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BGH Urteil vom 04.12.2001 – VI ZR 447/00

VI. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: nein

Verkündet am: 4. Dezember 2001 Böhringer-Mangold, Justizhauptsekretärin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

BGB §§ 823 Abs. 1 Dc, 254 Abs. 1 Da; HPflG § 2 Abs. 3 Nr. 1

a) Die Ersatzpflicht nach § 2 Abs. 1 Satz 1 HPflG ist gemäß § 2 Abs. 3 Nr. 1 HPflG

auch dann ausgeschlossen, wenn neben einem Fehler der Außenanlage einer Was-

serversorgungsleitung ein fehlerhafter Zustand des sich im Gebäude befindlichen

Teils der Anlage den Schaden gleichrangig mitverursacht hat.

b) Der Betreiber einer Wasserversorgungsleitung ist aufgrund der allgemeinen Ver-

kehrssicherungspflicht im Rahmen des § 823 Abs. 1 BGB gehalten, einen Schieber

an der Abzweigstelle einer Hausanschlußleitung vom örtlichen Versorgungsnetz

solange geschlossen zu halten, bis eine ordnungsgemäße Verbindung der Hausan-

schlußleitung mit dem Leitungsnetz des Hauses hergestellt ist.

c) Dem Geschädigten kann es zum Mitverschulden im Sinne von § 254 Abs. 1 BGB

gereichen, wenn er nicht im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren Sorge dafür

trägt, daß die im Keller seines Gebäudes befindliche Hauptabsperrvorrichtung am

Ende der Hausanschlußleitung ebenfalls geschlossen bleibt.

BGH, Urteil vom 4. Dezember 2001 - VI ZR 447//00 - OLG Brandenburg

LG Potsdam

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 4. Dezember 2001 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Müller, die Richter

Dr. Dressler, Wellner, die Richterin Diederichsen und den Richter Stöhr

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Kläger wird das Urteil des 14. Zivilsenats des

Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 27. September 2000

aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung

- auch über die Kosten des Revisionsverfahrens - an das Beru-

fungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

Die Kläger nehmen die Beklagten auf Schadensersatz wegen Eintritts

von Wasser aus der örtlichen Versorgungsleitung in die Kellerräume ihres

Hausanwesens in Anspruch.

Die Kläger sind Eigentümer eines Grundstücks, auf dem sie in den Jah-

ren 1997 und 1998 ein vollständig unterkellertes, mehrgeschossiges Wohnge-

bäude errichteten. Die Beklagte zu 1 installierte als Betriebsführerin des Be-

klagten zu 2, eines Wasserversorgungsunternehmens, eine Hausanschlußlei-

tung, die an der Abzweigstelle von der örtlichen Wasserversorgungsleitung

beginnt, dort durch einen Schieber verschlossen werden kann und im Keller-

raum des damals noch nicht fertiggestellten Gebäudes mit einem Ventil, der

sog. Hauptabsperrvorrichtung, endete. Eine Verbindung zwischen der

Hauptabsperrvorrichtung und dem Wasserleitungsnetz des Hauses war noch

nicht hergestellt, insbesondere noch kein Wasserzähler installiert. Ein Wasser-

versorgungsvertrag war noch nicht abgeschlossen.

Nach der Verlegung der Hausanschlußleitung war die an deren Ende

angebrachte Hauptabsperrvorrichtung für die Mitarbeiter der Beklagten zu 1

nicht mehr ohne Abstimmung mit den Klägern bzw. deren Mitarbeitern zugäng-

lich. Das Haus war bereits gegen unbefugtes Betreten abgesichert. Zutritt hat-

ten nur noch die Kläger und ihre Mitarbeiter.

Am 14. April 1998 drangen ca. 600 cbm Wasser durch die Hausan-

schlußleitung in die Kellerräume des Gebäudes ein, weil zu diesem Zeitpunkt

weder der Schieber an der Abzweigstelle noch die Hauptabsperrvorrichtung im

Keller des Gebäudes geschlossen waren. Die Kläger begehren von den Be-

klagten Ersatz des ihnen hierdurch entstandenen Schadens, den sie mit

47.355,25 DM beziffert haben. Sie haben geltend gemacht, der Beklagte zu 2

als Eigentümer der noch nicht fertiggestellten Hausanschlußleitung und die

Beklagte zu 1 als dessen Betriebsführerin hätten die sie treffende Verkehrssi-

cherungspflicht verletzt, indem sie den Schieber an der Abzweigstelle der

Hausanschlußleitung vom Verteilungsnetz nicht verschlossen gehalten hätten.

Das Geschehen lasse sich nur so erklären, daß nach der Verlegung der Haus-

anschlußleitung allein der Schieber an der Abzweigstelle, nicht hingegen auch

die Hauptabsperrvorrichtung geschlossen und der Schieber später durch das

Fehlverhalten eines Dritten geöffnet worden sei. Ein unmittelbar nach dem

Wassereintritt vorgefundenes gelbes Schlauchstück am Ende der Hausan-

schlußleitung sei dort von Mitarbeitern der Beklagten angebracht worden.

Die Beklagten haben in Abrede gestellt, daß die Hauptabsperrvorrich-

tung nach Verlegung der Hausanschlußleitung offen geblieben sei und be-

hauptet, das gelbe Schlauchstück sei von den Klägern oder deren Mitarbeitern

am Leitungsende befestigt worden, um schon vor der Verbindung mit dem

Hausleitungsnetz und der Installation eines Wasserzählers aus der Leitung

Wasser entnehmen zu können.

Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Das Oberlandesgericht hat

die hiergegen gerichtete Berufung zurückgewiesen. Mit ihrer zugelassenen

Revision verfolgen die Kläger ihr Begehren weiter.

Entscheidungsgründe

I.

Das Berufungsgericht meint, die Beklagten hätten weder gegen Pflichten

im Rahmen eines vorvertraglichen Schuldverhältnisses noch gegen ihre allge-

meine Verkehrssicherungspflicht im Rahmen des § 823 Abs. 1 BGB verstoßen,

denn nach dem unstreitigen Vorbringen der Parteien sei die Hausanschlußlei-

tung bereits vor dem Wassereintritt vom 14. April 1998 verlegt worden und

dicht gewesen. Selbst wenn der Schieber an der Abzweigstelle der Hausan-

schlußleitung vom örtlichen Versorgungsnetz nach der Verlegung der Leitung

nicht geschlossen worden wäre, sei darin keine Verkehrssicherungspflichtver-

letzung zu sehen. Eine Verpflichtung, den Schieber geschlossen zu halten,

lasse sich nicht aus Teil 8 Ziff. 5 Abs. 2 der DIN 1988 herleiten, wonach u.a.

Anschlußleitungen, die nach ihrer Fertigstellung nicht sofort benutzt oder vor-

übergehend stillgelegt werden, an der Versorgungsleitung abzusperren seien.

Im vorliegenden Fall habe es einer Absperrung der Anschlußleitung an der

Versorgungsleitung nicht bedurft, weil die Anschlußleitung nicht vorübergehend

stillgelegt, sondern benutzt worden sei. Dafür genüge es, daß alle Vorausset-

zungen für die alsbaldige Installation des Wasserzählers und die ordnungsge-

mäße Wasserentnahme über das Leitungsnetz des Gebäudes geschaffen wor-

den seien. Die Kläger hätten auch nicht nachgewiesen, daß die Beklagten

nach der Verlegung der Anschlußleitung lediglich den Schieber, nicht aber die

Hauptabsperrvorrichtung geschlossen hätten und der Schieber nachträglich

durch das Fehlverhalten eines Dritten geöffnet worden sei. Vielmehr deuteten

die Umstände, insbesondere das am Ende der Hausanschlußleitung ange-

brachte gelbe Schlauchstück, eher darauf hin, daß - entsprechend dem Vor-

bringen der Beklagten - Personen, die dem Verantwortungsbereich der Kläger

zuzurechnen seien, bereits vor der Installation eines Wasserzählers und dem

Anschluß an das Hausleitungsnetz aus der Anschlußleitung Wasser entno m-

men hätten.

II.

Die Beurteilung des Berufungsgerichts hält einer rechtlichen Nachprü-

fung nicht stand.

1. Eine Haftung der Beklagten läßt sich allerdings nicht bereits, wie die

Revision meint, aus § 2 Abs. 1 Satz 1 HPflG herleiten. Wird durch die Wirkun-

gen von Flüssigkeiten, die von einer zu deren Abgabe bestimmten Rohrlei-

tungsanlage ausgehen, eine Sache beschädigt, so ist nach dieser Vorschrift

zwar der Inhaber der Anlage (verschuldensunabhängig) verpflichtet, den dar-

aus entstehenden Schaden zu ersetzen. Die Ersatzpflicht ist jedoch gemäß § 2

Abs. 3 Nr. 1 HPflG ausgeschlossen, wenn der Schaden innerhalb eines Ge-

bäudes entstanden und auf eine darin befindliche Anlage zurückzuführen ist.

Diese gesetzliche Regelung hat auch ihren guten Grund: Die Gefährdungs-

haftung des Inhabers der Versorgungsleitung soll, neben den Fällen der höhe-

ren Gewalt, immer dann nicht eintreten, wenn die Schadensursache im be-

herrschbaren Risikobereich des Geschädigten liegt (vgl. Senatsurteil vom

12. Januar 1982 - VI ZR 240/80 - NJW 1982, 991).

Im vorliegenden Fall ist der Schaden nach den tatsächlichen Feststel-

lungen des Berufungsgerichts dadurch verursacht worden, daß zum Zeitpunkt

des Schadensereignisses sowohl der Schieber an der Abzweigstelle als auch

die Hauptabsperrvorrichtung im Keller des Gebäudes offenstanden, welches

nach der Installation der Hausanschlußleitung nur noch den Klägern und den

von ihnen autorisierten Personen zugänglich war. Bei mehreren zusammenwir-

kenden Ursachen außerhalb und innerhalb des Gebäudes kommt es für den

Ausschluß der Haftung darauf an, ob die Quelle des Schadens, d.h. die eigent-

liche und entscheidende Ursache für das Entstehen des Schadens, bei der

Außen- oder bei der Innenanlage liegt (vgl. Senatsurteil vom 1. März 1966

- VI ZR 206/64 - VersR 1966, 586, 587). In solchen Fällen ist der Schaden

nicht auf die Innenanlage "zurückzuführen", wenn diese sich in ordnungsge-

mäßem Zustand befunden hat und der Schaden nur darauf beruht, daß sie

Einwirkungen (z.B. Kurzschlüssen und Überspannungen einer Stromleitung)

nicht stand zu halten vermag, die ihren Grund in dem fehlerhaften Zustand der

Außenanlage haben. Demgegenüber hat vorliegend ein fehlerhafter Zustand

der Innenanlage den Schaden gleichrangig mitverursacht. Zum Schadensein-

tritt wäre es nämlich nicht gekommen, wenn die Kläger dafür Sorge getragen

hätten, daß die sich in ihrem Risikobereich befindliche Absperrvorrichtung ge-

schlossen gewesen wäre.

2. Im Ansatz ist das Berufungsgericht zutreffend davon ausgegangen,

daß die Beklagten ihrerseits im Rahmen eines vorvertraglichen Schuldverhält-

nisses und aufgrund ihrer allgemeinen Verkehrssicherungspflicht im Sinne des

§ 823 Abs. 1 BGB dafür Sorge zu tragen hatten, daß aus der von der Beklag-

ten zu 1 verlegten Hausanschlußleitung kein Wasser in die Kellerräume des

von den Klägern errichteten Gebäudes eintrat. Denn durch die Verlegung der

Leitung war eine entsprechende Gefahrenlage begründet worden, welcher die

Beklagten entgegenzuwirken hatten.

Indessen begegnet die Beurteilung des Berufungsgerichts, die Beklag-

ten hätten dieser Verpflichtung unabhängig davon Genüge getan, ob der

Schieber an der Abzweigstelle der Hausanschlußleitung vom örtlichen Was-

serversorgungsnetz verschlossen worden war oder nicht, durchgreifenden

rechtlichen Bedenken.

a) Eine Verpflichtung zur Absperrung des Schiebers läßt sich - entgegen

der Auffassung des Berufungsgerichts - bereits aus Teil 8 Ziff. 5 Abs. 2 der DIN

1988 - Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen; Technische Regel

des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) - herleiten.

Nach dieser DIN-Norm, die den Stand der für die betroffenen Kreise geltenden

anerkannten Regeln der Technik widerspiegelt und somit zur Bestimmung des

nach der Verkehrsauffassung zur Sicherung Gebotenen in besonderer Weise

geeignet ist (vgl. Senat, BGHZ 103, 338, 341 f.), sind Anschlußleitungen, die

nach ihrer Fertigstellung nicht sofort benutzt oder vorübergehend stillgelegt

werden, an der Versorgungsleitung abzusperren.

Die Auffassung des Berufungsgerichts, im vorliegenden Fall habe es ei-

ner Absperrung der Anschlußleitung an der Versorgungsleitung nicht bedurft,

weil die Hausanschlußleitung bereits benutzt worden sei, widerspricht sowohl

dem Wortsinn als auch dem wesentlichen Zweck der Vorschrift, einer mit der

Stagnation von Trinkwasser verbundenen Verkeimungsgefahr vorzubeugen.

Diesem Zweck wird nicht - wie das Berufungsgericht meint - schon dann Genü-

ge getan, wenn seitens des Wasserversorgungsunternehmens alle Vorausset-

zungen für die alsbaldige Installation des Wasserzählers und die ordnungsge-

mäße Wasserentnahme über das Leitungsnetz des Gebäudes geschaffen wor-

den sind, sondern vielmehr erst dann, wenn nach einer - möglicherweise er-

heblich später erfolgenden - ordnungsgemäßen Verbindung der Anschlußle i-

tung mit dem Leitungsnetz des Hauses eine Entnahme von Trinkwasser tat-

sächlich erfolgt. Da dies nach den vom Berufungsgericht getroffenen Feststel-

lungen hier noch nicht der Fall war, waren die Beklagten gemäß Teil 8 Ziff. 5

Abs. 2 Satz 1 der DIN 1988 gehalten, die Hausanschlußleitung an der Versor-

gungsleitung abzusperren.

Insoweit kann letztlich dahinstehen, ob dadurch der Anschlußnehmer

auch vor Schäden der eingetretenen Art geschützt werden soll. Denn die Revi-

sion macht mit Recht geltend, daß es den Beklagten bereits aufgrund ihrer all-

gemeinen Verkehrssicherungspflicht oblag, den Schieber bis zur Verbindung

der Anschlußleitung mit dem Hausleitungsnetz geschlossen zu halten.

b) Nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung ist derjenige, der

eine Gefahrenlage schafft, grundsätzlich verpflichtet, die notwendigen und zu-

mutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer möglichst zu

verhindern (vgl. etwa BGHZ 136, 69, 77; 103, 298, 303; BGH, Urteil vom

13. Juni 1996 - III ZR 40/95 - NJW 1996, 3208; Senatsurteil vom 28. Oktober

1986 - VI ZR 254/85 - NJW 1987, 1013 m.w.N.). Die Verkehrssicherung umfaßt

danach diejenigen Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger, in ver-

nünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig und ausreichend hält, um

andere vor Schäden zu bewahren. Voraussetzung ist daher, daß sich voraus-

schauend für ein sachkundiges Urteil die naheliegende Gefahr ergibt, daß

Rechtsgüter anderer verletzt werden können

(vgl. Senatsurteil vom

19. Dezember 1989 - VI ZR 182/89 - VersR 1990, 498, 499 m.w.N.). Unter die-

ser Voraussetzung umfaßt die Verkehrssicherungspflicht prinzipiell auch sol-

che Gefährdungen, die sich aus unsachgemäßem Verhalten oder vorsätzli-

chem Eingreifen Dritter ergeben können (vgl. Senatsurteile vom 19. Dezember

1989 - VI ZR 182/89 - aaO und vom 6. März 1990 - VI ZR 246/89 - VersR 1990,

796, 797, jeweils m.w.N.).

Im vorliegenden Fall bestand, solange die Hausanschlußleitung nicht an

das Leitungsnetz des Gebäudes angeschlossen war, die Gefahr eines Was-

seraustritts aus dem im Keller befindlichen Leitungsende. Um dieser Gefahr

vorzubeugen, war eine doppelte Absicherung vorhanden: der Schieber an der

Abzweigstelle und die Hauptabsperrvorrichtung im Keller des Gebäudes. Bei

dieser Sachlage gehörte es zu den Verkehrssicherungspflichten der Beklagten,

die in ihrem Einwirkungsbereich liegende Absicherungsmöglichkeit wahrzu-

nehmen und den Schieber geschlossen zu halten, damit auch in dem vom Be-

rufungsgericht unterstellten Fall, daß die ihr nicht mehr ohne weiteres zugäng-

liche Hauptabsperrvorrichtung im Keller des Hauses geöffnet wurde, kein Was-

ser austreten konnte. Dies gilt um so mehr, als das Berufungsgericht selbst die

Möglichkeit, daß sich Personen aus dem Verantwortungsbereich der Kläger,

insbesondere Bauarbeiter, zu einer (unbefugten) Wasserentnahme veranlaßt

sehen konnten, im vorliegenden Fall als naheliegend angesehen hat.

c) Da den Beklagten bereits die vom Berufungsgericht festgestellte Tat-

sache, daß der Schieber an der Abzweigstelle zum Zeitpunkt des Schadenser-

eignisses offen stand, als Verstoß gegen ihre Verkehrssicherungspflicht ange-

lastet werden kann, könnte die Tatsache, daß die im Bereich der Kläger gele-

gene Hauptabsperrvorrichtung ebenfalls geöffnet war, lediglich im Rahmen ei-

nes Mitverschuldens der Kläger an der Entstehung des Schadens gemäß § 254

BGB Bedeutung gewinnen. Den Geschädigten trifft nämlich grundsätzlich ein

Mitverschulden, wenn er diejenige Sorgfalt außer Acht läßt, die jedem verstä n-

digen und ordentlichen Menschen obliegt, um sich selbst vor Schaden zu be-

wahren (vgl. etwa Senatsurteil vom 17. Oktober 2000 - VI ZR 313/99 - VersR

2001, 76). Nach diesen Grundsätzen waren die Kläger im Rahmen des Mögli-

chen und Zumutbaren gehalten, sich nach der Installation der Hausanschluß-

leitung davon zu überzeugen, daß die Hauptabsperrvorrichtung im Keller des

von ihnen errichteten Gebäudes geschlossen war, und dafür Sorge zu tragen,

daß sie es bis zu einer ordnungsgemäßen Verbindung mit dem Wasserle i-

tungssystem des Hauses auch blieb.

d) Soweit das Berufungsgericht darüber hinausgehende Erwägungen

zum Hergang des Schadensereignisses anstellt, sind diese ebenfalls nicht un-

bedenklich. Das Berufungsgericht gründet die von ihm als naheliegend be-

zeichnete Annahme einer unbefugten Wasserentnahme aus einer zunächst

regelmäßig geschlossenen Hauptabsperrvorrichtung durch Personen aus dem

Verantwortungsbereich der Kläger, insbesondere durch Bauarbeiter, im we-

sentlichen auf das am Leitungsende angebrachte gelbe Schlauchstück. Die

Revision rügt jedoch mit Recht, daß das Berufungsgericht in diesem Zusam-

menhang Sachvortrag der Kläger übergangen hat. Diese haben nämlich unter

Bezugnahme auf das Lehr- und Handbuch Wasserversorgung des DVGW

(Bd. 2 Ziff. 8.8.1 bis 8.8.3) sowie das DVGW-Regelwerk (Technische Mitteilung

Merkblatt W 404 Ziff. 8.2) vorgetragen, nach Herstellung der Anschlußleitung

müsse diese gespült werden, bevor sie für den Einbau des Wasserzählers frei-

gegeben werden dürfe, wozu möglicherweise das gelbe Schlauchstück gedient

habe; in Verbindung mit Teil 8 Ziff. 5 Abs. 2 der DIN 1988 liege es deshalb

auch nicht fern, die Spülung durch Schließen des Schiebers zu beenden und

die Anschlußleitung anschließend leerlaufen zu lassen, wobei die Haupta b-

sperrvorrichtung offengeblieben sein könne. Bei dieser Sachlage wäre

- entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts - kein Raum für die Annah-

me eines Anscheinsbeweises, daß das Hauptabsperrventil nach der Verlegung

der Hausanschlußleitung geschlossen wird, sofern noch keine Verbindung zum

Leitungsnetz des Hauses besteht (vgl. Senatsurteil vom 12. Januar 1982

- VI ZR 240/80 - VersR 1982, 368). Das Berufungsgericht wird bei seiner er-

neuten Verhandlung Gelegenheit haben, auf den Sachvortrag der Parteien in

diesem Zusammenhang einzugehen.

Dr. Müller

Dr. Dressler

Wellner

Diederichsen

Stöhr