BGH Beschluss vom 24.01.2006 – VI ZB 67/05
VI. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
24. Januar 2006
in dem Rechtsstreit
Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 24. Januar 2006 durch die
Vizepräsidentin Dr. Müller und die Richter Dr. Greiner, Wellner, Pauge und
Stöhr
beschlossen:
Auf die Rechtsbeschwerde des Klägers wird der Beschluss der
1. Zivilkammer des Landgerichts Paderborn vom 16. August 2005
aufgehoben.
Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten
des Beschwerdeverfahrens, an das Landgericht zurückverwiesen.
Gegenstandswert der Rechtsbeschwerde: 746,75 €
Gründe
I.
Der Kläger hat die Beklagte zu 1 und den Beklagten zu 2 als Gesamt-
schuldner auf Zahlung von 2.104,95 € nebst Zinsen in Anspruch genommen.
Beide waren durch denselben Prozessbevollmächtigten vertreten. Die Firma B.
war dem Rechtsstreit als Streithelferin der Beklagten zu 1 beigetreten. Das
Amtsgericht hat der Klage gegen den Beklagten zu 2 im Wesentlichen stattge-
geben und die gegen die Beklagte zu 1 gerichtete Klage abgewiesen. Es hat
folgende Kostenentscheidung getroffen: "Dem Beklagten zu 2 werden die Ge-
richtskosten, seine außergerichtlichen Kosten sowie die außergerichtlichen
Kosten des Klägers mit Ausnahme des Mehrvertretungszuschlages auferlegt.
Diesen Mehrvertretungszuschlag sowie die außergerichtlichen Kosten der Be-
klagten zu 1 und der Streithelferin hat der Kläger zu tragen."
Mit Kostenfestsetzungsbeschluss vom 2. Mai 2005 hat das Amtsgericht
antragsgemäß die der Beklagten zu 1 entstandenen und vom Kläger zu erstat-
tenden anwaltlichen Gebühren einschließlich des Mehrvertretungszuschlags auf
746,75 € festgesetzt. Die hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde des Klä-
gers hat das Landgericht mit Beschluss vom 16. August 2005 zurückgewiesen
und zur Begründung ausgeführt, bei unterschiedlichem Prozessausgang für
gemeinsam von demselben Rechtsanwalt vertretene Streitgenossen könne der-
jenige mit der günstigeren Erstattungsquote gegenüber dem Prozessgegner
grundsätzlich den vollen Haftungsanteil ansetzen, den er dem gemeinsamen
Anwalt schulde. Diese Auffassung entspreche der ständigen Rechtsprechung
des Oberlandesgerichts Hamm (zuletzt: JurBüro 2005, 91 = OLG-Report 2005,
142), welches daran trotz der entgegenstehenden Rechtsprechung des Bun-
desgerichtshofs festhalte.
Mit der vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde ver-
folgt der Kläger sein Ziel weiter, an den Kosten des gemeinsamen Anwalts der
Beklagten allenfalls zur Hälfte beteiligt zu werden.
II.
Die Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Ziff. 2 ZPO) und auch
bung der angefochtenen Entscheidung.
Wie der Bundesgerichtshof ausgeführt hat, können als notwendige Kos-
ten, die einer Partei entstanden sind und auf deren Erstattung sie nach § 91
Abs. 1 ZPO Anspruch hat, bei Streitgenossen mit nur einem gemeinsamen Pro-
zessbevollmächtigten grundsätzlich für den obsiegenden Streitgenossen nur
der seiner Beteiligung am Rechtsstreit entsprechende Bruchteil der Anwaltskos-
ten festgesetzt werden (Beschluss vom 30. April 2003 - VIII ZB 100/02 - VersR
2004, 489). Dieser Auffassung hat sich der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs
unter Aufgabe seiner früheren Rechtsprechung angeschlossen (BGH, Be-
schluss vom 17. Juli 2003 - I ZB 13/03 - NJW-RR 2003, 1507). Sie entspricht
auch der in der Kommentarliteratur überwiegend vertretenen Auffassung (vgl.
nur Zöller/Herget, ZPO, 25. Aufl., § 91 Rn. 13 "Streitgenossen" Nr. 3; Musie-
lak/Wolst, ZPO, 4. Aufl., § 91 Rn. 69). Die vom Beschwerdegericht zitierte Ent-
scheidung des Oberlandesgerichts Hamm (aaO) hat der VIII. Zivilsenat des
Bundesgerichtshofs inzwischen aufgehoben (Beschluss vom 5. Juli 2005
- VIII ZB 114/03 - FamRZ 2005, 1740) und in seiner Entscheidung deutlich ge-
macht, dass er an seiner Auffassung festhalte. Der VI. Zivilsenat schließt sich
dieser Rechtsprechung an und nimmt zur Begründung auf die oben zitierten
Entscheidungen Bezug.
Hiernach ist der angefochtene Beschluss aufzuheben und die Sache zur
erneuten Entscheidung an das Beschwerdegericht zurückzuverweisen. Für das
weitere Verfahren weist der Senat darauf hin, dass entgegen der Auffassung
des Beschwerdegerichts in dem Kostenfestsetzungsbeschluss auch der von der
Beklagten zu 1 geltend gemachte Mehrvertretungszuschlag gegen den Kläger
festgesetzt worden ist. Dies entspricht der Kostengrundentscheidung des
zugrunde liegenden Urteils. Entgegen der Meinung der Rechtsbeschwerde ist
damit ersichtlich der auf Seiten der Beklagten angefallene Mehrvertretungszu-
schlag gemeint und nicht etwa ein - nicht entstandener - Mehrvertretungszu-
schlag auf Seiten des Klägers.
Müller Greiner Wellner
Pauge Stöhr
Vorinstanzen:
AG Lippstadt, Entscheidung vom 02.05.2005 - 15 C 412/04 -
LG Paderborn, Entscheidung vom 16.08.2005 - 1 T 52/05 -