Rechtsprechung / BGH

BGH Beschluss vom 05.07.2005 – VIII ZB 114/04

VIII. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

5. Juli 2005

in dem Rechtsstreit

Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 5. Juli 2005 durch die Vor-

sitzende Richterin Dr. Deppert und die Richter Ball, Dr. Leimert, Wiechers und

Dr. Wolst

beschlossen:

Auf die Rechtsbeschwerde des Klägers wird der Beschluß des

23. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 6. September

2004 aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten

des Beschwerdeverfahrens, an das Oberlandesgericht zurückver-

wiesen.

Beschwerdewert: 600,36 €.

Gründe

I.

Der Kläger hat die Beklagten zu 1 und 2 auf Zahlung in Anspruch ge-

nommen. Beide Beklagte waren im Prozeß durch denselben Bevollmächtigten

vertreten. Gegenüber der Beklagten zu 1 hat der Kläger im wesentlichen ob-

siegt, die gegen den Beklagten zu 2 gerichtete Klage ist abgewiesen worden.

Hinsichtlich der außergerichtlichen Kosten hat das Landgericht entschieden,

daß die Beklagte zu 1 diese selbst zu tragen hat, während die außergerichtli-

chen Kosten des Beklagten zu 2 dem Kläger auferlegt wurden.

Die Beklagten haben ihre gesamten Anwaltskosten in Höhe von

1.462,28 € zur "Festsetzung und Ausgleichung" angemeldet.

Mit Kostenfestset-

zungsbeschluß vom 17. November 2003 hat das Landgericht, abgesehen von

der Erhöhungsgebühr nach § 6 Abs. 1 Satz 2 BRAGO, den Haftungsbetrag des

Beklagten zu 2 gegenüber dem gemeinsamen Anwalt mit 1.331,50 € errechnet

und diesen Betrag nebst Zinsen gegen den Kläger festgesetzt. Mit der hierge-

gen gerichteten sofortigen Beschwerde hat der Kläger vorgebracht, der Beklag-

te zu 2 könne nur die Hälfte der gemeinsamen Anwaltskosten erstattet verlan-

gen. Das Oberlandesgericht hat das Rechtsmittel zurückgewiesen. Mit der vom

Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgt der Kläger sein

Ziel weiter, daß die gemeinsamen Anwaltskosten der Beklagten nur zur Hälfte

gegen ihn festgesetzt werden.

II.

Das Beschwerdegericht hat ausgeführt:

In ständiger Rechtsprechung vertrete es die Auffassung, daß bei unter-

schiedlichem Prozeßausgang für gemeinsam von demselben Rechtsanwalt ver-

tretene Streitgenossen derjenige mit der günstigeren Erstattungsquote gegen-

über dem Prozeßgegner grundsätzlich den vollen Haftungsanteil ansetzen kön-

ne, den der Streitgenosse dem gemeinsamen Anwalt schulde. Hieran halte der

Senat trotz der entgegenstehenden Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs

fest.

III.

Die zulässige Rechtsbeschwerde hat in der Sache Erfolg.

Wie der erkennende Senat bereits ausgeführt hat, können als notwendi-

ge Kosten, die einer Partei entstanden sind und auf deren Erstattung sie nach

§ 91 Abs. 1 ZPO Anspruch hat, bei Streitgenossen mit nur einem gemeinsamen

Prozeßbevollmächtigten grundsätzlich für den obsiegenden Streitgenossen nur

der seiner Beteiligung am Rechtsstreit entsprechende Bruchteil der Anwaltskos-

ten festgesetzt werden (Beschluß vom 30. April 2003 - VIII ZB 100/02, NJW-RR

2003, 1217 unter II). An dieser Rechtsprechung, der sich der I. Zivilsenat des

Bundesgerichtshofs unter Aufgabe seiner früheren Rechtsprechung ange-

schlossen hat (Beschluß vom 17. Juli 2003 - I ZB 13/03, NJW-RR 2003, 1507

unter III) und die auch der in der Kommentarliteratur überwiegend vertretenen

Auffassung entspricht (vgl. nur Zöller/Herget, ZPO, 25. Aufl., § 91 Rdnr. 13

"Streitgenossen" Nr. 3; Musielak/Wolst, ZPO, 4. Aufl., § 91 Rdnr. 69), hält der

Senat fest.

Hiernach ist der angefochtene Beschluß aufzuheben und die Sache zur

erneuten Entscheidung an das Oberlandesgericht zurückzuverweisen.

Dr. Deppert Ball Dr. Deppert

Wiechers Dr. Wolst

für den wegen Urlaubs

an der Unterzeichnung

verhinderte Richter

am Bundesgerichtshof

Dr. Leimert