Rechtsprechung / BGH

BGH Beschlüsse vom 02.11.2009 – VI ZR 341/08

VI. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

2. November 2009

in dem Rechtsstreit

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 2. November 2009 durch den

Vorsitzenden Richter Galke, die Richter Zoll und Wellner, die Richterin Diede-

richsen und den Richter Stöhr

beschlossen:

Die Anhörungsrüge der Klägerin vom 7. Oktober 2009 gegen den

Senatsbeschluss vom 22. September 2009 wird zurückgewiesen.

Die Klägerin hat die Kosten des Rügeverfahrens zu tragen.

Gründe

Die gemäß § 321a ZPO statthafte und auch im Übrigen zulässige Ge-

hörsrüge ist nicht begründet.

Die Gerichte sind nach Art. 103 Abs. 1 GG verpflichtet, das Vorbringen

der Parteien zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen. Hingegen ist

es nicht erforderlich, alle Einzelpunkte des Parteivortrags auch ausdrücklich zu

bescheiden (BVerfGE 96, 205, 216 f.; BGH, Beschl. v. 24. Februar 2005 - III ZR

263/04 - NJW 2005, 1432 f.). Art. 103 Abs. 1 GG gewährt keinen Schutz gegen

Entscheidungen, die den Sachvortrag eines Beteiligten aus Gründen des for-

mellen oder materiellen Rechts teilweise oder ganz unberücksichtigt lassen (st.

Rspr. vgl. BVerfGE 21, 191, 194; 70, 288, 294). Nach § 544 Abs. 4 Satz 2 ZPO

kann das Revisionsgericht von einer Begründung des Beschlusses, mit dem es

über die Nichtzulassungsbeschwerde entscheidet, absehen, wenn diese nicht

geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine

Revision zuzulassen ist. Von dieser Möglichkeit hat der Senat im vorliegenden

Fall Gebrauch gemacht. Die von der Klägerin aufgeworfenen Fragen sind in der

Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und der Zivilgerichte hinrei-

chend geklärt (vgl. BVerfG, Beschluss vom 23. September 2009 - 1 BvR

1742/09 - m.w.N.).

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Der Senat hat bei der Entscheidung über die Zurückweisung der Nichtzu-

lassungsbeschwerde das mit der Anhörungsrüge der Klägerin wiederholte Vor-

bringen in vollem Umfang geprüft, ihm aber auf der Grundlage der vom Beru-

fungsgericht ohne Rechtsfehler getroffenen Feststellungen keine Gründe für

eine Zulassung der Revision entnehmen können. Weder aus § 321a Abs. 4

Satz 5 ZPO, wonach der Beschluss kurz begründet werden soll, noch unmittel-

bar aus dem Verfassungsrecht ergibt sich eine Verpflichtung zu einer weiterge-

henden Begründung der Entscheidung. Ansonsten hätte es eine Partei in der

Hand, mittels einer Anhörungsrüge nach § 321a ZPO die Bestimmung des

§ 544 Abs. 4 Satz 2 ZPO im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren auszuhe-

beln. Auch nach der Gesetzesbegründung kann eine Gehörsrüge gegen die

Entscheidung über eine Nichtzulassungsbeschwerde nicht dazu eingelegt wer-

den, eine Begründungsergänzung herbeizuführen (BT-Drucks. 15/3706 S. 16;

vgl. auch BGH, Beschlüsse vom 24. Februar 2005 - III ZR 263/04 - NJW 2005,

1432, 1433; vom 28. Juli 2005 - III ZR 443/04 - NJW-RR 2006, 63 und vom

4. Dezember 2007 - X ZR 127/06 - nicht veröff.).

Galke Zoll Wellner

Diederichsen Stöhr

Vorinstanzen:

LG Hamburg, Entscheidung vom 16.05.2008 - 324 O 1197/07 -

OLG Hamburg, Entscheidung vom 04.11.2008 - 7 U 80/08 -