BGH Beschluß vom 29.07.2003 – VIII ZB 23/03
VIII. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
29. Juli 2003
in dem Rechtsstreit
Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 29. Juli 2003 durch die Vor-
sitzende Richterin Dr. Deppert und die Richter Dr. Hübsch, Dr. Beyer, Wiechers
und Dr. Wolst
beschlossen:
Auf die Rechtsbeschwerde des Klägers wird der Beschluß des
Landgerichts München I (Einzelrichter) vom 10. Februar 2003 auf-
gehoben.
Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten
des Beschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht (Einzel-
richter) zurückverwiesen.
Gerichtskosten für das Rechtsbeschwerdeverfahren werden nicht
erhoben.
Beschwerdewert: 2.255
Gründe
I.
Der Kläger hat im vorliegenden Verfahren den Beklagten als Nachlaß-
pfleger für die unbekannten Erben des am 25. Oktober 2001 verstorbenen
Dr. H. T. auf Zahlung von Renovierungskosten und restlicher Miete
(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:5)(cid:1)(cid:7)(cid:6)(cid:9)(cid:8)(cid:11)(cid:10)(cid:13)(cid:12)(cid:7)(cid:14)(cid:9)(cid:15)(cid:17)(cid:16)(cid:11)(cid:18)(cid:19)(cid:1)(cid:7)(cid:20)(cid:19)(cid:21)(cid:22)(cid:21)(cid:23)(cid:18)(cid:19)(cid:1)(cid:25)(cid:24)(cid:27)(cid:26)(cid:29)(cid:28)(cid:30)(cid:14)(cid:9)(cid:15)(cid:7)(cid:31) (cid:18)!(cid:21)"(cid:31)(cid:30)(cid:18)(cid:19)(cid:10)$#%(cid:18)(cid:19)&(’)(cid:28)(cid:30)(cid:16)(cid:9)*+(cid:18),(cid:31)(cid:30)(cid:18)(cid:19)(cid:1)
in Höhe von 6.043,67
Anspruch in Höhe von 2.705,15
Kläger die Hauptsache
(cid:28)(cid:19)(cid:1)((cid:18)(cid:19)(cid:10)(cid:13)&-(cid:28)(cid:19)(cid:1)(cid:30)(cid:1).*/(cid:12)(cid:30)(cid:1)(cid:7)(cid:31),(cid:31) (cid:18)(cid:19)(cid:10)
insoweit für erledigt erklärt hatte, schlossen die Parteien vor dem Amtsgericht
im Termin vom 19. Dezember 2002 einen Vergleich, nach welchem der Be-
(cid:28) (cid:15)(cid:25)’
(cid:18)(cid:19)(cid:1)1(cid:6).(cid:20)(cid:19)’2’
*3(cid:18)4(cid:12) (cid:1)(cid:7)(cid:31)5(cid:31)(cid:19)(cid:0))(cid:18)
klagte an den Kläger einen weiteren Betrag von 594,85
Entscheidung über die Kosten dem Gericht übertragen wurde. Durch Beschluß
gemäß § 91a ZPO vom 27. Januar 2003 hat das Amtsgericht die Kosten des
Rechtsstreits dem Kläger zu 9/10 und dem Beklagten zu 1/10 auferlegt.
Die hiergegen eingelegte sofortige Beschwerde des Klägers hat das
Landgericht durch Beschluß des Einzelrichters vom 10. Februar 2003 zurück-
gewiesen und die Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof zugelassen. Mit
dieser begehrt der Kläger, unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses
bei der Kostenquotelung auch den vom Beklagten anerkannten Hauptsachebe-
(cid:12)6(cid:31)(cid:30)(cid:18)(cid:30)(cid:6).(cid:6).(cid:18)7(cid:1)8(cid:26)9(cid:28)(cid:30)(cid:14):(cid:15)(*3(cid:18)(cid:19)(cid:0)(cid:2)’
(cid:12)<;((cid:18)(cid:19)(cid:10)(cid:13)=(cid:7)(cid:14)(cid:9)&-(cid:6)((cid:0))(cid:14)(cid:9)(cid:15)(*>(cid:0)
(cid:16)(cid:11)(cid:18)(cid:19)(cid:1)(cid:19)(cid:24)
trag von 2.705,15
II.
Das Beschwerdegericht (Einzelrichter) hat ausgeführt, die zulässige so-
fortige Beschwerde sei unbegründet. Das Amtsgericht habe den Kläger auch
die gesamten Kosten tragen lassen können, weil die falsche Partei verklagt
worden sei. Der Nachlaßpfleger sei nur gesetzlicher Vertreter, es liege keine
gesetzliche Prozeßstandschaft vor. Den Ausführungen des Amtsgerichts zum
sofortigen Anerkenntnis sei zu folgen; der Beklagtenvertreter habe vorprozes-
sual nachvollziehbar den Grund für die Verzögerung dargelegt.
0 0 0
III.
Die Rechtsbeschwerde führt zur Aufhebung der angefochtenen Ent-
scheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht
(Einzelrichter).
1. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 3 ZPO
statthaft. Ihre Zulassung, die in dem angefochtenen Beschluß nicht begründet
worden ist, ist nicht deshalb unwirksam, weil der Einzelrichter entgegen § 568
Satz 2 Nr. 2 ZPO anstelle des Kollegiums entschieden und damit gegen das
Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ver-
stoßen hat (BGH, Beschluß vom 13. März 2003 - IX ZB 134/02 unter III 1, zur
Veröffentlichung in BGHZ bestimmt; Senatsbeschlüsse vom 29. April 2003
- VIII ZB 96/02 und vom 6. Mai 2003 - VIII ZB 43/02 und VIII ZB 128/02).
2. Die angefochtene Einzelrichterentscheidung unterliegt jedoch der Auf-
hebung, weil sie unter Verletzung des Verfassungsgebots des gesetzlichen
Richters ergangen ist. Der Einzelrichter durfte nicht selbst entscheiden, sondern
hätte das Verfahren wegen der von ihm ersichtlich bejahten grundsätzlichen
Bedeutung der Rechtssache gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Rich-
tern besetzten Kammer übertragen müssen. Der Einzelrichter verfügt bei
Rechtssachen, denen er grundsätzliche Bedeutung beimißt, über kein Hand-
lungsermessen. Mit seiner Entscheidung hat er, wie der Kläger zu Recht rügt,
im übrigen aber auch von Amts wegen zu berücksichtigen wäre, die Sache dem
Kollegium als dem gesetzlichen Richter entzogen (BGH, Beschluß vom
13. März 2003 aaO; Senatsbeschlüsse vom 29. April 2003 und 6. Mai 2003
aaO; BGH, Beschluß vom 10. April 2003 - VII ZB 17/02, zur Veröffentlichung
bestimmt).
IV.
Die Sache war daher unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses
an den Einzelrichter zurückzuverweisen, der unter Berücksichtigung der
Rechtsbeschwerdebegründung des Klägers zu prüfen haben wird, ob er der
Rechtssache weiterhin grundsätzliche Bedeutung gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2
ZPO beimißt und deshalb das Verfahren der Kammer zu übertragen hat.
Wegen der durch die Rechtsbeschwerde angefallenen Gerichtskosten
macht der Senat von der Möglichkeit des § 8 GKG Gebrauch.
Dr. Deppert
Dr. Hübsch
Dr. Beyer
Wiechers
Dr. Wolst