Gesetze / Landesrecht Brandenburg / Verordnung über das Naturschutzgebiet „Havelländisches Luch“
VO-ID212010§ 3 Schutzzweck
(1) Schutzzweck für das großräumige, für Brandenburg repräsentative, naturnahe Luchgebiet mit dem landschaftsprägenden Wechsel von Niedermoorwiesen und ackerbaulich genutzten Sander- und Moränenkuppen ist die Erhaltung und Entwicklung
als Lebensraum wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere von Feucht- und Frischwiesen (Molinietalia; Arrhenatheretalia), Röhrichten und Seggenrieden (Phragmitetalia; Caricetalia nigrae), Trockenrasen (Corynephoretalia; Festuco-Sedetalia), Wäldern und Feldgehölzen und der Lebensgemeinschaften extensiv genutzter Äcker und Brachen;
als Lebensraum wild lebender Pflanzenarten, darunter zahlreicher nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützter Arten, beispielsweise Sumpf-Knabenkraut (Orchis palustris), Breitblättriges und Steifblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis/incarnata), Rauhe Nelke (Dianthus armeria), Pracht-Nelke (Dianthus superbus), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), Wasserfeder (Hottonia palustris), Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua), Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis);
als Lebens- beziehungsweise Rückzugsraum und Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, darunter zahlreicher nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 oder Nr. 11 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützter oder besonders streng geschützter Säugetier-, Vogel-, Amphibien-, Reptilien-, und Wirbellosenarten, wie beispielsweise Fischotter (Lutra lutra), Graues Langohr (Plecotus austriacus), Großer Brachvogel (Numenius arquata), Rotbauchunke (Bombina bombina), Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), Pappelglucke (Gastropacha populifolia), Große Flussmuschel (Unio tumidus);
des Gebietes als Bestandteil eines überregionalen Biotopverbundes in Verbindung mit den Gebieten Unteres Rhinluch, Belziger Landschaftswiesen sowie der unteren Havel;
sowie die Sicherung des Gebietes aus wissenschaftlichen Gründen zur Forschung an naturschutzfachlichen Fragestellungen in einer agrarisch genutzten Landschaft.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung
des Gebietes als Europäisches Vogelschutzgebiet „Havelländisches Luch“ nach der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (ABl. EG Nr. L 103 S. 1), zuletzt geändert durch die Richtlinie 97/49/EG vom 29. Juli 1997 (ABl. EG Nr. L 233 S. 9) – Vogelschutz-Richtlinie – in seiner Funktion:
als Lebensraum von Arten nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie, beispielsweise Großtrappe (Otis tarda), Wachtelkönig (Crex crex), Tüpfelralle (Porzana porzana), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Wiesenweihe (Circus pygargus), Große Rohrdommel (Botaurus stellaris), Weißstorch (Ciconia ciconia), Kranich (Grus grus), Kampfläufer (Philomachus pugnax), Eisvogel (Alcedo atthis), einschließlich ihrer Brut- und Nahrungsbiotope,
als Durchgangs-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvogelarten, beispielsweise Saat-/Blessgans (Anser fabalis/albifrons), Kiebitz (Vanellus vanellus), Kranich (Grus grus), Zwergschwan (Cygnus bewickii), Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria);
von trockenen, kalkreichen Sandrasen als Lebensraumtyp nach Anhang I der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (ABl. EG Nr. L 206 S. 7), zuletzt geändert durch die Richtlinie 97/62/EG vom 27. Oktober 1997 (ABl. EG Nr. L 305 S. 42) – Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.