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BGH Beschluss vom 08.01.2008 – X ZB 26/07
X. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
8. Januar 2008
in dem Rechtsstreit
Der X. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 8. Januar 2008 durch
den Vorsitzenden Richter Dr. Melullis und die Richter Scharen, Keukenschrijver,
Prof. Dr. Meier-Beck und Gröning
beschlossen:
Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 1. Zivilkammer
des Landgerichts Frankfurt am Main vom 20. Juni 2007 wird auf
Kosten des Klägers verworfen.
Gründe:
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I. Der Kläger hat im November 2006 vor dem Amtsgericht F.
Zahlungsklage gegen die Beklagte erhoben, wobei er diese im Rubrum
seiner Klageschrift wie folgt bezeichnet hat:
C. Ltd., diese
vertreten durch die Direktion
Deutschland, diese vertreten durch die Geschäftsführung,
in F. .
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Nach Abweisung seiner Klage hat der Kläger Berufung zum Landgericht
F. eingelegt. Daraufhin hat die Beklagte geltend gemacht, ihren
allgemeinen Gerichtsstand im Zeitpunkt der Rechtshängigkeit in erster Instanz
außerhalb des Geltungsbereichs des Gerichtsverfassungsgesetzes, nämlich in
N. /Z. gehabt zu haben. Sie sei in Deutschland mit einer Niederlas-
sung vertreten, die keine eigene juristische Persönlichkeit habe.
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Das Landgericht F. hat die Berufung als unzulässig ver-
worfen, weil es nach § 119 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b GVG funktionell unzuständig
sei. Die Beklagte habe im Zeitpunkt der Rechtshängigkeit ihren Sitz außerhalb
Deutschlands
in N. gehabt.
Im Gewerberegister der Stadt F.
sei nur eine Hauptniederlassung mit einer Betriebsstätte eingetragen. Das
sei für die Anwendbarkeit von § 119 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b GVG jedoch uner-
heblich.
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Mit seiner Rechtsbeschwerde wendet sich der Kläger gegen diese Ent-
scheidung.
II. Die nach § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO eröffnete Rechtsbeschwerde ist
nicht zulässig, weil keiner der nach § 574 Abs. 2 ZPO hierfür erforderlichen Zu-
lassungsgründe gegeben ist.
1. Zu Unrecht beruft sich der Kläger auf höchstrichterliche Rechtspre-
chung, wonach der im Verfahren vor einem Amtsgericht unangegriffen geblie-
bene allgemeine Gerichtsstand einer Partei bei Beantwortung der Frage zu-
grunde zu legen ist, ob die Berufung beim Landgericht einzulegen ist. Denn der
Senat hat bereits entschieden, dass sich danach eine Rechtsmittelzuständigkeit
des Landgerichts nur ergibt, wenn vor dem Amtsgericht behauptet worden ist,
die betreffende Partei habe ihren Wohnsitz bzw. ihren Sitz im Inland, und wenn
ferner der Einlassung des Gegners vor dem Amtsgericht entnommen werden
kann, nicht bestreiten zu wollen, dass ein Wohnsitz bzw. Sitz im Inland bestehe
und deshalb die betreffende Partei ihren allgemeinen Gerichtsstand im Inland
habe (Sen.Beschl. v. 19.9.2006 - X ZB 31/05, JurBüro 2007, 55). Hieran hält
der Senat fest. Die Rechtssache hat danach keine rechtsgrundsätzliche Bedeu-
tung und auch zur Fortbildung des Rechts ist eine Entscheidung des Senats
nicht erforderlich.
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2. Im Streitfall fehlt es an den unter II 1 erwähnten, die Anwendung des
§ 119 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b GVG hindernden Erfordernissen. Dem schriftsätz-
lichen Vorbringen des Klägers vor dem Amtsgericht können Angaben zu dem
einen allgemeinen Gerichtsstand begründenden Sitz der Beklagten allenfalls in
Bezug auf deren Bezeichnung im Rubrum entnommen werden. Diese Bezeich-
nung ist insoweit jedoch jedenfalls nicht eindeutig. Denn der Zusatz, dass die
Beklagte durch "die Direktion Deutschland" vertreten werde, kann durchaus da-
hin verstanden werden, dass die ferner angegebene Anschrift in F.
nur diejenige einer Niederlassung der Beklagten in Deutschland ist.
Unter diesen Umständen kann auch der Einlassung der Beklagten vor dem
Amtsgericht nichts zu der Frage des Sitzes der Beklagten entnommen werden,
insbesondere nicht, dass nicht bestritten werde, dass die Beklagte ihren Sitz in
F. habe. Daran ändert auch nichts, dass der Prozessbevoll-
mächtigte der Beklagten zu den Akten des Amtsgerichts ein vorprozessuales
Schreiben gereicht hat, in dem er sich als Vertreter von "C. in
F. " bezeichnet hat. Denn auch dies weist nicht eindeutig auf einen
Sitz der Beklagten
in Deutschland hin, sondern
lässt vielmehr auch
- wiederum - die Deutung zu, der Rechtsanwalt trete für eine Niederlassung der
Beklagten an diesem Ort in Deutschland auf. Es kann deshalb auch nicht davon
ausgegangen werden, der Kläger habe sich die Behauptung eines Sitzes der
Beklagten in Deutschland durch diese selbst zu eigen gemacht, so dass jeden-
falls deshalb vor dem Amtsgericht unstreitig gewesen sei, dass die Beklagte im
Zeitpunkt der Rechtshängigkeit in erster Instanz ihren allgemeinen Gerichts-
stand in Deutschland gehabt habe.
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Das Landgericht hat die Zuständigkeitsfrage mithin richtig entschieden.
Denn der Kläger hat die funktionelle Zuständigkeit des angerufenen Landge-
richts nicht dargelegt, weil er nicht widerlegt hat, dass die Beklagte ihren Sitz in
N. /Z. und ihren allgemeinen Gerichtsstand nicht in Deutschland hat,
was gemäß § 119 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b GVG die Zuständigkeit des Oberlan-
desgerichts für eine Berufung des Klägers gegen das angefochtene Urteil des
Amtsgerichts zur Folge hatte. Damit bildet auch die Sicherung einer einheitli-
chen Rechtsprechung keinen Grund für die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde.
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3. Die Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.
Melullis
Scharen
Keukenschrijver
Meier-Beck
Gröning
Vorinstanzen:
AG Frankfurt am Main, Entscheidung vom 09.03.2007 - 30 C 3643/06-68 -
LG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 20.06.2007 - 2/1 S 131/07 -