BGH Beschluss vom 16.11.2006 – IX ZR 206/03
IX. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
16. November 2006
in dem Rechtsstreit
Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter
Dr. Gero Fischer und die Richter Dr. Ganter, Raebel, Vill und Dr. Detlev Fischer
am 16. November 2006
beschlossen:
Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem
Urteil des 8. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom
5. August 2003 wird auf Kosten der Klägerin zurückgewiesen.
Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens wird auf
42.909,73 € festgesetzt.
Gründe
Die Nichtzulassungsbeschwerde ist statthaft und auch im Übrigen zuläs-
sig (§ 544 ZPO). Sie ist jedoch unbegründet. Weder hat die Rechtssache
grundsätzliche Bedeutung (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO), noch erfordert die
Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung
eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 ZPO).
Auf den vorliegenden Fall ist gemäß Art. 66 Abs. 1, Art. 76 der Verord-
nung (EG) Nr. 44/2001 des Rates über die gerichtliche Zuständigkeit und die
Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssa-
chen vom 22. Dezember 2000 (ABl EG Nr. L 12 vom 16. Januar 2001, fortan:
EuGVVO) noch das Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die
Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen vom
27. September 1968 (BGBl. II 1972, 774 in der Fassung des 4. Beitrittsüberein-
kommens
vom 29. November 1996, BGBl. II 1998, 1412,
fortan:
EuGVÜ) anzuwenden. Dahin stehen kann dabei, ob die Rechtshängigkeit ent-
sprechend Art. 30 EuGVVO oder nach § 696 ZPO zu beurteilen ist (vgl. BGH,
Urt. v. 30. März 2006 - VII ZR 249/04, ZIP 2006, 1013, 1014, z.V.b. in BGHZ
167, 83); denn die Klage galt nach § 696 ZPO grundsätzlich mit dem Eingang
der Akten beim Landgericht (vgl. BGH, Urt. v. 16. Oktober 2003 - IX ZR 167/02,
WM 2004, 472, 474; BayObLG NJW-RR 1995, 635, 636; ZIP 2003, 1863, 1864;
Thomas/Putzo/Hüßtege, ZPO 27. Aufl. § 696 Rn. 7; a.A. Musielak/Voit, ZPO
4. Aufl. § 696 Rn. 4) am 18. August 2000 als erhoben. Soweit dem hier der feh-
lende Abgabeantrag der Klägerin entgegenstand, war Rechtshängigkeit spätes-
tens mit dem Eingang der genehmigenden Anspruchsbegründung beim LG
Karlsruhe am 28. Februar 2002 bewirkt worden.
Unbeschadet der Frage, ob auch bei etwaiger Nichtigkeit des Vertrages
gemäß § 134 BGB, Art. 1 § 1 Abs. 1 Satz 1 RBerG Ansprüche aus ungerecht-
fertigter Bereicherung im Gerichtsstand des Art. 5 Nr. 1 EuGVÜ geltend ge-
macht werden können, ergibt sich hieraus jedenfalls keine internationale Zu-
ständigkeit deutscher Gerichte für den Zahlungsanspruch der Klägerin. Nach
dem dann gemäß den Kollisionsnormen des mit dem Rechtsstreit befassten
Gerichts (EuGH NJW 1977, 491; 2000, 719) anzuwendenden materiellen deut-
schen Privatrecht (Art. 28 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 EGBGB) besteht in der Regel
- und so auch hier - selbst für Gebührenforderungen aus einem wirksamen, auf
eine Dienstleistung gerichteten Geschäftsbesorgungsvertrag kein Gerichtsstand
des Erfüllungsorts am Kanzleisitz (BGHZ 157, 20, 24 f, 27; BGH, Urt. v. 4. März
2004 - IX ZR 101/03, WM 2004, 2038, 2039).
Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2
Halbs. 2 ZPO abgesehen.
Dr. Gero Fischer
Dr. Ganter
Raebel
Vill
Dr. Detlev Fischer
Vorinstanzen: LG Karlsruhe, Entscheidung vom 18.09.2002 - 13 O 75/02 KfH I - OLG Karlsruhe, Entscheidung vom 05.08.2003 - 8 U 203/02 -