BGH Urteil vom 19.02.2009 – I ZR 195/06
I. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk:
BGHZ:
BGHR:
ja
ja
ja
Verkündet am: 19. Februar 2009 Führinger Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
UHU
MarkenG § 4 Nr. 2, § 8 Abs. 1; UWG §§ 3, 4 Nr. 9
a) Hat der Kläger sein Klagebegehren auf Ansprüche aus einem Markenrecht und aus ergänzendem wettbewerbsrechtlichem Leistungsschutz gestützt, kann das Berufungsgericht die Revision beschränkt auf die markenrechtli- chen oder die wettbewerbsrechtlichen Ansprüche zulassen.
b) Eine Marke kraft Verkehrsgeltung nach § 4 Nr. 2 MarkenG braucht nicht gra-
phisch darstellbar i.S. von § 8 Abs. 1 MarkenG zu sein.
c) Für die Marke kraft Verkehrsgeltung gilt das Gebot der Bestimmtheit. Bei ei- ner als Marke kraft Verkehrsgeltung beanspruchten Farbkombination müssen die systematische Anordnung und das flächenmäßige Verhältnis der Farben klar und eindeutig bestimmt sein.
BGH, Urteil vom 19. Februar 2009 - I ZR 195/06 - OLG Köln LG Köln
Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhand-
lung vom 19. Februar 2009 durch die Richter Dr. Bergmann, Prof. Dr. Büscher,
Dr. Schaffert, Dr. Kirchhoff und Dr. Koch
für Recht erkannt:
Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 6. Zivilsenats des
Oberlandesgerichts Köln vom 13. Oktober 2006 wird als unzuläs-
sig verworfen, soweit mit ihr die Klageanträge im Hinblick auf An-
sprüche aus ergänzendem wettbewerbsrechtlichem Leistungs-
schutz weiterverfolgt werden, und im Übrigen zurückgewiesen.
Die Kosten der Revision trägt die Klägerin.
Von Rechts wegen
Tatbestand
Die Klägerin produziert und vertreibt Klebstoffe unter der Marke "UHU".
Sie ist seit 1932 mit ihrem Produkt "UHU Alleskleber" auf dem Markt. Die Kleb-
stofftube und die Umverpackung sind in der Grundfarbe Gelb mit schwarzer
Beschriftung gehalten. In derselben farblichen Aufmachung vertreibt die Kläge-
rin seit Jahrzehnten das Produkt "UHU Flinke Flasche".
Zur Produktpalette der Klägerin gehören darüber hinaus verschiedene
als Sekundenkleber bezeichnete Klebstoffe. Die Behältnisse dieser Kleber wei-
sen eine schwarze Kappe und das in schwarzer Schrift herausgestellte Mar-
kenwort "UHU" auf. Für die weitere Beschriftung verwendet die Klägerin neben
Schwarz auch die Farben Weiß und Rot. Die gelbe Grundfarbe der Behältnisse
des Klebstoffs wird im unteren Drittel teilweise von einer roten Farbgebung ab-
gelöst, die zum unteren Ende hin breiter wird. Die Verpackungskartons sind
entsprechend gestaltet. Bei einem der von der Klägerin angebotenen Sekun-
denkleber enthält die Umverpackung einen grünen Streifen mit der Angabe
"ohne Lösungsmittel, keine stechenden Dämpfe". Die Klägerin bietet ferner
Spezialklebstoffe für besondere Materialien an, bei denen sie für die Klebstoff-
behältnisse und die Umverpackung neben der Grundfarbe Gelb die Farbe Blau
verwendet.
Zum Produktprogramm der Beklagten, die ebenfalls Klebstoffe vertreibt,
gehört seit Anfang des Jahres 2005 ein Sekundenkleber mit der Bezeichnung
"PERFECT". Die Klebstofftuben und die Verpackungsaufmachungen dieses
Klebstoffs sind in den Grundfarben Gelb, Schwarz und Rot gehalten. Für die
Beschriftungen hat die Beklagte ebenfalls diese Farben und die Farbe Weiß
gewählt. Die Einzelheiten der Aufmachung ergeben sich aus den im Klagean-
trag wiedergegebenen Abbildungen.
Die Klägerin hat behauptet, sie sei mit einem Marktanteil zwischen 72%
und 89% in den Jahren von 1987 bis 2003 im Produktsektor "Alleskleber"
Marktführerin gewesen. Gleiches gelte für die als Sekundenkleber bezeichneten
Klebstoffe, bei der sich ihr Marktanteil zwischen 41% und 50% bewegt habe.
Mit der Farbkombination Gelb/Schwarz verfüge sie über eine überragende Ver-
kehrsbekanntheit für Klebstoffe. Die Klägerin meint, sie habe deshalb eine Mar-
ke kraft Verkehrsgeltung bezogen auf Klebstoffprodukte erworben. Sie sieht
den Vertrieb des von der Beklagten angebotenen Klebstoffs in der angegriffe-
nen Aufmachung als eine Verletzung ihres Markenrechts und nach den
Grundsätzen des ergänzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes als
wettbewerbswidrig an.
Die Klägerin hat beantragt,
I. die Beklagte zu verurteilen,
1. es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr Sekundenkle- ber in der nachstehend wiedergegebenen Ausstattung an- zubieten, zu bewerben und/oder in den Verkehr zu bringen:
Die Klägerin hat zudem einen Auskunftsanspruch gegen die Beklagte
geltend gemacht und die Feststellung der Schadensersatzverpflichtung begehrt.
Die Beklagte ist der Klage entgegengetreten. Sie hat einen Marken-
schutz der Klägerin für eine konturlose Farbmarke mit den Farben Gelb und
Schwarz in Abrede gestellt.
Das Landgericht hat die Beklagte antragsgemäß verurteilt (LG Köln, Urt.
v. 3.2.2006 - 81 O 100/05, juris).
Das Berufungsgericht hat die Klage abgewiesen (OLG Köln GRUR-RR
2007, 100).
Mit ihrer vom Berufungsgericht auf die Abweisung der markenrechtlichen
Ansprüche beschränkt zugelassenen Revision verfolgt die Klägerin ihre Klage-
anträge weiter. Die Beklagte beantragt, die Revision zurückzuweisen.
Entscheidungsgründe
I. Das Berufungsgericht hat einen Unterlassungsanspruch sowohl nach
§ 14 Abs. 2 Nr. 2 und Abs. 5 MarkenG als auch wegen vermeidbarer Herkunfts-
täuschung und wegen Ausnutzung und Beeinträchtigung der Wertschätzung
der Produkte der Klägerin nach § 8 Abs. 1, §§ 3, 4 Nr. 9 lit. a und b UWG sowie
Ansprüche auf Auskunftserteilung und Schadensersatzansprüche verneint. Zur
Begründung hat es ausgeführt:
Die Klägerin verfüge nicht über die von ihr in Anspruch genommene
Marke kraft Verkehrsgeltung. Sie beanspruche als Benutzungsmarke jede be-
liebige Kombination der Farben Gelb und Schwarz mit der einzigen Einschrän-
kung, dass die Farbe Schwarz einen Anteil von weniger als 50% ausmache. An
einer solchen Marke könne mangels graphischer Darstellbarkeit kein Marken-
schutz durch Eintragung erworben werden, weil die systematische Anordnung
der betreffenden Farben in vorher festgelegter und beständiger Weise fehle.
Diese Maßstäbe seien auch bei der Marke kraft Verkehrsgeltung nach § 4 Nr. 2
MarkenG anzuwenden. Zwar sehe das deutsche Markenrecht das Merkmal der
graphischen Darstellbarkeit gemäß § 8 Abs. 1 MarkenG als absolutes Schutz-
hindernis nur für Registermarken vor. Graphisch nicht darstellbare Zeichen
blieben nach § 8 Abs. 1 MarkenG jedoch selbst dann von der Eintragung aus-
geschlossen, wenn sie sich in den beteiligten Verkehrskreisen i.S. von § 8
Abs. 3 MarkenG durchgesetzt hätten. Es sei nicht einzusehen, dem Zeichen bei
(niedrigerer) Verkehrsgeltung Schutz als Benutzungsmarke zuzubilligen.
Der Klägerin stünden auch keine Ansprüche aus ergänzendem wettbe-
werbsrechtlichem Leistungsschutz zu. Eine Herkunftstäuschung liege nicht vor,
weil der Verbraucher unabhängig von den unterschiedlichen Wortbezeichnun-
gen "UHU" und "PERFECT" auf den von den Parteien vertriebenen Produkten
die Unterschiede in den sich gegenüberstehenden Aufmachungen erkenne und
daher keiner Herkunftstäuschung unterliege. Es sei auch nicht anzunehmen,
dass durch die angegriffene Warengestaltung der Beklagten die Wertschätzung
der Produkte der Klägerin unangemessen ausgenutzt oder beeinträchtigt wer-
de.
II. Die Revision ist teilweise unzulässig und im Übrigen unbegründet.
1. Die Revision ist unzulässig, soweit sie sich dagegen richtet, dass das
Berufungsgericht die geltend gemachten Ansprüche aus ergänzendem wettbe-
werbsrechtlichem Leistungsschutz nach § 8 Abs. 1, § 9 Satz 1, §§ 3, 4 Nr. 9
lit. a und b UWG i.V. mit § 242 BGB verneint hat. Wegen dieser Ansprüche ist
die Revision vom Berufungsgericht nicht zugelassen worden und das Rechts-
mittel daher gemäß § 543 Abs. 1 ZPO unstatthaft.
a) Das Berufungsgericht hat die Revision nur beschränkt im Hinblick auf
die Abweisung der markenrechtlichen Ansprüche der Klägerin zugelassen. Die-
se Beschränkung ist wirksam.
b) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann das Beru-
fungsgericht die Zulassung der Revision auf einen rechtlich selbständigen und
abtrennbaren Teil des Streitstoffs beschränken, der Gegenstand eines Teil-
oder Zwischenurteils sein könnte oder auf den der Revisionskläger selbst seine
Revision beschränken könnte (BGH, Urt. v. 21.9.2006 - I ZR 2/04, NJW-RR
2007, 182 Tz. 19 = TranspR 2006, 451; Urt. v. 30.3.2007 - V ZR 179/06, NJW
2007, 2182 Tz. 6). Nicht zulässig ist es dagegen, die Revision auf einzelne von
mehreren Anspruchsgrundlagen oder auf bestimmte Rechtsfragen zu be-
schränken (BGH NJW-RR 2007, 182 Tz. 19). Die von der Klägerin verfolgten
Ansprüche aus ergänzendem wettbewerbsrechtlichem Leistungsschutz bilden
jedoch einen abtrennbaren Teil des Gesamtstreitstoffs, weil die wettbewerbs-
rechtlichen Ansprüche nach § 8 Abs. 1, § 9, §§ 3, 4 Nr. 9 UWG und die marken-
rechtlichen Ansprüche verschiedene Streitgegenstände darstellen.
Der Streitgegenstand (der prozessuale Anspruch) wird durch den Klage-
antrag, in dem sich die vom Kläger in Anspruch genommene Rechtsfolge kon-
kretisiert, und den Lebenssachverhalt bestimmt, aus dem der Kläger die be-
gehrte Rechtsfolge herleitet (BGHZ 166, 253 Tz. 25 - Markenparfümverkäufe;
BGH, Urt. v. 20.9.2007 - I ZR 6/05, GRUR 2007, 1071 Tz. 56 = WRP 2007,
1461 - Kinder II). Nichts anderes gilt bei der Verfolgung von Rechten aus Mar-
ken kraft Verkehrsgeltung (vgl. BGH GRUR 2007, 1071 Tz. 57 - Kinder II; BGH,
Urt. v. 20.9.2007 - I ZR 94/04, GRUR 2007, 1066 Tz. 61 = WRP 2007, 1466
- Kinderzeit). Der Kläger bestimmt hier durch seinen Vortrag über die Entste-
hung des Schutzrechts als Teil des Lebenssachverhalts den Streitgegenstand.
Von diesen Maßstäben ist auch für das Verhältnis zwischen Ansprüchen aus
einem Markenrecht und aus ergänzendem wettbewerbsrechtlichem Leistungs-
schutz auszugehen. Werden neben einem Anspruch aus einem Schutzrecht
Ansprüche aus ergänzendem wettbewerbsrechtlichem Leistungsschutz geltend
gemacht, handelt es sich um zwei Streitgegenstände (vgl. BGH, Urt. v.
7.12.2000 - I ZR 146/98, GRUR 2001, 755, 757 = WRP 2001, 804 - Telefon-
karte). Diese bilden jeweils einen selbständigen Teil des Streitstoffs, auf den die
Zulassung der Revision beschränkt werden kann.
2. Die Revision ist zulässig, jedoch unbegründet, soweit sie sich gegen
die Abweisung der auf eine Marke kraft Verkehrsgeltung gestützten Klagean-
träge richtet. Der Klägerin stehen der markenrechtliche Unterlassungsanspruch
nach § 4 Nr. 2, § 14 Abs. 2 Nr. 2 und Abs. 5 MarkenG gegen die Benutzung der
im Klageantrag zu I 1 wiedergegebenen Aufmachung sowie der Auskunftsan-
spruch (§ 242 BGB) und der mit dem Feststellungsantrag geltend gemachte
Schadensersatzanspruch (§ 14 Abs. 6 MarkenG) nicht zu.
Das Berufungsgericht ist mit Recht davon ausgegangen, dass für die
Klägerin nicht die von ihr beanspruchte Marke kraft Verkehrsgeltung nach § 4
Nr. 2 MarkenG an der Farbkombination Gelb/Schwarz entstanden ist.
a) Das Berufungsgericht hat angenommen, die Klägerin begehre Schutz
für eine aus den Farben Gelb und Schwarz bestehende konturlose Benut-
zungsmarke, bei der die Verwendung der gelben gegenüber der schwarzen
Farbe überwiege, im Übrigen aber die Farbzusammenstellung ganz unbestimmt
und frei wählbar sei. Für eine derartige Marke sei der Markenschutz ausge-
schlossen, weil sie nicht graphisch i.S. von § 8 Abs. 1 MarkenG darstellbar sei.
Das Erfordernis der graphischen Darstellbarkeit gelte auch für die Benutzungs-
marke. Diese Beurteilung hält der revisionsrechtlichen Nachprüfung im Ergeb-
nis stand. Die Benutzungsmarke unterfällt zwar nicht der Vorschrift des § 8
Abs. 1 MarkenG (dazu II 2 b und c aa). Die von der Klägerin beanspruchte
Marke genügt jedoch nicht dem Gebot der Bestimmtheit, das auch für Benut-
zungsmarken gilt (dazu II 2 c bb).
b) An einem Zeichen, das in einer Farbe oder in einer Farbkombination
ohne konkrete Konturierung besteht, können die Rechte einer Benutzungsmar-
ke nach § 4 Nr. 2 MarkenG erworben werden, wenn die allgemeinen Kriterien
der Markenfähigkeit (§ 3 MarkenG) gegeben sind und für das Zeichen durch
Benutzung Verkehrsgeltung erlangt worden ist (BGHZ 156, 126, 134 - Farb-
markenverletzung I, m.w.N.).
Für die Bestimmung des Schutzgegenstands der Benutzungsmarke ist
von der konkreten Gestaltung auszugehen, in der das Zeichen dem Publikum
entgegentritt (vgl. BGH, Urt. v. 10.7.1981 - I ZR 124/79, GRUR 1982, 51, 52
- Rote-Punkt-Garantie; Urt. v. 6.5.1982 - I ZR 94/80, GRUR 1982, 672, 674
- Aufmachung von Qualitätsseifen zum Ausstattungsschutz nach § 25 WZG;
Ingerl/Rohnke, Markengesetz, 2. Aufl., § 4 Rdn. 13). Soweit unterschiedliche
Aufmachungen gewisse gemeinsame Merkmale aufweisen, kann ihnen Zei-
chenschutz zukommen, wenn sie auf eine gemeinsame Herkunft der Produkte
hinweisen (vgl. BGH, Urt. v. 23.6.1967 - Ib ZR 54/66, GRUR 1968, 371, 374
- Maggi; BGH GRUR 1982, 672, 674 - Aufmachung von Qualitätsseifen). Die
übereinstimmenden Merkmale, für die Zeichenschutz beansprucht wird, sind
jedoch eindeutig zu bestimmen (vgl. BGH GRUR 1968, 371, 374 - Maggi).
c) Die Klägerin hat zur Beurteilung der Merkmale der von ihr beanspruch-
ten Marke kraft Verkehrsgeltung auf die Aufmachungen ihrer Klebstoffprodukte
Bezug genommen, die vollständig oder teilweise in der Grundfarbe Gelb und
der Farbe Schwarz gehalten sind. Sie beansprucht auf der Grundlage dieser
Aufmachungen als Benutzungsmarke jede beliebige Kombination der Farben
Gelb und Schwarz, wenn der Anteil der gelben Farbe gegenüber der schwarzen
Farbgebung überwiegt.
Zu Recht ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, dass diese
Merkmale nicht Schutzgegenstand einer Marke kraft Verkehrsgeltung sein kön-
nen. Die Marke wird durch diese Merkmale nicht hinreichend bestimmt.
aa) Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts folgt dies allerdings
nicht bereits aus einer mangelnden graphischen Darstellbarkeit i.S. von § 8
Abs. 1 MarkenG der von der Klägerin beanspruchten Benutzungsmarke. Zu
Recht macht die Revision geltend, dass die Vorschrift des § 8 Abs. 1 MarkenG
auf Marken kraft Verkehrsgeltung i.S. von § 4 Nr. 2 MarkenG nicht anwendbar
ist.
(1) Zum Register angemeldete Marken sind gemäß § 8 Abs. 1 MarkenG
von der Eintragung ausgeschlossen, wenn sie nicht graphisch darstellbar sind.
Bei abstrakt und konturlos beanspruchten Farben erfordert die graphische Dar-
stellbarkeit eine systematische Anordnung der Farben in der Weise, dass sie in
vorher festgelegter und beständiger Weise verbunden sind. Die bloße form- und
konturlose Zusammenstellung zweier Farben oder deren Nennung "in beliebiger
Anordnung zueinander" reicht dafür nicht aus. Eine solche Anmeldung erfüllt
nicht die Anforderungen an die Eindeutigkeit und Beständigkeit, die Vorausset-
zungen für die graphische Darstellbarkeit der Marke sind (vgl. EuGH, Urt. v.
24.6.2004 - C-49/02, Slg. 2004, I-6129 = GRUR 2004, 858 Tz. 33 - Heidel-
berger Bauchemie; BGHZ 169, 167 Tz. 13 - Farbmarke gelb/grün II).
(2) Im Schrifttum ist umstritten, ob das Merkmal der graphischen Dar-
stellbarkeit auch für die Schutzfähigkeit von Benutzungsmarken gilt. Zum Teil
wird angenommen, bei dem Erfordernis der graphischen Darstellbarkeit hande-
le es sich gemäß Art. 2 der Markenrechtsrichtlinie um ein allgemeines Merkmal
der Markenfähigkeit, das auch für die Benutzungsmarke zu gelten habe. Um
eine Rechtszersplitterung zu vermeiden, dürften im nationalen Recht keine gra-
phisch nicht darstellbaren Benutzungsmarken anerkannt werden. Es sei Ziel
des Markengesetzes, alle Markenrechte einheitlich zu behandeln (vgl. Fezer,
Markenrecht, 3. Aufl., § 3 Rdn. 201 und § 4 Rdn. 99; Lange, Marken- und
Kennzeichenrecht, Rdn. 251 und 350; Ekey in HK-MarkenR, 2. Aufl., § 4
Rdn. 33; Marx, Deutsches, europäisches und internationales Markenrecht,
2. Aufl., Rdn. 145).
Nach der Gegenauffassung hat der nationale Gesetzgeber das Merkmal
der graphischen Darstellbarkeit bewusst nicht als Kriterium der allgemeinen
Markenfähigkeit nach § 3 MarkenG ausgestaltet, sondern es nur als absolutes
Schutzhindernis für Registermarken nach § 8 Abs. 1 MarkenG vorgesehen. Aus
der Markenrechtsrichtlinie folge nichts Abweichendes, da diese sich nur mit Re-
gistermarken befasse. Zeichenformen, denen die graphische Darstellbarkeit
fehle, könnten somit als Benutzungsmarke markenfähig sein (vgl. Hacker in
Ströbele/Hacker, MarkenG, 8. Aufl., § 4 Rdn. 12; Schalk in Büscher/Dittmer/
Schiwy, Gewerblicher Rechtsschutz, Urheberrecht, Medienrecht, § 4 MarkenG
Rdn. 5; Viefhues/Klauer, GRUR Int. 2004, 584, 586; Berlit, GRUR-RR 2007, 97,
99; Psczolla, MarkenR 2007, 193, 196).
(3) Die Bedeutung des Erfordernisses der graphischen Darstellbarkeit
liegt darin, im Eintragungsverfahren der Beurteilung der Marke eine festgelegte
Form zugrunde legen zu können, die Eintragung ins Register überhaupt zu er-
möglichen und die Eintragung im Interesse der Allgemeinheit zur Unterrichtung
über die in Kraft stehenden Marken und ihren Schutzbereich zu veröffentlichen
(vgl. EuGH, Urt. v. 12.12.2002 - C-273/00, Slg. 2002, I-11737 = GRUR 2003,
145 Tz. 47-51 = WRP 2003, 249 - Sieckmann; EuGH GRUR 2004, 858
Tz. 26-30 - Heidelberger Bauchemie; BGHZ 169, 175 Tz. 13 - Tastmarke). Die-
ser an der Registereintragung anknüpfende Zweck scheidet bei Marken kraft
Verkehrsgeltung von vornherein aus. Nach der Begründung zum Regierungs-
entwurf des Markengesetzes wurde das Merkmal der graphischen Darstellbar-
keit nach Art. 2 MarkenRL in die Bestimmung des § 8 Abs. 1 MarkenG aufge-
nommen, weil es nur für eingetragene oder angemeldete Marken gelten sollte
(vgl. BT-Drucks. 12/6581, S. 70). Auf Benutzungsmarken ist die Bestimmung
des § 8 Abs. 1 MarkenG somit nicht anwendbar. Der Schutz einer Benut-
zungsmarke richtet sich vielmehr nach der konkreten Gestaltung, wie sie dem
Publikum entgegentritt. Das verhilft der Revision jedoch nicht zum Erfolg.
bb) Für die Marke kraft Verkehrsgeltung i.S. von § 4 Nr. 2 MarkenG gilt
das Gebot der Bestimmtheit. Der Kläger, der im Verletzungsprozess Rechte
aus einer Benutzungsmarke geltend macht, muss - ebenso wie der Anmelder
einer Registermarke - die beanspruchte Marke eindeutig bestimmen (vgl.
Hacker in Ströbele/Hacker aaO § 4 Rdn. 3). Die Verkehrsgeltung muss sich
deshalb auf ein konkretes Zeichen und nicht auf abstrakte Einzelmerkmale be-
ziehen (vgl. OLG Frankfurt GRUR 2000, 1063, 1066; Ingerl/Rohnke aaO § 4
Rdn. 13). Das schließt es zwar nicht aus, dass eine einzelne Farbe ohne räum-
liche Begrenzung die Voraussetzungen der Benutzungsmarke nach § 4 Nr. 2
MarkenG erfüllen kann (vgl. BGHZ 156, 126, 135 - Farbmarkenverletzung I).
Davon kann aber nicht in gleicher Weise ausgegangen werden, wenn Schutz
für Farbkombinationen in beliebiger Variation beansprucht wird, selbst wenn
eine der Farben als Grundfarbe überwiegt.
(1) Auch bei Benutzungsmarken muss das Zeichen deshalb klar und ein-
deutig bestimmt sein. Weisen verschiedene Varianten einer Aufmachung ge-
meinsame Merkmale auf, z.B. in Gestalt einer bestimmten Farbkombination,
müssen diese genau definiert werden. Der Verkehr, auf dessen Verständnis es
für die Beurteilung der Gestaltung des Zeichens und seiner Verkehrsgeltung
ankommt (vgl. BGH, Urt. v. 26.6.2008 - I ZR 190/05, GRUR 2008, 917 Tz. 38
= WRP 2008, 1319 - EROS), hat keinen Anlass, Merkmale weiter zu abstrahie-
ren als sie ihm tatsächlich begegnen. Soweit älteren Entscheidungen des Se-
nats zum Ausstattungsschutz nach § 25 WZG etwas anderes zu entnehmen
sein sollte (vgl. BGH GRUR 1968, 371, 374 - Maggi; GRUR 1982, 672, 674
- Aufmachung von Qualitätsseifen), lässt sich dies auf den Schutz von Marken
kraft Verkehrsgeltung i.S. von § 4 Nr. 2 MarkenG nicht übertragen.
Die Klägerin muss danach bei einer als Benutzungsmarke beanspruch-
ten Farbkombination konkrete Angaben zur systematischen Anordnung (z.B.
zur Grundfarbe und zur Schriftfarbe) und zum flächenmäßigen Verhältnis der
Farben bei der beanspruchten Benutzungsmarke machen. Es reicht nicht aus,
zwei Farben zu benennen, die in jeder beliebigen Anordnung und Kombination
auch mit anderen Farben Verwendung finden können.
(2) Diesen Anforderungen an die Bestimmtheit der Marke genügt die von
der Klägerin beanspruchte Farbmarke Gelb/Schwarz nicht.
Das Berufungsgericht hat festgestellt, dass die Klägerin für die von ihr
beanspruchte Benutzungsmarke keine systematische Anordnung der Farben
Gelb und Schwarz bestimmt hat. Die Klägerin hat keine Angaben dazu ge-
macht, aus denen sich eine konkrete Verbindung der beanspruchten Farben,
ein Muster oder ein exaktes Flächenverhältnis ergibt und ob eine der Farben
nur Grundfarbe ist und die andere Farbe nur für Schriftelemente oder andere
graphische oder funktionelle Elemente verwendet wird. Nach den rechtsfehler-
frei getroffenen Feststellungen des Berufungsgerichts besteht die einzige von
der Klägerin vorgenommene Einschränkung darin, dass der gelbe Farbton den
schwarzen Farbanteil überwiegt. Dies reicht nicht aus, um die danach verblei-
bende unübersehbare Vielfalt denkbarer Gestaltungsmöglichkeiten zu begren-
zen und die von der Klägerin beanspruchte Benutzungsmarke hinreichend zu
bestimmen.
Der Senat kann in der Sache selbst entscheiden. Die Frage, ob die Klä-
gerin eine Marke kraft Verkehrsgeltung ohne systematische Anordnung der
Farben Gelb und Schwarz beanspruchen kann, ist eine Rechtsfrage. Der Kläge-
rin ist auch nicht durch Zurückweisung der Sache an das Berufungsgericht Ge-
legenheit zu geben, die Angabe einer konkreten Farbkombination nachzuholen.
Zwischen den Parteien war bereits in der Berufungsinstanz umstritten, ob die
Klägerin Schutz für eine konturlose Farbkombination als Benutzungsmarke be-
anspruchen kann, ohne dass die Klägerin eine bestimmte Farbkombination be-
zeichnet hat.
d) Ansprüche auf Auskunftserteilung und Schadensersatz sind ebenfalls
nicht gegeben, weil die Beklagte kein der Klägerin zustehendes Markenrecht
verletzt hat.
III. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
Bergmann
Büscher
Schaffert
Kirchhoff
Koch
Vorinstanzen:
LG Köln, Entscheidung vom 03.02.2006 - 81 O 100/05 -
OLG Köln, Entscheidung vom 13.10.2006 - 6 U 59/06 -