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BGH Urteil vom 13.07.2006 – I ZR 241/03

I. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: : BGHZ : BGHR

ja ja ja

Verkündet am: 13. Juli 2006 Führinger Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

Kontaktanzeigen

a) Zwischen Prostituierten und dem Betreiber einer Bar, in der Prostituierten und deren Kunden sexuelle Kontakte ermöglicht werden, besteht ein unmit- telbares Wettbewerbsverhältnis.

b) Das Verbot der Werbung für Prostitution nach § 119 Abs. 1, § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG ist auch dazu bestimmt, im Interesse von Marktteilnehmern das Marktverhalten zu regeln (§ 4 Nr. 11 UWG).

c) Ein Werbeverbot nach § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG setzt die konkrete Eignung der Werbung voraus, den Schutz der Allgemeinheit, vor allem von Kindern und Jugendlichen, vor den mit der Prostitution generell verbundenen Gefah- ren und Belästigungen zu beeinträchtigen.

BGH, Urt. v. 13. Juli 2006 - I ZR 241/03 - OLG Hamm

LG Bielefeld

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhand-

lung vom 13. Juli 2006 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Ullmann und

die Richter Prof. Dr. Bornkamm, Pokrant, Dr. Büscher und Dr. Schaffert

für Recht erkannt:

Die Revision gegen das Urteil des 4. Zivilsenats des Oberlandes-

gerichts Hamm vom 9. Oktober 2003 wird auf Kosten der Kläger

zurückgewiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

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Die Kläger betreiben in L. eine Bar, in der Prostituierten und deren

Kunden sexuelle Kontakte ermöglicht werden.

Die Beklagte

ist Herausgeberin der Zeitung

"N. ", die

auch in L. verbreitet wird. In dieser Zeitung erscheinen unter der Rubrik

"Kontakte" Kleinanzeigen, in denen schwerpunktmäßig sexuelle Kontakte an-

geboten werden. In der Ausgabe der "N. " vom 15. Januar 2003

veröffentlichte die Beklagte folgende Anzeigen (Anlage K 1):

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Die Kläger haben geltend gemacht, zwischen ihnen und den in den An-

zeigen werbenden Prostituierten bestehe ein Wettbewerbsverhältnis. Die in Re-

de stehenden Anzeigen seien wettbewerbsrechtlich unlauter. Die Werbung für

entgeltliche sexuelle Handlungen sei eine Ordnungswidrigkeit. Die Anzeigen

seien zudem irreführend. Es werde der unzutreffende Eindruck erweckt, es

handele sich um private Kontaktanzeigen von Prostituierten. Tatsächlich sei es

Werbung gewerblicher Anbieter.

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Die Kläger haben beantragt,

die Beklagte zu verurteilen, es zu unterlassen,

1. im geschäftlichen Verkehr in ihren Druckwerken Anzeigen zu

veröffentlichen, in denen für entgeltliche sexuelle Handlungen

geworben wird, insbesondere wenn dies unter Verschweigen

des gewerblichen Charakters der Anzeige geschieht, insbeson-

dere wie aus der Anlage K 1 ersichtlich;

2. hilfsweise

im geschäftlichen Verkehr in ihren Druckwerken Anzeigen zu

veröffentlichen, in denen für entgeltliche sexuelle Handlungen

geworben wird, insbesondere wenn dies wie in den Anzeigen

geschieht, die in der Anlage K 1 zur Klageschrift vom 5. Febru-

ar 2003 wiedergegeben sind.

Die Beklagte ist der Klage entgegengetreten.

Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Das Berufungsgericht hat die

Berufung zurückgewiesen.

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Mit ihrer (vom Senat zugelassenen) Revision verfolgen die Kläger ihre

Klageanträge weiter. Die Beklagte beantragt, die Revision zurückzuweisen.

Entscheidungsgründe

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I. Das Berufungsgericht hat die Klagebefugnis der Kläger verneint. Hier-

zu hat es ausgeführt:

Die Kläger könnten ihre Prozessführungsbefugnis und materielle An-

spruchsberechtigung nicht aus §§ 1, 3 UWG (a.F.) ableiten. Sie seien nicht un-

mittelbar Verletzte im Sinne dieser Vorschriften. Die Beklagte fördere durch die

beanstandeten Anzeigen den Wettbewerb der Prostituierten, die als Werbende

in den Anzeigen aufträten und entgeltliche sexuelle Kontakte anböten. Dagegen

vermieteten die Kläger Zimmer an Kunden von Prostituierten und verkauften

Getränke. Sie böten auch nicht mittelbar sexuelle Handlungen an. Die Tätigkei-

ten der Kläger und diejenigen der Prostituierten seien aus Rechtsgründen

streng zu trennen. Auch wenn sich die Leistungen wirtschaftlich berührten, sei-

en sie nicht gleichartig und begründeten kein Wettbewerbsverhältnis.

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An diesem Ergebnis ändere sich nichts, wenn die Anzeigen von Bordell-

betrieben geschaltet worden sein sollten. Auch in diesem Fall wäre nicht der

Bordellbetrieb beworben, sondern das Angebot sexueller Handlungen durch die

dort tätigen Prostituierten.

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Eine Klagebefugnis der Kläger nach § 13 Abs. 2 Nr. 1 UWG (a.F.) sei

ebenfalls nicht gegeben. Das entgeltliche Anbieten sexueller Handlungen sei

verglichen mit dem Vermieten von Zimmern zur Vornahme solcher Handlungen

und dem Verkauf von Getränken eine derart andere Leistung, dass die angebo-

tenen Leistungen nicht als verwandt anzusehen seien. Möglich sei zwar, dass

hinter der beanstandeten Werbung Bordellbetriebe stünden. Um ein Verbot der

Werbung der Bordellbetriebe, die Zimmer vermieteten oder Getränke anböten,

gehe es vorliegend aber nicht. Die Kläger hätten mit den beanstandeten Anzei-

gen Werbung für entgeltliche sexuelle Handlungen durch Prostituierte und nicht

zugleich eine darin enthaltene verdeckte Werbung der konkurrierenden Bordell-

betriebe angegriffen.

II. Die gegen diese Beurteilung gerichteten Angriffe der Revision haben

im Ergebnis keinen Erfolg.

1. Die Annahme des Berufungsgerichts, den Klägern stehe bereits die

Klagebefugnis nicht zu, hält allerdings sowohl nach altem als auch nach neuem

Recht (§ 8 Abs. 3 Nr. 1 UWG) der rechtlichen Nachprüfung nicht stand. Die An-

spruchsberechtigung des unmittelbar Verletzten, die unter Geltung des § 13

Abs. 2 UWG (a.F.) aus der verletzten Rechtsnorm folgte, ergibt sich nunmehr

aus § 8 Abs. 3 Nr. 1, § 2 Abs. 1 Nr. 3 UWG.

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Zwischen den Klägern und den Anzeigenkunden der Beklagten besteht

ein konkretes Wettbewerbsverhältnis, weil sie versuchen, gleichartige Dienstlei-

stungen innerhalb desselben Abnehmerkreises abzusetzen mit der Folge, dass

das konkret beanstandete Wettbewerbsverhalten die Kläger beeinträchtigen

kann, d.h. in ihrem Absatz behindern oder stören kann (vgl. BGH, Urt. v.

6.12.2001 - I ZR 214/99, GRUR 2002, 985, 986 = WRP 2002, 952 - WISO; Urt.

v. 21.2.2002 - I ZR 281/99, GRUR 2002, 902, 903 = WRP 2002, 1050 - Vanity-

Nummer).

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a) Nach dem Vortrag der Kläger, den das Berufungsgericht seiner Ent-

scheidung zugrunde gelegt hat, geht die beanstandete Werbung teilweise von

Bordellbetrieben aus, deren Dienstleistungsangebot demjenigen der Kläger

(Zimmervermietung, Verkauf von Getränken) entspricht oder dieses umfasst,

weshalb insoweit ohne weiteres von einem konkreten Wettbewerbsverhältnis

auszugehen ist.

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b) Aber auch soweit die Anzeigen nicht von Bordellbetrieben, sondern

von Prostituierten aufgegeben worden sind, besteht ein konkretes Wettbe-

werbsverhältnis der Kläger zu diesen Anzeigenkunden. Im Interesse eines wirk-

samen wettbewerbsrechtlichen Individualschutzes sind an das Bestehen eines

Wettbewerbsverhältnisses keine hohen Anforderungen zu stellen; insbesondere

ist keine Branchengleichheit erforderlich (BGHZ 93, 96, 97 - DIMPLE; BGH, Urt.

v. 24.6.2004 - I ZR 26/02, GRUR 2004, 877, 878 = WRP 2004, 1272 - Werbe-

blocker). Vielmehr reicht es aus, dass die Dienstleistungen der Prostituierten

vielfach auch die Zurverfügungstellung von Räumlichkeiten zur Durchführung

der sexuellen Kontakte umfassen und insoweit mit derjenigen der Kläger

gleichartig sind. Das Wettbewerbsverhalten dieser Anzeigenkunden der Beklag-

ten, die die Möglichkeit zu sexuellen Kontakten bewerben, ist daher ebenfalls

geeignet, das Unternehmen der Kläger zu beeinträchtigen.

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2. Den Klägern steht gegen die Beklagte jedoch kein Unterlassungsan-

spruch nach § 8 Abs. 1 Satz 1, §§ 3, 4 Nr. 11 UWG i.V. mit § 119 Abs. 1, § 120

Abs. 1 Nr. 2 OWiG zu.

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a) Nach § 4 Nr. 11 UWG handelt unlauter i.S. des § 3 UWG, wer einer

gesetzlichen Bestimmung zuwider handelt, die auch dazu bestimmt ist, im In-

teresse der Marktteilnehmer das Marktverhalten zu regeln. Zu den Vorschriften,

die im Interesse der Verbraucher das Marktverhalten von Unternehmen be-

stimmen, gehören auch § 119 Abs. 1 und § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG. Die Vor-

schriften sanktionieren als Ordnungswidrigkeiten mit einer Geldbuße unter be-

stimmten Voraussetzungen das öffentliche Anbieten, Anpreisen und Ankündi-

gen der Gelegenheit zu sexuellen Handlungen. Sie enthalten Werbebeschrän-

kungen und haben damit einen auch unmittelbar das Marktverhalten von Unter-

nehmen regelnden Charakter. Denn durch sie ist jede Werbung, die die Vor-

aussetzungen der §§ 119, 120 OWiG erfüllt, untersagt und mit einer Geldbuße

belegt.

b) Die von der Beklagten veröffentlichten Anzeigen verstoßen jedoch

nicht gegen § 119 Abs. 1 und § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG.

aa) Nach § 119 Abs. 1 OWiG handelt ordnungswidrig, wer öffentlich in

einer Weise, die geeignet ist, andere zu belästigen oder in grob anstößiger

Weise durch Verbreitung von Schriften, Ton- oder Bildträgern, Abbildungen

oder Darstellungen oder durch das öffentliche Zugänglichmachen von Daten-

speichern Gelegenheit zu sexuellen Handlungen anbietet, ankündigt, anpreist

oder Erklärungen solchen Inhalts abgibt.

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Die im Streitfall angegriffene Werbung war nicht geeignet, andere zu be-

lästigen (§ 119 Abs. 1 Nr. 1 OWiG). In Anbetracht eines gewandelten Verständ-

nisses in der Bevölkerung, wonach die Prostitution überwiegend nicht mehr

schlechthin als sittenwidrig angesehen wird, kann nicht davon ausgegangen

werden, dass durch die in Rede stehende Werbung das körperliche oder seeli-

sche Wohlbefinden mehr als nur geringfügig beeinträchtigt worden ist.

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Die Werbung ist ebenfalls nicht in grob anstößiger Weise erfolgt (§ 119

Abs. 1 Nr. 2 OWiG). Gegenteiliges haben die Kläger nicht konkret dargelegt.

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bb) Nach § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG handelt ordnungswidrig, wer durch

das Verbreiten von Schriften, Ton- oder Bildträgern, Datenspeichern, Abbildun-

gen oder Darstellungen Gelegenheit zu entgeltlichen sexuellen Handlungen

anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekannt gibt.

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Nach der vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Regelung der Rechtsver-

hältnisse der Prostituierten vom 20. Dezember 2001 (BGBl. I 2001, 3983) am

1. Januar 2002 weitaus überwiegenden Meinung in Rechtsprechung und Litera-

tur erfasste das Verbot des § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG jede Werbung für entgelt-

liche sexuelle Handlungen durch Zeitungsinserate, ohne dass weitere Merkma-

le hinzutreten mussten. Auf eine konkrete Belästigung oder Gefährdung, na-

mentlich des Jugendschutzes, kam es nicht an (vgl. BGHZ 118, 182, 184 f.;

Kurz in Karlsruher Kommentar zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten, 3. Aufl.,

§ 120 Rdn. 23 f.). Mit dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes kann an die-

ser Auslegung des § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG, die eine abstrakte Gefährdung

ausreichen lässt, nicht festgehalten werden. Mit dem Prostitutionsgesetz hat der

Gesetzgeber einem Wandel in weiten Teilen der Bevölkerung, die die Prostituti-

on nicht mehr schlechthin als sittenwidrig ansehen, Rechnung getragen (vgl.

Begründung zum Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der rechtlichen und

sozialen Situation der Prostituierten, BT-Drucks. 14/5958, S. 4; zu dem Wandel

der Moralvorstellungen in neuerer Zeit ferner: BGH, Urt. v. 22.11.2001

- III ZR 5/01, NJW 2002, 361; OLG Köln MMR 2001, 43, 44; AG Heidelberg

NJW-RR 1998, 260; AG Berlin-Köpenick NJW 2002, 1885; vgl. ferner BFH, Urt.

v. 23.2.2000 - X R 142/95, NJW 2000, 2919; zum Aufenthalts- und Niederlas-

sungsrecht von Prostituierten aus anderen Mitgliedstaaten der EU: EuGH, Urt.

v. 20.11.2001 - C-268/99, Slg. 2001, I-8615 = DVBl 2002, 321 Tz 59 f.). Die

Vereinbarung zwischen Prostituierten und Kunden über die Vornahme sexueller

Handlungen gegen Entgelt unterfällt nach § 1 Satz 1 ProstG nicht mehr dem

Verdikt der Sittenwidrigkeit, sondern begründet eine rechtswirksame Forderung

der Prostituierten.

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Diesem gewandelten Verständnis in der Bevölkerung und der geänder-

ten Rechtslage ist, auch wenn der Gesetzgeber § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG nicht

ebenfalls novelliert hat, bei der Auslegung dieser Bestimmung Rechnung zu

tragen (Malkmus, Prostitution in Recht und Gesellschaft, 2005, S. 125 ff., 138;

a.A. OLG Jena GewArch 2006, 216). Es ist deshalb nicht an einem generellen

Verbot jeder Werbung für entgeltliche sexuelle Handlungen nach § 120 Abs. 1

Nr. 2 OWiG festzuhalten, sondern das Verbot auf Fälle zu beschränken, in de-

nen durch die Werbung eine konkrete Beeinträchtigung von Rechtsgütern der

Allgemeinheit, insbesondere des Jugendschutzes, eintritt (von Galen, Rechts-

fragen der Prostitution, 2004, Rdn. 391 ff.; a.A. Göhler/König, Gesetz über Ord-

nungswidrigkeiten, 14. Aufl., § 120 Rdn. 11; MünchKomm.BGB/Armbrüster,

4. Aufl., Bd. 1 a, § 1 ProstG Rdn. 17).

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Eine konkrete Beeinträchtigung von Rechtsgütern, die einen Verstoß ge-

gen § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG darstellt, ist etwa anzunehmen, wenn die Wer-

bung nach Aufmachung, Inhalt oder Umfang nicht in der gebotenen zurückhal-

tenden Form erfolgt oder nach der Art des Werbeträgers und seiner Verbreitung

geeignet ist, die schutzbedürftigen Rechtsgüter zu gefährden. Nicht erforderlich

für ein Eingreifen des § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG ist, dass die Werbung geeignet

ist, andere zu belästigen, oder in grob anstößiger Form erfolgt, wie dies Vor-

aussetzung des § 119 Abs. 1 OWiG ist.

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Die Vorschrift des § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG, die die Werbung für sexuelle

Handlungen gegen Entgelt betrifft, greift nach ihrem Sinn und Zweck bereits

unterhalb der Schwelle des § 119 Abs. 1 OWiG ein. Das Verbot setzt aber eine

konkrete Eignung der Werbung voraus, den Schutz der Allgemeinheit, vor allem

denjenigen von Kindern und Jugendlichen, vor den mit der Prostitution generell

verbundenen Gefahren und Belästigungen zu beeinträchtigen. Da diese Ausle-

gung des § 120 Abs. 1 Nr. 2 OWiG auf einem nach der Entscheidung des

X. Zivilsenats vom 5. Mai 1992 - X ZR 134/90 - (abgedruckt in BGHZ 118, 182)

gewandelten Verständnis in der Bevölkerung über die Prostitution und einer

Änderung der Rechtslage durch das Prostitutionsgesetz beruht, bedarf es auch

keiner Anfrage beim X. Zivilsenat, ob er an seiner Rechtsauffassung festhält.

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Die beanstandeten Anzeigen erfüllen diese Voraussetzungen des § 120

Abs. 1 Nr. 2 OWiG nicht. Sie sind weder nach ihrer Gestaltung noch nach ihrem

Inhalt geeignet, Belange der Allgemeinheit einschließlich des Kinder- und Ju-

gendschutzes zu beeinträchtigen. In den Zeitungen und Zeitschriften ist diese

Art der Werbung je nach Art des Mediums und seines Leserkreises nicht selten

anzutreffen (vgl. Göhler/König aaO § 120 Rdn. 16), was die gewandelten Vor-

stellungen in der Bevölkerung belegt. Erfahrungsgemäß werden beispielsweise

Zeitungen nicht auf Dauer Annoncen veröffentlichen, an denen breite Leser-

kreise Anstoß nehmen. Von Seiten der Bußgeldbehörden wird diese Werbung

offensichtlich hingenommen, jedenfalls wird ihr nicht wirksam entgegengetreten

(vgl. Malkmus aaO S. 137).

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3. Ein Unterlassungsanspruch der Kläger folgt weiterhin nicht unmittelbar

aus § 8 Abs. 1 Satz 1 i.V. mit § 3 UWG. Zwar kann eine Wettbewerbshandlung

unlauter i.S. des § 3 UWG sein, die nicht von den Beispielstatbeständen des

§ 4 UWG erfasst wird, allerdings mit entsprechendem Unwertgehalt den an-

ständigen Gepflogenheiten in Gewerbe und Handel zuwiderläuft (Fezer/Fezer,

UWG, § 3 Rdn. 68; Harte/Henning/Schünemann, UWG, § 3 Rdn. 69; Köhler in

Hefermehl/Köhler/Bornkamm, Wettbewerbsrecht, 24. Aufl., § 3 UWG Rdn. 36).

Davon kann bei den beanstandeten Anzeigen aus den vorstehend unter II 2b

dargestellten Gründen allerdings nicht ausgegangen werden.

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4. Ein Unterlassungsanspruch steht den Klägern auch nicht wegen irre-

führender Werbung nach §§ 3, 5 Abs. 1 UWG zu.

Ob eine Werbung irreführende Angaben enthält, bestimmt sich maßgeb-

lich danach, wie der angesprochene Verkehr die beanstandete Werbung auf-

grund des Gesamteindrucks versteht

(vgl. BGH, Urt. v. 16.12.2004

- I ZR 222/02, GRUR 2005, 438, 440 = WRP 2005, 480 - Epson-Tinte). Konkre-

te Anhaltspunkte dafür, dass die angesprochenen Verkehrskreise davon aus-

gehen, die Anzeigen stammten in jedem Fall von privat werbenden Prostituier-

ten, und sie deshalb in rechtlich relevanter Weise irregeführt werden, wenn die

Prostituierten in Bordellen tätig sind, haben die Kläger nicht dargelegt. Jeden-

falls scheidet eine Haftung des beklagten Presseunternehmens für die behaup-

tete, sich nicht ohne weiteres erschließende Irreführung aus (vgl. BGH, Urt. v.

9.2.2006 - I ZR 124/03, Tz 32, - Rechtsanwalts-Ranglisten).

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III. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

Ullmann

Bornkamm

Pokrant

Büscher

Schaffert

Vorinstanzen:

LG Bielefeld, Entscheidung vom 30.04.2003 - 16 O 31/03 -

OLG Hamm, Entscheidung vom 09.10.2003 - 4 U 70/03 -