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BGH Urteil vom 22.01.2008 – VI ZR 17/07

VI. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk:

ja

BGHZ:

BGHR:

nein

ja

Verkündet am: 22. Januar 2008 Holmes, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

SGB VII § 106 Abs. 3 Alt. 3

Ein Bauarbeiter und ein mit der Sicherung der Arbeiten beauftragter Arbeitneh-

mer eines anderen Unternehmens können auf einer gemeinsamen Betriebsstät-

te tätig sein.

BGH, Urteil vom 22. Januar 2008 - VI ZR 17/07 - OLG Hamm

LG Bielefeld

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 22. Januar 2008 durch die Vizepräsidentin Dr. Müller und die Richter

Dr. Greiner, Wellner, Pauge und Stöhr

für Recht erkannt:

Die Revision des Klägers gegen das Urteil des 13. Zivilsenats des

Oberlandesgerichts Hamm vom 27. November 2006 wird zurück-

gewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Revisionsverfahrens.

Von Rechts wegen

Tatbestand

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Der Kläger verlangt Schadensersatz nach einem Arbeitsunfall vom

28. September 1999, für den die Berufsgenossenschaft zunächst Verletzten-

geld und dann eine Verletztenrente gezahlt hat.

Zum Unfallzeitpunkt stand der Kläger auf einer Aluminiumleiter, die auf

einem Gleiskörper aufgestellt war, um Schalbretter von der Unterseite einer

Autobahnbrücke abzumontieren. Gegen 14.05 Uhr passierte ein nicht fahr-

planmäßiger so genannter Schwerkleinwagen der Deutschen Bahn AG den

Gleiskörper und riss die Leiter um. Der Kläger stürzte sechs bis acht Meter in

die Tiefe und verletzte sich schwer.

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Die Beklagte zu 1 war aufgrund eines Ingenieurvertrages mit der Deut-

schen Bahn AG unter anderem damit beauftragt, die örtliche Bauüberwachung

einschließlich der Sicherungsüberwachung - Sichern gegen Gefahren aus dem

Eisenbahnbetrieb - für das Bauvorhaben wahrzunehmen. Zur Unfallzeit war der

Zeuge S., Mitarbeiter der Beklagten zu 1, von dieser als technischer Berechtig-

ter im Sinne der Betriebs- und Bauanweisung mit der Aufgabe eingesetzt, bei

Arbeiten im Gleisbereich die Strecke sperren zu lassen. Entgegen den Verein-

barungen mit den Dienststellen der Beklagten zu 3 veranlasste S. keine Stre-

ckensperrung, so dass es zu dem Unfall gekommen ist.

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Das Landgericht hat die auf Ersatz eines Verdienstausfallschadens, Er-

stattung von Besuchs- und Fahrtkosten der nächsten Angehörigen sowie Zah-

lung eines Schmerzensgelds und Feststellung der Ersatzpflicht für zukünftige

materielle und immaterielle Schäden gerichtete Klage hinsichtlich der Beklagten

zu 1 abgewiesen. Der gegen die Beklagte zu 3 gerichteten Klage hat es unter

Abweisung im Übrigen wegen der Besuchs- und Fahrtkosten teilweise stattge-

geben, sie hinsichtlich des Verdienstausfallschadens dem Grunde nach für ge-

rechtfertigt erklärt und ihr hinsichtlich des Feststellungsantrags wegen weiterer

materieller Schäden stattgegeben. Das Oberlandesgericht hat auf die Berufung

der Beklagten zu 3 unter Zurückweisung der Berufung des Klägers gegen die

Beklagte zu 1 das landgerichtliche Urteil abgeändert und die Klage abgewiesen.

Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision begehrt der Kläger, die

Berufung der Beklagten zu 3 zurückzuweisen. Nachdem er in der Revisions-

schrift auch die Beklagte zu 1 als Revisionsbeklagte bezeichnet hatte, hat er in

der Revisionsbegründung eine Aufhebung des Berufungsurteils nur beantragt,

soweit die Klage gegenüber der Beklagten zu 3 abgewiesen worden ist.

Entscheidungsgründe

I.

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Nach Auffassung des Berufungsgerichts steht dem Kläger gegen die Be-

klagte zu 3 kein Anspruch auf Ersatz des vom Landgericht zugesprochenen

Schadens zu. Insoweit von der Revision nicht angegriffen hat es Ansprüche

nach §§ 823 Abs. 1, 31, 831 Abs. 1 BGB verneint. Die Voraussetzungen des

§ 1 HPflG a.F. lägen zwar vor, weil der Kläger beim Betrieb einer Schienenbahn

wegen eines Fehlverhaltens des Zeugen S. verletzt worden sei. Die Beklagte

zu 3 sei gegenüber dem Kläger aber nicht einstandspflichtig, weil zu ihren

Gunsten die Grundsätze des gestörten Gesamtschuldnerausgleichs eingriffen.

Der Unfall habe sich nämlich auf einer gemeinsamen Betriebsstätte des Klägers

und des Zeugen S. im Sinne des § 106 Abs. 3 Alt. 3 SGB VII ereignet, so dass

die Haftungsfreistellung des Zeugen S. gemäß §§ 104, 106 SGB VII gegenüber

dem Kläger dazu führe, dass dieser auch die Beklagte zu 3 nicht erfolgreich in

Anspruch nehmen könne.

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Der Kläger und der Zeuge S. hätten eine betriebliche Tätigkeit für ihren

jeweiligen Arbeitgeber im Baustellenbereich verrichtet. Sie hätten sich dabei

immer wieder miteinander verständigen müssen. Der Kläger habe seine Tätig-

keit nur durchführen dürfen, wenn der Zeuge S. die Arbeiten freigegeben habe.

Deshalb habe der Zeuge seine Maßnahmen mit der Bautätigkeit abstimmen

müssen. Zudem habe er im Falle des Herannahens von Zügen die in Gleisnähe

befindlichen Arbeiter warnen und zum Verlassen der Gleise auffordern müssen.

Somit seien einerseits die Sicherungstätigkeit des Zeugen S. von den jeweiligen

Bauarbeiten und andererseits die vom Kläger zum Unfallzeitpunkt ausgeüb-

te Bautätigkeit von der Veranlassung von Sicherungsmaßnahmen durch den

Zeugen S. abhängig gewesen.

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Der Kläger und der Zeuge hätten sich in einer Gefahrengemeinschaft be-

funden, weil sie sich aufgrund der engen räumlichen Verknüpfung der beider-

seitigen Tätigkeiten gegenseitig hätten schädigen können. Sie seien aufgrund

der Verknüpfung ihrer jeweiligen Tätigkeit auch in gleichem Maße einer Gefähr-

dung durch den Bahnbetrieb ausgesetzt gewesen. Nach Auffassung des Se-

nats sei die erforderliche Gefahrengemeinschaft in einer solchen Fallkonstellati-

on schon dann gegeben, wenn beide aufgrund ihrer Tätigkeit in gleicher Weise

einer von außen drohenden Gefahr ausgesetzt seien. Dies gelte insbesondere,

wenn - wie hier - der eine versicherungspflichtig Beschäftigte speziell mit dem

Ziel eingesetzt werde, die Tätigkeit des Anderen zu sichern.

II.

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1. Da der Kläger ausweislich seiner Revisionsbegründung eine Aufhe-

bung des Berufungsurteils nur insoweit begehrt, als die Klage gegenüber der

Beklagten zu 3 abgewiesen worden ist, hat er seine Revision zurückgenom-

men, soweit sie zunächst auch gegenüber der Beklagten zu 1 eingelegt worden

ist.

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2. Hinsichtlich der Beklagten zu 3 halten die Ausführungen des Beru-

fungsgerichts einer revisionsrechtlichen Überprüfung stand. Das Berufungsge-

richt hat zu Recht angenommen, dass die Beklagte zu 3 dem Kläger nach den

Grundsätzen des gestörten Gesamtschuldnerverhältnisses hinsichtlich der als

Folge ihres Personenschadens geltend gemachten materiellen Ansprüche nicht

nach § 1 HPflG a.F. haftet.

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Die Revision meint, es liege keine gemeinsame Betriebsstätte des Klä-

gers und des Zeugen S. im Sinne des § 106 Abs. 3 Alt. 3 SGB VII vor, so dass

die vom Berufungsgericht angenommene Grundlage für die Anwendung der

Grundsätze des gestörten Gesamtschuldnerverhältnisses gegenüber der Be-

klagten zu 3 entfalle. Damit hat sie keinen Erfolg.

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a) Nach den vom Senat entwickelten Grundsätzen können in den Fällen,

in denen zwischen mehreren Schädigern ein Gesamtschuldverhältnis besteht,

Ansprüche des Geschädigten gegen einen Gesamtschuldner (Zweitschädiger)

auf den Betrag beschränkt sein, der auf diesen im Innenverhältnis zu dem an-

deren Gesamtschuldner (Erstschädiger) endgültig entfiele, wenn die Schadens-

verteilung nach § 426 BGB nicht durch eine sozialversicherungsrechtliche Haf-

tungsprivilegierung des Erstschädigers gestört wäre (st. Rspr.: vgl. etwa Se-

natsurteile BGHZ 61, 51, 55; 94, 173, 176; 155, 205, 212 ff.; 157, 9, 14; vom

13. März 2007 - VI ZR 178/05 - VersR 2007, 948, 949). Die Beschränkung der

Haftung des Zweitschädigers beruht dabei auf dem Gedanken, dass einerseits

die haftungsrechtliche Privilegierung nicht durch eine Heranziehung im Ge-

samtschuldnerausgleich unterlaufen werden soll, es aber andererseits bei Mit-

berücksichtigung des Grundes der Haftungsprivilegierung, nämlich der ander-

weitigen Absicherung des Geschädigten durch eine gesetzliche Unfallversiche-

rung nicht gerechtfertigt wäre, den Zweitschädiger den Schaden alleine tragen

zu lassen. Deshalb hat der Senat den Zweitschädiger in solchen Fällen in Höhe

des Verantwortungsteils freigestellt, der auf den Erstschädiger im Innenverhält-

nis entfiele, wenn man seine Haftungsprivilegierung hinweg denkt, wobei unter

"Verantwortungsteil" die Zuständigkeit für die Schadensverhütung und damit der

Eigenanteil des betreffenden Schädigers an der Schadensentstehung zu ver-

stehen ist (vgl. Senatsurteile BGHZ 110, 114, 119; 155, 205, 213; 157, 9, 15;

vom 13. März 2007 - VI ZR 178/05 - aaO).

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In Anwendung dieser Grundsätze trägt dann, wenn auf der einen Seite

nur eine Gefährdungshaftung oder eine Haftung aus vermutetem Verschulden,

auf der anderen Seite jedoch erwiesenes Verschulden vorliegt, im Innenver-

hältnis grundsätzlich derjenige den ganzen Schaden, der nachweislich schuld-

haft gehandelt hat (vgl. Senatsurteil BGHZ 157, 9, 15 m.w.N.). Mithin hätte im

Innenverhältnis zur Beklagten zu 3 der schuldhaft handelnde Zeuge S. - ohne

Haftungsprivilegierung - den dem Kläger entstandenen Schaden ganz zu tra-

gen. Daher entfällt eine Haftung der Beklagten zu 3, wenn zwischen dem Klä-

ger und dem Zeugen S. eine gemeinsame Betriebsstätte im Sinne des § 106

Abs. 3 Alt. 3 SGB VII bestanden hat. Dies ist entgegen der Auffassung der Re-

vision der Fall.

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b) aa) Das Berufungsgericht hat in Übereinstimmung mit der Rechtspre-

chung des erkennenden Senats angenommen, dass der Begriff der gemeinsa-

men Betriebsstätte betriebliche Aktivitäten von Versicherten mehrerer Unter-

nehmen erfasst, die bewusst und gewollt bei einzelnen Maßnahmen ineinander

greifen, miteinander verknüpft sind, sich ergänzen oder unterstützen, wobei es

ausreicht, dass die gegenseitige Verständigung stillschweigend durch bloßes

Tun erfolgt. Erforderlich ist ein bewusstes Miteinander im Arbeitsablauf, das

sich zumindest tatsächlich als ein aufeinander bezogenes betriebliches Zu-

sammenwirken mehrerer Unternehmen darstellt. Die Tätigkeit der Mitwirkenden

muss im faktischen Miteinander der Beteiligten aufeinander bezogen, miteinan-

der verknüpft oder auf gegenseitige Ergänzung oder Unterstützung ausgerichtet

sein (vgl. Senatsurteile BGHZ 145, 331, 336; 157, 213, 216 f.; vom 13. März

2007 - VI ZR 178/05 - aaO; BAG VersR 2003, 1177, 1178). Die notwendige Ar-

beitsverknüpfung kann im Einzelfall auch dann bestehen, wenn die von den Be-

schäftigten verschiedener Unternehmen vorzunehmenden Maßnahmen sich

nicht sachlich ergänzen oder unterstützen, die gleichzeitige Ausführung der

betreffenden Arbeiten wegen der räumlichen Nähe aber eine Verständigung

über den Arbeitsablauf erfordert und hierzu konkrete Absprachen getroffen

werden, etwa wenn ein zeitliches und örtliches Nebeneinander dieser Tätigkei-

ten nur bei Einhaltung von besonderen beiderseitigen Vorsichtsmaßnahmen

möglich ist und die Beteiligten solche vereinbaren (vgl. Senat BGHZ 152, 7, 9;

Urteile vom 8. April 2003 - VI ZR 251/02 - VersR 2003, 904, 905; vom 13. März

2007 - VI ZR 178/05 - aaO; OLG Schleswig r+s 2001, 197, 198 mit Nichtan-

nahme-Beschluss des Senats vom 10. Juli 2001 - VI ZR 53/01).

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bb) Nach diesen Grundsätzen hat das Berufungsgericht zu Recht das

Vorliegen einer gemeinsamen Betriebsstätte des Klägers und des Zeugen S.

bejaht. Nach seinen Feststellungen musste sich der Zeuge S. jeweils mit dem

Bauleiter und den Bauarbeitern verständigen, bevor diese ihre Tätigkeit auf-

nehmen konnten. Der Zeuge musste mit dem Bauleiter abstimmen, ob und

wann eine Streckensperrung erfolgen sollte. Der Kläger durfte die zum Unfall-

zeitpunkt ausgeübte Tätigkeit an den Schalbrettern nur ausführen, wenn der

Zeuge S. die Arbeiten freigegeben hatte. Demgemäß hat er vor der Aufnahme

seiner Arbeit nach seiner eigenen Erklärung kurz mit dem Zeugen S. gespro-

chen, ob die Strecke frei sei. Wenn eine Streckensperrung nicht möglich war,

stand dies den Arbeiten im Gleisbereich entgegen.

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Zudem war es nach den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsge-

richts erforderlich, dass sich der Zeuge S. immer wieder im Bereich der Bauar-

beiten aufhielt, um beim Herannahen von Zügen die in Gleisnähe befindlichen

Arbeiter zu warnen und zum Verlassen der Gleise aufzufordern. Mithin hing ei-

nerseits die Art und Weise der Sicherungstätigkeit des Zeugen S. davon ab,

welche Bauarbeiten ausgeführt werden sollten, und andererseits war die Veran-

lassung von Sicherungsmaßnahmen durch den Zeugen S. Voraussetzung für

die durchgeführten Bautätigkeiten im Gleisbereich. Somit erforderten die Arbei-

ten des Klägers und die Tätigkeit des Zeugen S. sowohl eine Verständigung

über den Arbeitsablauf in räumlicher Nähe zueinander als auch ein aufeinander

bezogenes und miteinander verknüpftes Handeln, so dass diese Voraussetzun-

gen für eine gemeinsame Betriebsstätte vorliegen. Die beiden Tätigkeiten konn-

ten nur "Hand in Hand" ausgeführt werden.

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Entgegen der Auffassung der Revision lag auch eine so genannte Gefah-

rengemeinschaft vor, welche die Rechtfertigung für den Haftungsausschluss

des § 106 Abs. 3 Alt. 3 SGB VII bildet (vgl. Senatsurteile BGHZ 148, 209, 212;

148, 214, 220; 157, 213, 218). Eine Gefahrengemeinschaft ist dadurch gekenn-

zeichnet, dass jeder der (in enger Berührung miteinander) Tätigen sowohl zum

Schädiger als auch zum Geschädigten werden kann (vgl. Senatsurteile BGHZ

148, 214, 220; 157, 213, 218 f. m.w.N.). Dies setzt nicht voraus, dass im kon-

kreten Fall jeder der auf der Betriebsstätte Tätigen in gleicher Weise verletzt

werden könnte. Es reicht die Möglichkeit aus, dass es durch das enge Zusam-

menwirken wechselseitig zu Verletzungen kommen kann (vgl. Senatsurteile

BGHZ 155, 205, 208 f.; vom 23. März 2004 - VI ZR 160/03 - VersR 2004, 1045,

1046). Demgemäß kann eine Gefahrengemeinschaft auch bestehen, wenn eine

wechselseitige Gefährdung zwar eher fern liegt, aber auch nicht völlig ausge-

schlossen ist (vgl. OLG Frankfurt r+s 2007, 524, 525 mit Zurückweisung der

Nichtzulassungsbeschwerde durch Beschluss des Senats vom 6. November

2007 - VI ZR 76/07).

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Nach diesen Grundsätzen hat das Berufungsgericht zu Recht das Vorlie-

gen einer Gefahrengemeinschaft zwischen dem Kläger und dem Zeugen S.

bejaht, weil diese sich aufgrund der engen räumlichen Verknüpfung der beider-

seitigen Tätigkeiten gegenseitig schädigen konnten. Nach den Zeugenaussa-

gen musste der Zeuge S. sich immer wieder auf der Baustelle über die Art der

Bautätigkeit informieren und mit dem Bauleiter sprechen. Wenn Züge heran-

nahten, musste er die im Gleisbereich oder in Gleisnähe tätigen Bauarbeiter

warnen und sicherstellen, dass sie sich rechtzeitig entfernten. Daher war es für

ihn notwendig, sich immer wieder in den Bereich der durchgeführten Bauarbei-

ten zu begeben. Dabei war er Gefahren durch den Zustand der Baustelle und

der Bautätigkeit ausgesetzt. Umgekehrt konnte er seinerseits die Bauarbeiter

gefährden und schädigen, wenn er ihnen "in die Quere kam" oder nicht die not-

wendigen Sicherheitsmaßnahmen traf, wie sich beim Unfall des Klägers gezeigt

hat. Auf die vom Berufungsgericht aufgeworfene Frage, ob eine Gefahrenge-

meinschaft im Sinne des § 106 Abs. 3 Alt. 3 SGB VII schon daraus folgt, dass

eine den betrieblich Tätigen gemeinsame von außen drohende Drittgefahr vor-

liegt, kommt es unter den Umständen des Streitfalls nicht an, weil ohnehin die

Voraussetzungen für eine Gefahrengemeinschaft erfüllt sind.

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3. Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 97 Abs. 1, 516 Abs. 3, 565 ZPO.

Müller Greiner Wellner

Pauge Stöhr

Vorinstanzen:

LG Bielefeld, Entscheidung vom 24.02.2005 - 2 O 562/00 -

OLG Hamm, Entscheidung vom 27.11.2006 - 13 U 57/05 -