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BGH Urteil vom 30.10.2009 – V ZR 42/09

V. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

Verkündet am: 30. Oktober 2009 Langendörfer-Kunz Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. Oktober 2009 durch den

Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Krüger, die Richter Dr. Lemke, Dr. Schmidt-

Räntsch, die Richterin Dr. Stresemann und den Richter Dr. Czub

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil der 16. Zivilkammer

des Landgerichts Frankfurt am Main vom 11. Februar 2009 aufge-

hoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch

über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsge-

richt zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

1

Die Beklagte erhielt von ihren - inzwischen verstorbenen und von ihr und

ihrem Bruder beerbten - Eltern im Jahr 1977 das Eigentum an dem Grundstück

mit der jetzigen Flurstücksnummer 16/1 (Gemarkung S.

) übertragen. Mit notariell beurkundetem Kaufvertrag vom 9. Februar 1978

verkauften die Eltern das benachbarte Grundstück mit der jetzigen Flurstücks-

nummer 11/1 (Gemarkung S. ) an P. B. . In § 4

heißt es:

"Wegerecht

In der privatschriftlichen Vereinbarung vom 8. April 1973 haben die Verkäufer dem Käufer in Ziff. 3 dieser Vereinbarung ein Wege- recht zu seiner Parzelle 148/11 eingeräumt. Sie erklären sich dar- über hinaus mit einer Grundbucheintragung dieses Wegerechtes in einer Breite von ca. 1,5 m einverstanden. Sie erklären aus- drücklich ihre Verpflichtung, dem Käufer dieses Wegerecht einzu- räumen und auch dessen Eintragung zu bewilligen. ..."

3

P. B. wurde als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen.

Die Eintragung des Wegerechts erfolgte nicht; P. B. machte von dem

Wegerecht keinen Gebrauch.

Mit notariell beurkundetem Vertrag vom 10. Mai 2006 verkaufte P.

B. das Grundstück an die Klägerin. In einer notariell beurkundeten "Ver-

tragsergänzung" vom 24. Juli 2007 trat er sämtliche Rechte und Pflichten aus

der in § 4 des Kaufvertrags vom 9. Februar 1978 getroffenen Vereinbarung an

die Klägerin ab, die die Abtretung annahm.

4

Die Klägerin hat von der Beklagten die Bewilligung eines Wegerechts

und dessen Eintragung als Grunddienstbarkeit zugunsten des Grundstücks mit

der Flurstücksnummer 11/1 und zu Lasten des Grundstücks mit der Flurstücks-

nummer 16/1 in das Grundbuch verlangt. Die Klage ist in den Vorinstanzen er-

folglos geblieben. Mit der in dem Berufungsurteil zugelassenen Revision ver-

folgt die Klägerin sie weiter. Die Beklagte beantragt die Zurückweisung des

Rechtsmittels.

Entscheidungsgründe

I.

5

Nach Ansicht des Berufungsgerichts scheidet ein Grundbuchberichti-

gungsanspruch der Klägerin aus, weil der Inhalt des Grundbuchs mit der wirkli-

chen Rechtslage übereinstimme und ein - eventueller - schuldrechtlicher An-

spruch auf Änderung der im Grundbuch dargestellten Rechtslage keinen Be-

richtigungsanspruch begründe. Ein Anspruch auf Abgabe der "dinglichen" Be-

willigung des Wegerechts und der Eintragungsbewilligung nach § 19 GBO aus

der Abtretungsvereinbarung vom 24. Juli 2007 steht der Klägerin nach Auffas-

sung des Berufungsgerichts ebenfalls nicht zu. Falls die Eltern der Beklagten

sich bereits im Jahr 1973 zur Einräumung eines Wegerechts für P. B.

verpflichtet hätten, wäre die Verpflichtung nach den Regeln des nachträglichen

Unvermögens untergegangen, weil die Eltern nicht mehr Eigentümer des zu

belastenden Grundstücks gewesen seien. Der in § 4 des Kaufvertrags vom

9. Februar 1978 vereinbarte Anspruch des P. B. gegen die Eltern der

Beklagten auf Einräumung und dingliche Sicherung des Wegerechts sei weder

mit dem Kaufvertrag vom 10. Mai 2006 noch mit der Abtretungsvereinbarung

vom 24. Juli 2007 auf die Klägerin übergegangen. Denn das seinerzeit zwi-

schen den Eltern und P. B. begründete und auf die Beklagte als Miter-

bin übergegangene Schuldverhältnis stelle sich seiner Gesamtheit nach als Ge-

füge von Rechten, Rechtslagen und Pflichten dar; es bestehe die Besonderheit,

dass die durch ein schuldrechtliches Verpflichtungsgeschäft begründete Grund-

dienstbarkeit für den Berechtigten und den Verpflichteten einem Dauerschuld-

verhältnis vergleichbare Rechte und Pflichten begründe, da mit der Rechtsbe-

stellung ein gesetzliches Schuldverhältnis zwischen dem Eigentümer und dem

Eigentümer des dienenden Grundstücks entstehe, welches nach den §§ 1020

bis 1023 BGB Schonungs- und Erhaltungspflichten als die Grunddienstbarkeit

begleitende Nebenpflichten begründe. Deshalb könne der Eintritt einer neuen

Partei regelmäßig nur im Wege der Vertragsübernahme bzw. des Vertragsbei-

tritts erfolgen, welche beide entweder die Zustimmung oder die rechtsgeschäft-

liche Einbeziehung der verbleibenden Altpartei erforderten. Somit gehe es der

Sache nach um den Eintritt bzw. den Anspruch auf Begründung eines Dauer-

schuldverhältnisses, so dass es sich nicht lediglich um die Überlassung einer

isolierten einzelnen Verpflichtung unter Bestand der Schuldrechtsbeziehung zur

Altpartei im Übrigen, sondern um die Fortsetzung des ursprünglich zwischen

den Altparteien bestehenden schuldrechtlichen Vertrags in der Gesamtheit sei-

ner Rechte und Pflichten zwischen der eintretenden Partei - hier der Klägerin -

einerseits und der einen Altpartei - hier der Beklagten - andererseits, verbunden

mit dem Ausscheiden der anderen Altpartei - hier des P. B. - aus

dem Schuldverhältnis handele. Dies hätten P. B. und die Klägerin bei

dem Abschluss der Abtretungsvereinbarung dem Ansatz nach zutreffend er-

kannt; dementsprechend habe P. B. alle Rechte und Pflichten aus

§ 4 des Kaufvertrags vom 9. Februar 1978 an die Klägerin abgetreten. Eine

wirksame Vertragsübernahme habe jedoch nur unter Einbeziehung der Beklag-

ten oder mit ihrer Zustimmung erfolgen können. Daran fehle es. Ginge man da-

von aus, dass der schuldrechtliche Anspruch des P. B. auf Einräu-

mung des Wegerechts doch auf die Klägerin übergegangen sei, sei dieser An-

spruch jedoch infolge Zeitablaufs verwirkt.

Das hält der rechtlichen Nachprüfung nicht stand.

II.

1. Die Revision ist aufgrund der Zulassung in dem Berufungsurteil statt-

haft (§§ 542 Abs. 1, 543 Abs. 1 Nr. 1 ZPO). Der Senat ist an die Zulassung ge-

9

bunden (§ 543 Abs. 2 Satz 2 ZPO), obwohl das Berufungsgericht keinen Zulas-

sungsgrund (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO) genannt und seine Zulassungsentschei-

dung nicht begründet, sondern nur die Zulassung ausgesprochen und in diesem

Zusammenhang die die Statthaftigkeit der Revision betreffende Vorschrift des

§ 543 Abs. 1 Nr. 1 ZPO angeführt hat.

2. In der Sache hat die Revision Erfolg. Das Berufungsurteil beruht auf

mehrfachen Gesetzesverletzungen und erweist sich auch nicht im Ergebnis aus

anderen Gründen als richtig (§ 561 ZPO).

a) Zu Recht - und von der Revision nicht angegriffen - hat das Beru-

fungsgericht einen - von vornherein allerdings nicht in Betracht kommenden -

Grundbuchberichtigungsanspruch nach § 894 BGB verneint. Das Grundbuch ist

nicht unrichtig, weil das Wegerecht mangels Eintragung nicht entstanden ist.

Ein schuldrechtlicher Anspruch auf Änderung der in dem Grundbuch dargestell-

ten Rechtslage, wie er nach Ansicht der Klägerin besteht, begründet den Be-

richtigungsanspruch nicht. Denn dieser bezweckt die Auflösung des Wider-

spruchs zwischen dem Inhalt des Grundbuchs und der wirklichen Rechtslage

durch Herstellung eines dem materiellen Recht entsprechenden Grund-

buchstands und nicht die Herbeiführung eines materiellen Rechtsgeschäfts, mit

dem die Änderung der dinglichen Rechtslage bezweckt wird (Senat, Urt. v.

21. Oktober 2005, V ZR 63/05, BGHReport 2006, 147).

10

b) Ohne dass es für die Entscheidung des Rechtsstreits darauf ankommt,

weil die Klägerin die Eintragung einer Dienstbarkeit verlangt, hat das Beru-

fungsgericht - zutreffend - einen Anspruch der Klägerin auf Duldung eines Not-

wegs über das Grundstück der Beklagten verneint, weil ihrem Grundstück nicht

die Verbindung mit einem öffentlichen Weg fehlt (§ 917 Abs. 1 Satz 1 BGB).

11

c) Rechtsfehlerhaft hat das Berufungsgericht den Untergang der eventu-

ell im Jahr 1973 begründeten Verpflichtung zur Bestellung einer Dienstbarkeit

wegen nachträglichen Unvermögens der Eltern der Beklagten angenommen.

Die Übertragung des Eigentums an dem Grundstück mit der jetzigen Flurstück-

nummer 16/1 auf die Beklagte führte nicht dazu, dass ihren Eltern die Erfüllung

der - gegebenenfalls - im Jahr 1973 begründeten Verpflichtung unmöglich wur-

de mit der Folge, dass sie von der Leistung frei wurden und P. B.

einen Schadensersatzanspruch hatte (§§ 275, 280 BGB a.F.). Denn es ist nicht

festgestellt, dass ihnen die Beseitigung des Leistungshindernisses durch den

Rückerwerb des Grundstücks oder die Herbeiführung der Zustimmung der Be-

klagten zu der Dienstbarkeitsbestellung nicht möglich war (vgl. Senat, Urt. v.

20. Dezember 1996, V ZR 277/95, NJW 1997, 938, 939; BGH, Urt. v. 12. März

2003, XII ZA 18/00, NJW 2003, 2158, 2160). Deshalb fehlt auch der weiteren

Annahme des Berufungsgerichts, die Erfüllung der in § 4 des Kaufvertrags vom

9. Februar 1978 sei den Eltern der Beklagten von Anfang an unmöglich gewe-

sen, die rechtliche Grundlage.

12

d) Zu Unrecht hat das Berufungsgericht die wirksame Abtretung eines

schuldrechtlichen Anspruchs von P. B. gegen die Beklagte auf Bewil-

ligung des Wegerechts mit der Erwägung verneint, das seinerzeit zwischen den

Eltern der Beklagten und P. B. begründete Schuldverhältnis stelle

sich seiner Gesamtheit nach als Gefüge von Rechten, Rechtslagen und Pflich-

ten mit der Besonderheit dar, dass die durch ein schuldrechtliches Verpflich-

tungsgeschäft begründete Grunddienstbarkeit für den Berechtigten und den

Verpflichteten einem Dauerschuldverhältnis vergleichbare Rechte und Pflichten

begründe, so dass der wirksame Eintritt einer neuen Partei regelmäßig nur im

Wege der Vertragsübernahme oder des Vertragsbeitritts erfolgen könne. Dies

ist in zweifacher Hinsicht rechtsfehlerhaft.

13

aa) Zum einen hat das Berufungsgericht hier verkannt, was es zuvor zu-

treffend bejaht hat, dass nämlich eine Grunddienstbarkeit bisher nicht entstan-

den ist. Nicht ein schuldrechtliches Verpflichtungsgeschäft begründet die

Dienstbarkeit, sondern die dingliche Einigung zwischen dem Berechtigten und

dem Verpflichteten sowie die Eintragung des Rechts in das Grundbuch (§ 873

Abs. 1 BGB). Fehlt es daran, kann auch kein gesetzliches Schuldverhältnis zwi-

schen zwei Grundstückseigentümern bestehen, welches durch eine Grund-

dienstbarkeit begründet wird (dazu Senat, BGHZ 95, 144, 146 ff.; 106, 348,

350). Somit fehlt es ebenfalls an dem von dem Berufungsgericht angenomme-

nen Dauerschuldverhältnis zwischen P. B. und den Eltern der Be-

klagten bzw. der Beklagten selbst.

14

bb) Zum anderen rügt die Revision mit Erfolg, dass das Berufungsgericht

das zwischen dem Berechtigten und dem Verpflichteten einer Grunddienstbar-

keit bestehende Schuldverhältnis im Hinblick auf die Übertragbarkeit der Rechte

des Berechtigten einem Miet-, Pacht- oder Gesellschaftsverhältnis gleichgestellt

hat mit der Folge, dass eine Übertragung ohne Mitwirkung des Verpflichteten

unwirksam ist. Das verkennt den Anwendungsbereich von § 399 Alt. 1 BGB.

Nach dieser Vorschrift kann eine Forderung nicht abgetreten werden, wenn die

Leistung an einen anderen als den ursprünglichen Gläubiger nicht ohne Verän-

derung ihres Inhalts erbracht werden kann. Eine Inhaltsänderung wird u.a. dann

angenommen, wenn ein Gläubigerwechsel das besonders schutzwürdige Inter-

esse des Schuldners an der Beibehaltung einer bestimmten Gläubigerperson

beeinträchtigt (BGHZ 96, 146, 149). Ein solches Interesse besteht bei dem An-

spruch des Mieters auf Überlassung des Gebrauchs der Mietsache, weil es für

den Vermieter von besonderer Bedeutung ist, wem er den Gebrauch überlas-

sen muss (BGH, Urt. v. 2. Juli 2003, XII ZR 34/02, NJW 2003, 2987); Ver-

gleichbares gilt für die Sonderrechtsnachfolge in Gesellschaftsanteile (Bamber-

ger/Roth/Rohe, BGB, 2. Aufl., § 399 Rdn. 5). Diese Erwägungen treffen auf das

zwischen dem Eigentümer des herrschenden und dem Eigentümer des dienen-

den Grundstücks neben der Grunddienstbarkeit bestehende gesetzliche

Schuldverhältnis nicht zu. Denn die Grunddienstbarkeit steht von vornherein

nicht einer bestimmten Person zu, sondern dem jeweiligen Eigentümer des

herrschenden Grundstücks (§ 1018 BGB). Damit ist ein Gläubigerwechsel

gleichsam vorprogrammiert. Ein besonderes Interesse des Eigentümers des

dienenden Grundstücks (Schuldner) an der Beibehaltung des ursprünglichen

Berechtigten der Grunddienstbarkeit ist deshalb nicht zu erkennen, zumindest

aber nicht schutzwürdig.

15

e) Rechtlich nicht haltbar sind die Erwägungen, mit denen das Beru-

fungsgericht das Erfordernis der rechtsgeschäftlichen Einbeziehung der Beklag-

ten in eine Vertragsübernahme oder der Zustimmung zu einer Vertragsüber-

nahme zwischen P. B. und der Klägerin "unter Beachtung der in

§§ 414, 415 BGB anerkannten Interessen der Gegenpartei" begründet hat.

16

aa) Falls es mit seiner Formulierung "Fortsetzung des ursprünglich zwi-

schen den Altparteien bestehenden schuldrechtlichen Vertrages" die Fortset-

zung des Kaufvertrags vom 9. Februar 1978 zwischen der Klägerin anstelle von

P. B. und der Beklagten als Miterbin ihrer Eltern gemeint hat, rügt die

Revision erfolgreich die Auslegung der Vereinbarung vom 24. Juli 2007 durch

das Berufungsgericht. Diese ist zwar grundsätzlich dem Tatrichter vorbehalten;

sie ist jedoch für das Revisionsgericht nicht bindend, wenn gesetzlich oder all-

gemein anerkannte Auslegungsregeln, Denkgesetze oder Erfahrungssätze ver-

letzt worden sind (siehe nur BGHZ 152, 153, 156). So liegt es hier. Das Beru-

fungsgericht hat den Wortlaut der Vereinbarung, der Ausgangspunkt jeder Ver-

tragsauslegung ist (siehe BGH, Urt. v. 27. März 2001, VI ZR 12/00, NJW 2001,

2535), nicht ausreichend beachtet. In § 4 heißt es, dass P. B. sämtli-

che Rechte und Pflichten aus der in § 4 des Kaufvertrags vom 9. Februar 1978

getroffenen Vereinbarung an die Klägerin abtritt und die Klägerin die Abtretung

annimmt. Dies schließt die Annahme aus, dass P. B. und die Kläge-

rin darüber hinaus einen Parteiwechsel innerhalb des Kaufvertrags herbeiführen

wollten. Eine dahingehende Auslegung wird auch dem Grundsatz nicht gerecht,

dass der Wille der Vertragsparteien im Zweifel auf eine den Vertragszweck

nicht gefährdende Gestaltung gerichtet ist (BGHZ 152, 153, 158). Denn der Ein-

tritt der Klägerin anstelle von P. B. in den Kaufvertrag bedarf als Ver-

tragsübernahme der Zustimmung aller Beteiligten (BGH, Urt. v. 20. April 2005,

XII ZR 29/02, NJW-RR 2005, 958, 959 m.w.N.). Da die Beklagte nicht zuge-

stimmt hat, ist die Vertragsübernahme unwirksam mit der Folge, dass der von

P. B. und der Klägerin gewünschte Erfolg, dieser einen Anspruch auf

Bewilligung des Wegerechts zu verschaffen, nicht eintreten kann. Dieses Er-

gebnis haben P. B. und die Klägerin sicher nicht gewollt.

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bb) Falls das Berufungsgericht die Fortsetzung nur des in § 4 des Kauf-

vertrags vom 9. Februar 1978 begründeten Schuldverhältnis zwischen der Klä-

gerin anstelle von P. B. und der Beklagten angenommen hat, ist die

daraus gezogene Schlussfolgerung, mangels Mitwirkung der Beklagten sei die

Klägerin nicht Inhaberin des Anspruchs auf Einräumung des Wegerechts ge-

worden, fehlerhaft. Die Revision weist zutreffend darauf hin, dass das Beru-

fungsgericht übersehen hat, dass die in einer unwirksamen Vertragsübernahme

mitenthaltene Abtretung wirksam sein kann (BGH, Urt. v. 11. Juli 1996, IX ZR

226/94, NJW 1996, 3147, 3148 f.). Das trifft hier, was der Senat mangels Aus-

legung der Vereinbarung in dieser Hinsicht durch das Berufungsgericht selbst

entscheiden kann, für die Übertragung des Anspruchs auf Einräumung des

Wegerechts zu. Der Regelung ist der Wille von P. B. und der Kläge-

rin zu entnehmen, dass diese mit dem Abschluss der Vereinbarung jedenfalls

insoweit in die Rechtsstellung von P. B. eintreten sollte, als dies ohne

Zustimmung der Beklagten möglich war. Die rechtliche Möglichkeit hierfür bietet

eine Abtretung (§ 398 BGB).

18

f) Schließlich hat das Berufungsgericht zu Unrecht in einer Hilfserwägung

angenommen, dass der auf die Klägerin übergegangene Anspruch auf Einräu-

mung des Wegerechts verwirkt sei.

19

aa) Zwar mögen 16 ½ Jahre vergangen sein, in denen P. B.

und die Klägerin keine Rechte auf Einräumung und Eintragung des Wegerechts

geltend gemacht haben; auch haben sie innerhalb derselben Frist keinen

Gebrauch von dem Wegerecht gemacht. Aber daraus folgt nicht die Verwirkung

des Anspruchs. Ein Recht ist verwirkt, wenn sich der Schuldner wegen der Un-

tätigkeit des Gläubigers über einen gewissen Zeitraum hin bei objektiver Beur-

teilung darauf einrichten darf und eingerichtet hat, dieser werde sein Recht nicht

mehr geltend machen, so dass die verspätete Geltendmachung gegen Treu

und Glauben (§ 242 BGB) verstößt; zu dem Zeitablauf müssen besondere auf

das Verhalten des Berechtigten beruhende Umstände hinzutreten, die das Ver-

trauen des Verpflichteten rechtfertigen, der Berechtigte werde seinen Anspruch

nicht mehr geltend machen (Senat, Urt. v. 12. Dezember 2008, V ZR 49/08,

NJW 2009, 847, 849 - insoweit in BGHZ 179, 146 ff. nicht abgedruckt).

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bb) Diese Voraussetzungen sind nicht erfüllt. Zutreffend weist die Revisi-

on darauf hin, dass das Berufungsgericht nicht festgestellt hat, dass P.

B. oder die Klägerin nicht nur die Geltendmachung des Anspruchs aus

§ 4 des Kaufvertrags vom 9. Februar 1978 über längere Zeit unterlassen, son-

dern darüber hinaus ein Verhalten gezeigt haben, welches das Vertrauen der

Beklagten und ihrer Eltern rechtfertigt, nicht mehr in Anspruch genommen zu

werden. Auch andere Anhaltspunkte, die zur Rechtfertigung dieses Vertrauens

herangezogen werden können, sind nicht festgestellt. Insbesondere die von

dem Berufungsgericht hervorgehobene rechtliche Qualifizierung des Wege-

rechts als "Legaldauerschuldverhältnis" ist in diesem Zusammenhang ohne Be-

lang. Somit hat das Berufungsgericht das von ihm bejahte Vertrauen der Be-

klagten lediglich mit dem bloßen Zeitablauf begründet. Durch diesen kann der

notwendige Vertrauenstatbestand jedoch nicht geschaffen werden (BGH, Urt. v.

14. November 2002, VII ZR 23/02, NJW 2003, 824). Im Übrigen ist - was die

Revision zutreffend aufzeigt - weder festgestellt noch ersichtlich, dass sich die

Beklagte, sollte doch von einem seitens P. B. oder der Klägerin ge-

setzten Vertrauenstatbestand auszugehen sein, hierauf auch tatsächlich einge-

richtet hat. Ein solches Verhalten ist jedoch weitere Voraussetzung für die An-

nahme der Verwirkung (Senat, Urt. v. 12. Dezember 2008, V ZR 49/08, aaO;

BGH, Urt. v. 14. November 2002, VII ZR 23/02, aaO).

21

3. Nach alledem ist das Berufungsurteil aufzuheben (§ 562 ZPO). Der

Senat kann allerdings nicht in der Sache selbst entscheiden, weil sie nicht zur

Endentscheidung reif ist (vgl. § 563 Abs. 3 ZPO). Sie ist deshalb zur neuen

Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen

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a) Sowohl die Parteien als auch die Instanzgerichte sind bisher davon

ausgegangen, dass die Klägerin einen Anspruch auf Bestellung und Eintragung

einer Grunddienstbarkeit haben kann. Sie haben dabei jedoch übersehen, dass

eine am Wortlaut orientierte und den Interessen der Vertragsparteien gerecht

werdende Auslegung der Vereinbarung in § 4 des Kaufvertrags vom 9. Februar

1978 ergeben kann, dass die Vereinbarung auf die Bestellung einer beschränk-

ten persönlichen Dienstbarkeit gerichtet ist.

23

aa) Die beschränkte persönliche Dienstbarkeit berechtigt ihren Inhaber

u.a., das mit dem Recht belastete Grundstück in einzelnen Beziehungen zu

nutzen (§ 1090 Abs. 1 Alt. 1 BGB). Ihr Inhalt kann demgemäß, wie der einer

Grunddienstbarkeit (§ 1018 Alt. 1 BGB), ein Wegerecht sein. Berechtigter kann

dagegen nicht, wie bei der Grunddienstbarkeit, der jeweilige Eigentümer eines

anderen Grundstücks sein, sondern nur eine bestimmte natürliche oder juristi-

sche Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft. P. B. ge-

hört somit zu dem Kreis der möglichen Berechtigten.

24

bb) Der Kaufvertrag vom 9. Februar 1978 wurde zwischen den Eltern der

Beklagten und P. B. abgeschlossen, ebenso die in seinem § 4 ge-

nannte privatschriftliche Vereinbarung vom 8. April 1973. In dieser haben die

Eltern nach ihrer Erklärung in dem Kaufvertrag P. B. ein Wegerecht

eingeräumt. In § 4 des Kaufvertrags haben sie ihre Verpflichtung erklärt, P.

B. das Wegerecht einzuräumen und dessen Eintragung in das Grund-

buch zu bewilligen. Diese Regelungen können dafür sprechen, dass nur P.

B. Inhaber des Wegerechts sein sollte.

25

cc) Dies kann auch den Interessen der Vertragsparteien entsprochen

haben. Sie standen offensichtlich in einem besonders vertrauensvollen Verhält-

nis zueinander. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Eltern P. B.

knapp fünf Jahre vor der Beurkundung des Kaufvertrags den Besitz an dem

Grundstück übergeben haben und dass P. B. ihnen in demselben

Zeitpunkt den Kaufpreis bezahlt hat. Hinzu kommt, dass nach dem die Grund-

stückssituation im Jahr 1978 darstellenden Lageplan (Bl. 186 d.A.) das von P.

B. erworbene Flurstück 148/11 an der südlichen Ecke an einen öf-

fentlichen Weg angrenzte, so dass der Grundstückseigentümer nicht auf ein

über die nördlich gelegenen Grundstücke der Eltern der Beklagten bzw. der

Beklagten selbst verlaufendes Wegerecht angewiesen war. Auch dies kann da-

für sprechen, dass das Wegerecht allein den persönlichen Bedürfnissen von

P. B. dienen sollte.

26

b) Der ursprünglich P. B. zustehende Anspruch kann nur auf-

grund der Vereinbarung vom 24. Juli 2007 im Wege der Abtretung (§ 398 BGB)

auf die Klägerin übergangen sein. War er auf die Bestellung einer beschränkten

persönlichen Dienstbarkeit gerichtet, scheitert der Übergang jedoch an der Vor-

schrift des § 399 Alt. 1 BGB; der Anspruch ist nicht abtretbar, weil sich durch

die Abtretung der Inhalt der Leistung veränderte.

27

Eine Inhaltsänderung ist u.a. dann gegeben, wenn der Gebrauch einer

Sache einem anderen als dem ursprünglich Berechtigten überlassen werden

soll; denn die Person des Benutzers ist wesentlich für das Vertrauen, das der

Überlassende hinsichtlich der pfleglichen Behandlung der Sache hat (BGH, Urt.

v. 2. Juli 2003, XII ZR 34/02, NJW 2003, 2987; MünchKomm-BGB/Roth,

5. Aufl., § 399 Rdn. 7; Staudinger/Busche, BGB [2005], § 399 Rdn. 8). Ein sol-

ches schutzwürdiges Vertrauen besteht nicht, wenn sich der Schuldner zur Be-

stellung einer Grunddienstbarkeit verpflichtet hat. Denn die Veränderung in der

Person des Berechtigten nach der Entstehung des Rechts liegt in der Natur der

Sache (siehe oben unter 2. c) bb)), so dass der Besteller von vornherein damit

rechnen muss, dass sein Grundstück von anderen Personen als dem ursprüng-

lichen Berechtigten benutzt wird. Anders ist es aber bei der Verpflichtung zur

Bestellung einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit (§ 1090 BGB). In die-

sem Fall ist der Bestellungsanspruch jedenfalls dann nicht übertragbar, wenn

Versprechensempfänger und Begünstigter identisch sind (Senat, BGHZ 28, 99,

102; Palandt/Grüneberg, BGB, 68. Aufl., § 399 Rdn. 4; Staudinger/Mayer, BGB

[2009], § 1092 Rdn. 4). Denn die Dienstbarkeit ist auf das persönliche Bedürfnis

des Berechtigten zugeschnitten und an eine bestimmte Person gebunden.

Demgemäß ist sie nicht übertragbar (§ 1092 Abs. 1 Satz 1 BGB). Das Interesse

des Verpflichteten an der Beibehaltung des ursprünglichen Berechtigten ist in-

des schon vor der Entstehung des Rechts (§ 873 BGB) in demselben Maß vor-

handen und deshalb ebenso schützenswert. Dies rechtfertigt die Annahme der

Unabtretbarkeit des Anspruchs auf Bestellung einer beschränkten persönlichen

Dienstbarkeit.

28

4. Die bisher fehlende Auslegung der Vereinbarung in § 4 des Kaufver-

trags muss das Berufungsgericht nachholen. Gelangt es dabei zu dem Ergeb-

nis, dass die Eltern der Beklagten eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit

bewilligt haben, ist die Klage abzuweisen.

29

Ergibt die Auslegung, dass die Eltern der Beklagten eine Grunddienst-

barkeit bewilligt haben, muss das Berufungsgericht prüfen, ob der Weg über

das heutige Flurstück Nr. 16/1 führen sollte. Bejaht es dies, wird zu prüfen sein,

ob - wie die Beklagte meint - die Geltendmachung des Anspruchs dem Schika-

neverbot (§ 226 BGB) widerspricht.

Krüger

Lemke

Schmidt-Räntsch

Stresemann

Czub

Vorinstanzen: AG Usingen, Entscheidung vom 12.06.2008 - 2 C 50/08 - LG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 11.02.2009 - 2-16 S 174/08 -