture.
Couleurs, vernis, laques, colorants.
Savons, parfumerie, huiles essentielles, cosmétiques, lotions
capillaires; pâtes dentifrices.
Huiles et graisses industrielles, matières, éclairantes; bougies,
veilleuses et mèches.
Produits
pharmaceutiques,
hygièniques
et
vétérinaires;
substances, diététiques à usage médical, pour bébés; emplâtres
et pansements; désinfectants.
Coutellerie, fourchettes et cuillers.
Appareils et instruments scientifiques, nautiques, géodésiques,
photographiques, cinématographiques et optiques, appareils et
instruments destinés à l'enseignement; verres de lunettes et
matériel optique; distributeurs automatiques et mécanismes pour
appareils à prépaiement; appareils pour l'enregistrement ou la
diffusion du son, radios, tourne-disques, appareils à cassettes ou
à bandes magnétiques; calculatrices électroniques.
Véhicules; appareils pour voyager sur terre, air ou mer.
Métaux précieux et leures alliages, ainsi que tous objets fabriqués
à partir de ces métaux précieus ou de leures alliages; joaillerie,
pierres
précieuses;
horlogerie
et
autres
instruments
chronométriques; bracelets et bracelets-montres.
Instruments de musique.
Papier, carton, cartes postales, cartes de vœux, calendriers, sousmains, puzzles, cartes murales, posters, albums, lithographies,
autocollants, journaux et périodiques, livres, matériel pour la
reliure, photographies, articles de papeterie, matériel pour artistes,
pinceaux, machines à écrire et articles de bureau (à l'exception
des meubles); matériel d'instruction ou d'enseignement (à
l'exception des appareils), cartes à jouer, caractères d'imprimerie,
clichés.
Tuyaux flexibles non métalliques.
Cuir, mallettes, sacs, sacs d'école, peaux et fourrures, malles et
valises, parapluies, parasols et cannes.
Pierres naturelles et artificielles; ornements et monuments de
pierre.
Mobilier, miroirs, cadres pour tableaux.
Utensiles et récipients pour le ménage ou la cuisine (ni en métaux
précieux, ni en plaqué); peignes et éponges, brosses de toutes
sortes; verrerie, porcelaine et faìence comprises dans cette
classe.
Cordes, ficelles, filets, tentes, bâches, voiles, sacs; matières de
rembourrage (crin, kapok, plumes, algues marines et produits
similaires); matières textiles fibreuses brutes.
Fils à usage textile.
Tissus, étoffes textiles; couvertures de lit, nappes.
Vêtements à l'exception des bottes, chaussures et pontoufles;
ceintures.
Dentelles; broderies; rubans et lacets; boutons, boutons-pression,
crochetes et œillets, èpingles et aiguilles.
Tapis, paillassons, nattes, linoléum et autres revêtements de sols;
tentures.
Jeux, jouets; articles de gymnastique et de sport; ornements et
décorations pour arbres de Noël.
Gelées, confitures, huiles et graisses comestibles, conserves
alimentaires, sauces à salade.
Café, thé, cacao, sucre, riz, sagou, farines et préparations à base
de céréales, biscuits, gâteaux, pâtisseries, confiserie, crèmes
glacées, miel, sirop de mélasse, levure, poudre à lever; seil,
moutarde, poivre, vinaigre, sauces; épices; glace alimentaire;
pain, pain azyme, pain d'épices, poudres pour glaces alimentaires;
préparations aromatiques pour la cuisine.
Graines et produits agricoles, horticoles et forestieres; semences;
aliments pour animaux.
Bières; eaux minérales et gazeuses et autres boissons sans
alcool.
Vins, spiritueux et liqueurs.
Tabac brut et manufacturé; articles pour fumeurs, allumettes
Schutz genießt.
Auf die Nichtbenutzungseinrede des Markeninhabers vom 21. Dezember 2000 hat
die Markenstelle für Klasse 19 des Deutschen Patent- und Markenamts den Widersprechenden mit Schreiben vom 26. Januar 2001 aufgefordert, die Benutzung
der Widerspruchsmarke innerhalb einer Frist von 2 Monaten glaubhaft zu machen.
Der Widersprechende hat sich nicht geäußert, worauf ua der Widerspruch aus der
IR-Marke 574 594 mit Beschluss vom 28. August 2001 wegen fehlender Glaubhaftmachung zurückgewiesen worden ist. Die Zurückweisung ua des vorliegenden
Widerspruchs hat der Erinnerungsprüfer durch Formularbeschluss vom
7. März 2002 bestätigt, wobei er ebenfalls von einer zulässigen Nichtbenutzungseinrede ausgegangen ist.
Hiergegen richtet sich die Beschwerde des Widersprechenden, mit der er geltend
macht, dass es für die Widerspruchsmarke IR 574 594 bislang nicht auf deren Benutzung ankomme, weil die Benutzungsschonfrist auch bei Beschwerdeeinlegung
noch nicht abgelaufen sei, sondern erst im Jahr 2004 ablaufe.
Mit Zwischenbescheid vom 9. Januar 2003 hat der Senat den Verfahrensbeteiligten mitgeteilt, dass die Schlussmitteilung des Deutschen Patent- und Markenamts
bezüglich der Widerspruchsmarke, dem
Internationalen Büro erst am
27. Januar 1999 zugegangen sei. Die Zurückweisung des Widerspruchs mangels
Benutzungsnachweises durch die Markenstelle erscheine daher nicht
gerechtfertigt, so dass eine Zurückverweisung nach § 70 Abs 3 Nr 1 MarkenG
erwogen werde.
Der Widersprechende beantragt sinngemäß,
die angefochtenen Beschlüsse hinsichtlich der Zurückweisung des
Widerspruchs aus der IR-Marke 574 594 aufzuheben und die Sache zur Fortsetzung des Widerspruchsverfahrens an die Markenstelle zurückzuverweisen.
Die Markeninhaberin hat hiergegen weder Einwände erhoben noch im Beschwerdeverfahren Anträge gestellt.
Wegen weiterer Einzelheiten wird auf den Akteninhalt Bezug genommen.
II
Die zulässige Beschwerde führt zur (teilweisen) Aufhebung der angefochtenen
Beschlüsse, soweit der Widerspruch aus der IR-Marke 574 594 wegen fehlender
Glaubhaftmachung der Benutzung zurückgewiesen worden
ist, sowie zur
Zurückverweisung der Sache an die Markenstelle des Patentamts gemäß § 70
Abs 3 Nr 1 und 2 MarkenG.
Die Voraussetzungen für die teilweise Aufhebung der angefochtenen Beschlüsse,
ohne dass der Senat in der Sache selbst entscheidet, sind hier gegeben. Das Patentamt hat in der Sache selbst, nämlich der Frage der Verwechslungsgefahr der
Vergleichsmarken nach § 9 Abs 1 Nr 2 iVm § 42 Abs 2 Nr 1 MarkenG, noch nicht
entschieden und das Verfahren vor der Markenstelle leidet an einem wesentlichen
Begründungsmangel. Die Markenstelle ist zu Unrecht davon ausgegangen, dass
die Benutzung der IR Marke 574 594 vom Markeninhaber am 21. Dezember 2000
wirksam bestritten werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt lief noch die Benutzungsschonfrist für die Widerspruchsmarke, die ausweislich der Widerspruchsakte nach
Berichtigung erst mit dem Tag des Zugangs der abschließenden Mitteilung über
den Umfang der Schutzbewilligung beim Internationalen Büro der Weltorganisation für geistiges Eigentum am 27. Januar 1999 gemäß § 115 Abs 2 MarkenG zu
laufen begonnen hatte. Diesen Umstand hat der Markeninhaber nicht bedacht, die
Markenstelle nicht geprüft und auch der Widersprechende nicht angegeben.
Die Erhebung der Nichtbenutzungseinrede am 21. Dezember 2000 war unzulässig. Eine unzulässig erhobene Einrede wird mit dem Ablauf der Benutzungsschonfrist auch nicht automatisch zu einer rechtswirksamen Einrede, so dass die
angefochtenen Beschlüsse nicht auf die fehlende Glaubhaftmachung der Benutzung gestützt werden konnten. Sie leiden an einen wesentlichen Verfahrensmangel und sind daher aufzuheben.
Bei der Entscheidung, die Sache an das Patentamt zurück zu verweisen, hat der
Senat berücksichtigt, dass die Verfahrensbeteiligten auf Grund ihrer Eingaben einen Instanzverlust nicht erleiden wollen. Hinzu kommt, dass die Sache im Beschwerdeverfahren nicht entscheidungsreif ist, so dass eine Verfahrensverzögerung im Hinblick auf eine zügige Fortsetzung des Widerspruchsverfahrens durch
die bereits angekündigte Zurückverweisung nicht zu befürchten ist.
Für eine Kostenauferlegung nach § 71 Abs 1 MarkenG bestand keine Veranlassung. Die Rückzahlung der Beschwerdegebühr war angesichts des Verfahrensmangels der angefochtenen Beschlüsse auf Grund der fehlerhaften Aufforderung
zur Glaubhaftmachung der Benutzung durch die Markenstelle angezeigt.
Winkler
Kätker
Pagenberg
Hu