Rechtsprechung / BGH

BGH Urteil vom 16.07.2004 – V ZR 228/03

V. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk:

ja

BGHZ:

nein

Verkündet am: 16. Juli 2004 K a n i k, Justizamtsinspektorin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

SachenRBerG § 3 Abs. 2 Satz 2, § 7 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2, § 9 Abs. 2 Nr. 3

a) War nach dem Recht der DDR für eine bauliche Investition eine Absicherung im Sinne des § 3 Abs. 2 Satz 1 SachenRBerG vorgesehen, scheitert eine Bereini- gung des Rechtsverhältnisses nach Satz 2 der Vorschrift (Nachzeichnung) nicht daran, daß die Beteiligten die Absicherung nicht bedacht oder nicht für erforder- lich gehalten haben.

§ 3

Abs. 2

b) § 9 Abs. 2 Nr. 3 SachenRBerG erweitert die Tatbestände des § 7 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Nr. 2 SachenRBerG auf den Fall, daß der Gemeinschaft für eine Eigeninvestition kein Nutzungsrecht/keine Rechtsträgerschaft übertragen worden war, und sie das Ge- bäude auch nicht selbst erstellt, sondern dessen Erstellung einem Dritten (Haupt- auftraggeber) überlassen hatte.

Abs. 2

Satz 1

und

des

§ 7

c) Hatte eine sozialistische Genossenschaft die Finanzierung eines ausschließlich für ihre Zwecke erstellten Bauwerkes übernommen, so wird vermutet, daß sie in der einen Investitionsauftraggeber kennzeichnenden Weise auf die Gebäudeer- stellung durch einen Dritten (Hauptauftraggeber) Einfluß genommen hat.

BGH, Urt. v. 16. Juli 2004 - V ZR 228/03 - Brandenburgisches OLG

LG Neuruppin

Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung

vom 16. Juli 2004 durch den Vizepräsidenten des Bundesgerichtshofes

Dr. Wenzel und die Richter Tropf, Prof. Dr. Krüger, Dr. Gaier und Dr. Schmidt-

Räntsch

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 5. Zivilsenats

des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 26. Juni 2003

aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch

über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsge-

richt zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

Durch Organisationsvertrag vom Februar 1988 verpflichtete sich der Rat

der Gemeinde B. gegenüber der Rechtsvorgängerin der Klägerin, der

Konsumgenossenschaft W. /P. , auf einem volkseigenen Grund-

stück "einen Verkaufsstellenneubau (individuelles Projekt) als Initiativmaßnah-

me" zu errichten. Die Genossenschaft "sicherte die handelstechnische Ausrü-

stung ab" und übernahm die Verpflichtung, "nach der bauseitigen Fertigstel-

lung des Gebäudes die finanzielle Ablösung des Gebäudes vorzunehmen". Am

8. Dezember 1989 übersandte der Rat der Gemeinde der Konsumgenossen-

schaft als "Rechnungsabschluß" die bei dem Bauvorhaben angefallenen

Handwerker- und Lieferantenrechnungen "zur Finanzierung der Verkaufsstelle

H. " (scil. Ortsteil von B. ) und bat "um Überweisung der A u f w e n-

d u n g e n zur Errichtung der Verkaufsstelle" in Höhe von 158.700 M. Die Lei-

stungen waren, soweit sie von Dritten erbracht worden waren, dem Rat in

Rechnung gestellt, soweit dieser selbst Leistungen erbracht hatte (einzelne

Materiallieferungen), stellte er Rechnungen auf die Genossenschaft aus. Ob

der Betrag gezahlt wurde, ist streitig. Durch privatschriftlichen Vertrag vom

7. Dezember 1989 verkaufte der Rat der Gemeinde "mit dem heutigen Datum

den Verkaufsstellenneubau der Gemeinde H. , welcher als Initiativneubau

errichtet wurde, lt. bestehenden Organisationsvertrag in Höhe von 158.700 M"

an die Genossenschaft.

Die Klägerin begehrt gegenüber der Beklagten, auf die das Eigentum an

dem Grundstück übergegangen ist, die Feststellung, daß ihr die Ansprüche

nach dem Sachenrechtsbereinigungsgesetz auf Ankauf des Grundstücks,

wahlweise auf Bestellung eines Erbbaurechts zustehen. Die Klage ist in den

Tatsacheninstanzen ohne Erfolg geblieben. Mit der von dem Senat zugelasse-

nen Revision verfolgt die Klägerin den Feststellungsantrag weiter.

Entscheidungsgründe

I.

Das Berufungsgericht lehnt einen Bereinigungsanspruch nach § 7

Abs. 2 Nr. 2 SachenRBerG ab; denn die Genossenschaft habe weder das

Grundstück bebaut noch sei ihr eine Rechtsträgerschaft daran übertragen wor-

den. Es könne auch nicht festgestellt werden, daß ihr ein Rechtsträgerwechsel

vom Rat der Gemeinde zugesagt worden sei. Allein aufgrund des Organisati-

onsvertrags könne ein solcher Schluß nicht gezogen werden. Die finanzielle

Ablösung könne auch bedeuten, daß die Genossenschaft ihren Beitrag zu ei-

ner gemeinsamen Baumaßnahme geleistet habe und die Nutzung der Ver-

kaufsstelle im Rahmen eines Nutzungsvertrages erfolgen sollte. Auch aus § 9

Abs. 2 Nr. 3 SachenRBerG lasse sich ein Anspruch nicht herleiten. Die unter-

stellte Zahlung der Rechnungen reiche hierfür nicht aus, solange eine Beteili-

gung der Genossenschaft an der Planung und Ausführung des Baues nicht

ersichtlich sei und vor allem die Beklagte keine näheren Anhaltspunkte dafür

vorgebracht habe, daß eine über eine schuldrechtliche Nutzung hinausgehen-

de Absicherung gewollt, jedenfalls nicht ausgeschlossen gewesen sei. Der Vor-

trag sei erforderlich gewesen, da eine solche Absicherung dem Gesetz zuwider

gelaufen wäre, das eine Überlassung von Grundmitteln an Genossenschaften

nur durch Nutzungsvertrag vorgesehen habe.

Dies hält den Angriffen der Revision nicht stand.

II.

1. Rechtsfehlerfrei lehnt das Berufungsgericht allerdings einen Bereini-

gungsanspruch nach § 7 Abs. 2 Nr. 2 SachenRBerG ab. Nicht die Konsumge-

nossenschaft, sondern der Rat der Gemeinde hat das volkseigene Grundstück

bebaut. Ihm war mit Prüfbescheid vom 15. März 1988 die Bebauung genehmigt

worden, er hatte den projektleitenden Architekten beauftragt und die Lieferun-

gen und Handwerkerleistungen, soweit er sie nicht selbst vorgenommen hatte,

an Dritte vergeben. Der Genossenschaft war auch nicht, was § 7 Abs. 2 Nr. 2

SachenRBerG neben der Vornahme der Bebauung und der Finanzierung des

Baues mit eigenen Mitteln (zur Vermutung der Investition aus Eigenmitteln, Se-

nat, Urt. v. 21. Januar 2000, V ZR 327/98, VIZ 2000, 234) voraussetzt, die

Rechtsträgerschaft übertragen worden. Die weitere Überlegung des Beru-

fungsgerichts, der Genossenschaft sei vom Rat der Gemeinde ein Rechtsträ-

gerwechsel auch nicht zugesagt worden, spielt in diesem Zusammenhang kei-

ne Rolle. Durch diese Zusage könnte der hängende Fall (§ 3 Abs. 2 Satz 2 Sa-

chenRBerG) eines Bereinigungstatbestandes nicht begründet werden. Der

hängende Fall ist nicht dadurch gekennzeichnet, daß die Beteiligten konkret

beabsichtigten, die bauliche Investition durch eine der in § 3 Abs. 2 Satz 1 Sa-

chenRBerG genannten Rechtspositionen (Nutzungsrecht, Gebäudeeigentum

und, beim Genossenschaftsbau regelwidrig, Rechtsträgerschaft) abzusichern.

Maßgebend ist, ob im Recht der DDR eine solche Absicherung vorgesehen

war. Die Vorstellungen der Parteien über die dem Bebauenden einzuräumende

Rechtsstellung können nur mittelbar eine Rolle spielen, insoweit sie nämlich

Rückschlüsse auf Art und Inhalt des beabsichtigten Geschäfts zulassen. Führt

die Gesamtheit der zur Ermittlung des Geschäftsinhalts maßgeblichen Um-

stände dazu, daß ein Rechtsverhältnis vorlag, für das nach dem Recht der

DDR eine Absicherung im Sinne des § 3 Abs. 2 Satz 1 SachenRBerG vorgese-

hen war, so scheitert die Nachzeichnung gemäß Satz 2 der Vorschrift nicht

daran, daß die Beteiligten diese nicht bedacht oder für erforderlich gehalten

haben. Im Streitfalle scheitert die Nachzeichnung daran, daß § 7 Abs. 2 Nr. 2

SachenRBerG keinen nachzeichnungsfähigen Tatbestand des DDR-Rechts

erfaßt. Die Bebauung in Rechtsträgerschaft war zur Sicherung der Eigeninve-

stition der Genossenschaft an einem volkseigenen Grundstück nach dem

Recht der DDR nicht geeignet (zutr. Czub, in: Czub/Schmidt-Räntsch/Frenz,

SachenRBerG, § 7 Rdn. 156, 160). Sie war in Verbindung mit einem Nutzungs-

vertrag über das volkseigene Gebäude das Mittel, volkseigene unbewegliche

Grundmittel, wie Gebäude, zu bewirtschaften (§§ 2, 4 der Anordnung für die

Übertragung volkseigener unbeweglicher Grundmittel an sozialistische Genos-

senschaften vom 11. Oktober 1974 - ÜbGrMAO -). Für eine Eigeninvestition,

dies läßt das Berufungsurteil unberücksichtigt, war die Bildung von Genossen-

schaftseigentum aufgrund eines der Genossenschaft verliehenen Nutzungs-

rechts vorgesehen (§§ 1, 3 ff. NutzungsRG). Hatte eine Genossenschaft eine

Eigeninvestition vorgenommen, ohne daß es zur Verleihung des Nutzungs-

rechts gekommen war, steht ihr ein Bereinigungsanspruch im Nachzeich-

2. Die Feststellungen des Berufungsgerichts bilden aber keine hinrei-

chende Grundlage für die Versagung eines Bereinigungsanspruchs der Kläge-

rin als Rechtsnachfolgerin des Nutzers gem. § 9 Abs. 2 Nr. 3 SachenRBerG.

Die Vorschrift erweitert die Tatbestände des § 7 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 Sa-

chenRBerG auf den Fall, daß der Genossenschaft weder ein Nutzungsrecht

noch, regelwidrig, die Rechtsträgerschaft am Grundstück übertragen worden

war, sie eine Eigeninvestition vorgenommen, nicht aber als Bauherrin aufgetre-

ten war, die Erstellung des Baus vielmehr einem staatlichen Hauptauftraggeber

überlassen hatte. Dieser hatte, im Ansatz dem Generalübernehmer des bürger-

lichen Rechts vergleichbar, die Aufgaben der Genossenschaft als Investitions-

auftraggeberin bei der Vorbereitung und Durchführung der Investition auf deren

Rechnung im eigenen Namen wahrzunehmen und ihr die Investition in nut-

zungsfähigem Zustand zu übergeben (§ 20 2. DVO VertragsG). Die Vorschrift

des § 9 Abs. 2 Nr. 3 SachenRBerG schließt die Regelungslücke, indem sie die

Genossenschaft zum Rechtsnachfolger des Hauptauftraggebers, der nach § 9

Abs. 1 Nr. 5 SachenRBerG Nutzer ist, bestimmt (Senatsurt. v. 30. Mai 2003,

V ZR 370/02, WM 2003, 1973). Entsprechend hat der Senat die Vorschrift auf

den Fall angewandt, daß die gewerbliche (oder handwerkliche) Genossen-

schaft nicht formell als Investitionsauftraggeber aufgetreten ist, ihr aber von

Anfang an gegenüber der bauausführenden Stelle die Finanzierung des Bau-

werks oblag und sie nach der Bauausführung die Nutzung ohne die Einschrän-

kungen der Anordnung für die Übertragung volkseigener unbeweglicher

Grundmittel an sozialistische Genossenschaften vom 11. Oktober 1974 über-

tragen erhielt (Urt. v. 30. Mai 2003, aaO).

a) Im Streitfalle ist § 9 Abs. 2 Nr. 3 i.V.m. § 7 Abs. 2 Nr. 1 und § 3 Abs. 2

Satz 2 SachenRBerG anzuwenden, wenn die Rechtsvorgängerin der Klägerin

durch den Organisationsvertrag den Rat der Gemeinde zum Hauptauftraggeber

bestimmt hat. Organisationsverträge hatten nach dem Recht der DDR kein ab-

schließend umrissenes Bild. Ihrem Ausgangspunkt nach dienten sie der Zu-

sammenarbeit zwischen staatlichen Organen und Wirtschaftseinheiten oder

zwischen diesen und Wirtschaftssubjekten auf anderer, etwa genossenschaftli-

cher Eigentumsgrundlage. Sie konnten im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 7 Ver-

tragsG institutionell verfestigt sein, die Koordinierungszwecke konnten aber

auch in loser rechtlicher Form verfolgt werden. Zutreffend weist das Beru-

fungsgericht, wenn auch in anderem Zusammenhang, auf die Möglichkeit hin,

Investitionsgemeinschaften auf der Grundlage der Richtlinie über gemeinsame

Investitionen vom 26. September 1972 (GBl. II S. 642) zu bilden, die sich des

Mittels des Organisationsvertrags, u.a. mit der Bestellung eines Hauptauftrag-

gebers, bediente. Für kommunale Zielsetzungen (Erschließung von Wohn-

raum, Naherholung, Nutzung von Kindergärten, -krippen und Ferienheimen

u.a.), die hier allerdings nicht im Vordergrund stehen, kam der vom Berufungs-

gericht genannte Kommunalvertrag in Frage (Richtlinie für die Planung und

Finanzierung gemeinsamer Maßnahmen zwischen den Räten der Städte und

Gemeinden und den Betrieben und Kombinaten ... vom 22. Juli 1970,

GBl. II S. 463 i.V.m. der Verordnung über die Gestaltung der Vertragsbezie-

hungen zwischen den Räten der Städte und Gemeinden und den Betrieben

vom 17. Juli 1968, GBl. II S. 661). Unter dem Gesichtspunkt der Sachenrechts-

bereinigung läßt sich aus solchen Einordnungen indessen nichts Endgültiges

herleiten. Der zwischen den Rechtsvorgängern der Parteien geschlossene Or-

ganisationsvertrag kommt jedenfalls als Anknüpfungspunkt für § 9 Abs. 2 Nr. 3

SachenRBerG in Frage, wenn er dem Rat der Gemeinde die Rolle des Haupt-

auftraggebers für die Genossenschaft als Investitionsauftraggeberin zuwies.

Einer solchen Aufgabenstellung entsprechen die äußeren Umstände der Ge-

bäudeerrichtung, nämlich die Vergabe der Bauaufträge durch den Rat der Ge-

meinde im eigenen Namen und auf Rechnung der Genossenschaft, die Weiter-

leitung der Handwerker- und Lieferantenrechnungen an die Genossenschaft

zum Zwecke des Aufwendungsersatzes und die Rechnungsstellung an die Ge-

nossenschaft, soweit der Rat selbst Leistungen erbracht hatte. In diesem Falle

ist es nicht erforderlich, daß die Genossenschaft gegenüber den bauausfüh-

renden Stellen unmittelbar die Finanzierung übernommen hatte. Maßgeblich

ist, daß im Verhältnis zwischen den Rechtsvorgängern der Parteien aufgrund

des Organisationsvertrags feststand, daß der Bau auf Rechnung der Genos-

senschaft erstellt wurde. Die vom Berufungsgericht in erster Linie vermißte Ab-

rede über die der Genossenschaft einzuräumenden Rechte an der Investition

ist für den Bereinigungsanspruch, wie zu 1 dargestellt, nicht maßgeblich. Das

weitere Bedenken, es sei für die Beteiligung der Konsumgenossenschaft an

Planung und Ausführung des Geschäfts nichts ersichtlich, geht an der Lebens-

erfahrung vorbei. Auch bei einer genossenschaftlichen Wirtschaftseinheit der

DDR ist davon auszugehen, daß sie auf die Planung und Ausführung eines

Bauwerks, das allein zu ihren Zwecken und ausschließlich mit ihren Mitteln

errichtet wurde, Einfluß nahm. Im Text des Organisationsvertrags kommt das

Interesse des Rats, die baulichen Voraussetzungen für die "finanzielle Ablö-

sung des Gebäudes" zu schaffen, jedenfalls im Ansatz zum Ausdruck. Auch die

Bauvorlage (Anlage zum Prüfbescheid vom 15. März 1988) geht von einer "all-

seitigen Absprache" und einem "Projektierungsvertrag" aus.

b) Der Senat hat in der Entscheidung vom 30. Mai 2003 (V ZR 370/02,

WM 2003, 1973) darauf hingewiesen, daß die Unterschiede zwischen der ver-

tragsrechtlichen Nutzerstellung nach der Anordnung für die Übertragung volks-

eigener unbeweglicher Grundmittel an sozialistische Genossenschaften, die

keinen Bereinigungsanspruch begründet, und der Stellung des Rechtsnachfol-

gers im Sinne des § 9 Abs. 2 Nr. 3 SachenRBerG graduell sein können. Im

Ausgangspunkt heben sich die beiden Regelungsbereiche allerdings vonein-

ander ab, denn der Anordnung lag das Modell der Übertragung schon vorhan-

dener, sei es vom Staat geschaffener, sei es an sich gebrachter Grundmittel

auf unbestimmte Zeit gegen Entgelt zugrunde, während das Nutzungsrecht

einer Neuinvestition aus Mitteln des Nutzers die rechtliche Grundlage geben

sollte. Wurde auf einem volkseigenen Grundstück ein Neubau errichtet und der

Genossenschaft gegen eine Geldleistung zur Verfügung gestellt, konnten al-

lerdings Gemengelagen auftreten. In diesem Falle ist anhand der Gesamtum-

stände zu prüfen, in welchem Grad der Sachverhalt der einen oder anderen

Rechtsposition zugeordnet ist. Hatte die Genossenschaft, wie hier, von vorn-

herein die Übernahme der Investitionskosten zugesagt, bedarf es besonderer

Gründe, die Zahlung als Nutzungsentgelt in Höhe des Zeitwertes (§ 5

ÜbGrMAO) aufzufassen. In diesem Falle hatte die Genossenschaft das Risiko

der (vollen oder teilweisen) Fehlinvestition übernommen, das den vertraglichen

Nutzer nicht trifft. Zugleich fehlte es an einer inneren Rechtfertigung, sie der

Rückübertragungspflicht zum Restwert auszusetzen, die § 6 ÜbGrMAO (letzt-

lich) in die Entscheidung des Rats des Kreises stellte (vgl. demgegenüber die

engen Voraussetzungen des Entzugs des Nutzungsrechts nach § 6 Nut-

zungsRG). Von einem Nutzungsvertrag ist dagegen auszugehen, wenn die Be-

teiligten, was hier nicht der Fall ist, sich des in der DDR eingeführten Musters

eines Nutzungsvertrags (Bodenrecht, Autorenkollektiv unter Leitung von Roh-

de, 1989, S. 95 ff.) bedient haben.

3. Die Sache ist nicht zur Endentscheidung reif. Das Berufungsgericht

wird zunächst klären müssen, ob die Rechtsvorgängerin der Klägerin die Inve-

stitionsleistung tatsächlich auf sich genommen, d.h. die ihr übermittelten Rech-

nungen bezahlt hat. Kann hiervon ausgegangen werden, ist weiter zu prüfen,

ob Anhaltspunkte dafür bestehen, daß die Vermutung, der Rat der Gemeinde

habe die Rolle des Hauptauftraggebers übernommen (2 a und b), erschüttert

ist. Je nach dem Ausgang der Prüfung ist die Geldleistung der Gemeinde recht-

lich als Erstattung der Aufwendungen des Rats als Hauptauftraggeber (§ 20

Abs. 2 2. DVO VertragsG) oder als Nutzungsentgelt nach § 5 ÜbGrMAO, § 71

VertragsG zu werten. Besondere Bedeutung hat nach der Rechtsprechung des

Senats die Behauptung der Klägerin, der Organisationsvertrag sei zum Zwecke

der Ausnutzung der Investitions- oder materiellen Plankennziffern des Rats der

Gemeinde erfolgt. Rückschlüsse auf den tatsächlichen Willen der Rechtsvor-

gänger bei Abschluß des Organisationsvertrags läßt schließlich der (formnichti-

ge) Kaufvertrag vom 7. Dezember 1989 zu, in dem der Rat der Genossenschaft

die Eigentümerstellung an dem Gebäude ohne weitere Gegenleistung zu ver-

schaffen suchte.

Wenzel Tropf Krüger

Gaier Schmidt-Räntsch