Rechtsprechung / BPatG / 2006

BPatG Beschluss vom 26.07.2006 – 26 W (pat) 59/05

26. Senat

Zitiert 1 Entscheidungen 2 zitierte Normen

BUNDESPATENTGERICHT

_______________

(Aktenzeichen)

Verkündet am

26. Juli 2006

B E S C H L U S S

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 303 15 704.6

hat der 26. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts durch

auf die mündliche Verhandlung vom 26. Juli 2006 08.05

beschlossen:

Auf die Beschwerde der Anmelderin werden die Beschlüsse der

Markenstelle für Klasse 39 des Deutschen Patent- und Markenamts vom 17. Februar 2004 und vom 15. Februar 2005 aufgehoben, soweit die Anmeldung für die Dienstleistung „Beratung bei

der Organisation und Führung von Unternehmen“ zurückgewiesen

worden ist.

G r ü n d e

I.

Die Markenstelle für Klasse 39 des Deutschen Patent- und Markenamts hat durch

zwei Beschlüsse, zuletzt durch Erinnerungsbeschluss vom 15. Februar 2005, die

Anmeldung der Wortmarke

City-Ticket

für die Dienstleistungen der

Klasse 35: Marketing, Werbung; Öffentlichkeitsarbeit; betriebswirtschaftliche Beratung, Beratung bei der Organisation und Führung

von Unternehmen;

und der

Klasse 39: Beförderung von Personen, vorzugsweise im öffentlichen Personennahverkehr; Veranstaltung von Reisen und Ausflugsfahrten; Dienstleistungen eines Verkehrs- und Reisebüros,

ausgenommen Zimmerreservierung in Hotels und Pensionen

gemäß §§ 37 Abs. 1, 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG zurückgewiesen. Zur Begründung

hat sie ausgeführt, dass die angemeldete Wortfolge für die in Anspruch genommenen Dienstleistungen jeglicher Unterscheidungskraft entbehre und zudem freihaltungsbedürftig sei. Die angemeldete Bezeichnung sei sprachüblich aus den

Begriffen „City“ und „Ticket“ gebildet. Das Wort „City“ habe die Bedeutung von

„Stadt, Geschäftsviertel einer Großstadt, Innenstadt“, das Wort „Ticket“ habe die

Bedeutung von „Fahrschein, Eintrittskarte“ und sei wie das Wort „City“ in die deutsche Alltagssprache eingegangen. Die angemeldete Wortfolge sei von den angesprochenen Verkehrskreisen ohne weiteres als eindeutig beschreibende Sachangabe zu verstehen, nämlich als eine Angabe über die Zweckbestimmung und inhaltliche Ausrichtung des in Bezug genommenen Tickets; denn vielerorts seien

Berechtigungskarten, die für bestimmte Regionen zur Inanspruchnahme einzelner

oder im Verbund angebotenen Dienstleistungen konzipiert seien, bekannt. Somit

werde der Verkehr das Markenwort nur so verstehen, dass sich die Beförderung

von Personen, die Veranstaltung von Reisen und die Dienstleistungen eines Reisebüros schwerpunktmäßig auf die Beförderung in oder zu Städten, ggf. kombiniert mit Eintrittskarten oder -berechtigungen für Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen oder ähnlichem, bezögen und die Berechtigungsscheine hierfür bereitgestellt und beschafft würden. Dienstleistungen wie Marketing, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit könnten lediglich das Angebot und den Vertrieb von derartigen einfachen oder kombinierten Stadtfahrkarten zum Gegenstand haben. Die angemeldete Wortfolge habe daher keinerlei betriebskennzeichnende Funktion. Sie sei

wegen ihres beschreibenden Inhalts zudem freihaltebedürftig.

Hiergegen wendet sich die Anmelderin mit der Beschwerde. Sie hat in der mündlichen Verhandlung das Waren- und Dienstleistungsverzeichnis beschränkt und

erklärt, dass sie nur noch Schutz für die Dienstleistung „Beratung bei der Organisation und Führung von Unternehmen“ begehre. Sie ist der Auffassung, die angemeldete Marke verfüge jedenfalls insoweit über die erforderliche Unterscheidungskraft. Auch ein Freihaltebedürfnis stehe der Anmeldung insoweit nicht entgegen.

Die Anmelderin beantragt,

die angegriffenen Beschlüsse aufzuheben und der Entscheidung

das neue Waren- und Dienstleistungsverzeichnis zugrunde zu legen, soweit es von der Zurückweisung umfasst ist.

II.

Die zulässige Beschwerde ist im Umfang des zuletzt gestellten Antrags begründet.

Für die nach der erfolgten Beschränkung des Waren- und Dienstleistungsverzeichnisses noch beanspruchten Dienstleistungen entbehrt die angemeldete

Marke weder der Unterscheidungskraft (§ 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG), noch stellt sie

eine unter das Eintragungsverbot des § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG fallende beschreibende Angabe dar.

Nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG können Marken nicht eingetragen werden, denen

für die angemeldeten Waren und Dienstleistungen jegliche Unterscheidungskraft

fehlt. Unterscheidungskraft im Sinne der in Frage stehenden Vorschrift ist die einer

Marke innewohnende (konkrete) Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel

für die von der Marke erfassten Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens

gegenüber solcher anderer Unternehmen aufgefasst zu werden (BGH GRUR

2000, 502, 503 – St. Pauli Girl; GRUR 2005, 258, 259 Roximycin). Dabei ist

grundsätzlich von einem großzügigen Maßstab auszugehen, d. h. jede auch noch

so geringe Unterscheidungskraft reicht aus, um das Schutzhindernis zu überwinden. Die Unterscheidungskraft einer Marke ist zu bejahen, wenn ihr für die Waren

oder Dienstleistungen, für die sie in Anspruch genommen wird, kein im Vordergrund stehender beschreibender Begriffsinhalt zugeordnet werden kann und es

sich auch sonst nicht um ein Wort der deutschen oder einer bekannten Fremdsprache handelt, das vom Verkehr – etwa auch wegen einer entsprechenden

Verwendung in der Werbung – stets nur als solches und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden wird (stdg. Rspr., BGH GRUR 2001, 1151, 1152 – marktfrisch; GRUR 2003, 1050, 1051 – Cityservice; Ströbele/Hacker, Markengesetz,

8. Aufl., § 8 Rn. 74 m. w. N.). Werden zwei rein beschreibende Begriffe zu einem

einzigen zusammengesetzt, so bleibt der Gesamtbegriff ungeachtet des Vorliegens einer Wortneuschöpfung von der Eintragung ausgeschlossen, wenn sich

durch die Wortkombination kein über den bloß beschreibenden Inhalt jedes einzelnen Wortbestandteils hinausgehender, weitergehender Sinngehalt ergibt

(EuGH GRUR 2004, 680, 682, EG 43 - BIOMILD).

Nach diesen Grundsätzen kann der Wortfolge „City-Ticket“ die Eignung zur Identifizierung des Erbringers der beanspruchten Dienstleistungen für die noch beanspruchte Dienstleistung „Beratung bei der Organisation und Führung von Unternehmen“ - anders als für die nunmehr nicht mehr beanspruchten Dienstleistungen

(vgl.

insoweit BGH a. a. O. - Cityservice; BPatG, Beschl. v. 13. 3. 2001

- 33 W (pat) 264/00 - Magdeburg-Ticket, veröffentlicht auf der PAVIS-CD-ROM) -

nicht abgesprochen werden. Bei der genannten Dienstleistung steht in der Regel

nicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit bestimmten Projekten oder Geschäftsgegenständen im Vordergrund, sondern die Optimierung der Effizienz von

Entscheidungs- und Informationsprozessen, die Festlegung von Entscheidungsautonomien sowie die Delegation von Entscheidungen aus betriebswirtschaftlicher

Sicht. Eine Beratung diesen Inhalts lässt sich nicht hinreichend mit dem Begriff

„City-Ticket“ beschreiben. Der Begriff ist vielmehr insoweit nichtssagend und weist

keinen hinreichend engen Bezug zu der Dienstleistung „Beratung bei der Organisation und Führung von Unternehmen“ auf. Er ist in diesem - engen - Rahmen

geeignet, vom Verkehr als betriebskennzeichnende Angabe angesehen zu werden.

Die Bezeichnung „City-Ticket“ kann daher nicht mangels Unterscheidungskraft von

der Eintragung für die noch beanspruchte Dienstleistung ausgeschlossen werden.

Ebenso wenig ist ein Freihaltebedürfnis i. S. d. § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG feststellbar. Es sind nach dem oben Gesagten keine Umstände ersichtlich, aus denen

heraus die Bezeichnung „City-Ticket“ als konkrete Angabe über den Gegenstand

der angemeldeten Dienstleistung zugunsten der Mitbewerber der Anmelderin freigehalten werden müsste.

gez.

Unterschriften