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BGH Urteil vom 13.01.2004 – XI ZR 355/02

XI. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

Verkündet am: 13. Januar 2004 Herrwerth, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

XI ZR 355/02

URTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: nein

BGHR: ja _____________________

BGB §§ 249 (Fb), 250, 276 (Hb, Hc)

a) Empfiehlt eine kreditgebende Bank einem Anlageinteressenten eine Beteili- gung an einem Bauherrenmodell, so muß sie ihn ungefragt informieren, wenn die erzielten Mieterträge der in einem steuersparenden Bauherrenmo- dell bereits erstellten Eigentumswohnungen nicht den im Anlageprospekt prognostizierten Mieten entsprechen und die Vermietung der Wohnungen Schwierigkeiten bereitet.

b) Ein Freistellungsanspruch wandelt sich in einen Zahlungsanspruch des Ge- schädigten um, wenn der Schädiger jeden Schadensersatz ernsthaft und endgültig verweigert und der Geschädigte Geldersatz fordert.

c) Zur Berechnung und Abwicklung des dem Anleger und Kreditnehmer ent-

standenen Schadens.

BGH, Urteil vom 13. Januar 2004 - XI ZR 355/02 - KG Berlin LG Berlin

Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Ver-

handlung vom 13. Januar 2004 durch den Vorsitzenden Richter Nobbe,

die Richter Dr. Müller, Dr. Joeres, Dr. Wassermann und die Richterin

Mayen

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des

11. Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom

28. August 2002 im Kostenpunkt und insoweit auf-

gehoben, als das Berufungsgericht zum Nachteil

der Beklagten entschieden hat.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache auf die

Revision der Beklagten zur neuen Verhandlung

und Entscheidung, auch über die Kosten des Revi-

sionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurück-

verwiesen.

Die Anschlußrevision der Klägerin wird zurückge-

wiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

Die Klägerin begehrt aus eigenem und abgetretenem Recht ihres

Ehemannes - eines Rechtsanwalts und Notars - von der beklagten Bank

Schadensersatz wegen fehlerhafter Beratung und unzureichender Infor-

mation im Zusammenhang mit einer Beteiligung an einem steuersparen-

den Bauherrenmodell. Dem liegt folgender Sachverhalt zugrunde:

Im September 1996 suchte der Ehemann der Klägerin die vormali-

ge G.Bank (nachfolgend: Beklagte) auf, um ein Darlehen für

eine Steuernachzahlung aufzunehmen. Der Kundenberater schlug ihm

vor, die Steuerschuld durch eine Beteiligung an einem Bauherrenmodell

"wegzudrücken", empfahl ein Kaufgespräch mit der W.

Immobilien GmbH (nachfolgend: Bauträgerin), einer zur

"G.Bank-Gruppe" gehörenden Gesellschaft, und veranlaßte die

Übersendung des Emissionsprospekts für ein Objekt in der Nähe von

B.. In dem Prospekt mit der Aufschrift "Ein Angebot der G.

Bank-Gruppe" wurden noch zu erstellende Eigentumswohnungen im er-

sten von insgesamt fünf Bauabschnitten zum Kauf angeboten. Nach den

Prognoseberechnungen des Herausgebers war mit Mieten von durch-

schnittlich 14 DM/qm und einer Mieterhöhung auf 15 DM/qm ab 2001

sowie mit weiteren jährlichen Steigerungen von 3% zu rechnen, wobei

auf mögliche Abweichungen hingewiesen wurde.

Am 10. September 1996 fand ein Gespräch des damaligen Ge-

schäftsführers der Bauträgerin und des Kundenberaters der Beklagten

mit dem Ehemann der Klägerin in dessen Kanzlei statt, bei dem das

Bauobjekt entsprechend den Prospektangaben als ein über die Bauträ-

gerin vermarktetes Produkt der Beklagten bezeichnet wurde. Zu diesem

Zeitpunkt war bereits einem ihrer Vorstandsmitglieder bekannt, daß von

153 im Jahr 1995 und 12 im ersten Halbjahr 1996 verkauften Wohnungen

nur 138 vermietet waren und die durchschnittliche Miete entgegen den

Prospektangaben lediglich 13 DM/qm betrug. Gleichwohl riet der Ge-

schäftsführer der Bauträgerin dem Ehemann der Klägerin im Hinblick auf

angeblich eine Vielzahl von Mietinteressenten vom Abschluß eines Miet-

garantievertrages ab.

Die Klägerin und ihr Ehemann schlossen am 23. September 1996

einen Kaufvertrag über zehn Eigentumswohnungen mit Pkw-Stellplätzen

in dem Objekt zu einem Preis von 3.083.643 DM ab. Zur Finanzierung

des Geschäfts erhielt der Ehemann der Klägerin, der alle mit dem Erwerb

der Wohnungen verbundenen Kosten allein trug, von der Beklagten am

27. November/5. Dezember 1996 einen Realkredit über 2.740.000 DM

und außerdem zur privaten Disposition Kontokorrentkredite von insge-

samt 896.000 DM. Nach Zahlung des Kaufpreises übernahmen die Ehe-

leute die Wohnungen ab Mai 1997, konnten sie aber erst im Laufe der

nächsten drei Jahre zu Preisen zwischen 10 DM/qm und 13,04 DM/qm

vermieten. Über das Vermögen der Bauträgerin wurde am 1. Oktober

1998 das Gesamtvollstreckungsverfahren eröffnet.

Nach Ansicht der Klägerin ist die Beklagte für die falschen oder

unvollständigen Prospektangaben über die Ertragsfähigkeit der erworbe-

nen Eigentumswohnungen verantwortlich und aufgrund eines Beratungs-

und eines vorvertraglichen Aufklärungsverschuldens verpflichtet, den

gezahlten Kaufpreis einschließlich aller angefallenen Kosten sowie die

infolge der Rückabwicklung des Kaufvertrages zu erwartenden Steuer-

nachzahlungen abzüglich der Mieteinnahmen zu ersetzen.

Das Landgericht hat die auf Zahlung von 2.292.870,50

(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:3)(cid:0)(cid:5)(cid:4)(cid:5)(cid:6)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:12)(cid:11)(cid:2)(cid:13)

Zinsen Zug-um-Zug gegen Übereignung der zehn Eigentumswohnungen

und Abtretung sie betreffender Gewährleistungsansprüche gerichteten

Klage abgewiesen, das Berufungsgericht hat

ihr

in Höhe von

1.841.497,50

(cid:14)(cid:5)(cid:15)(cid:17)(cid:16)(cid:5)(cid:18)(cid:20)(cid:19)(cid:22)(cid:21)

(cid:14)(cid:5)(cid:18)(cid:23)(cid:15)(cid:8)(cid:14)(cid:24)(cid:18)(cid:20)(cid:19)(cid:26)(cid:25)(cid:27)(cid:19)(cid:28)(cid:19)

(cid:15)(cid:8)(cid:16) en. Mit der - zugelassenen - Re-

vision erstrebt die Beklagte die Wiederherstellung des landgerichtlichen

Urteils, die Klägerin mit der Anschlußrevision eine vollumfängliche Ver-

urteilung.

Entscheidungsgründe:

Die Revision der Beklagten ist begründet; sie führt zur Aufhebung

der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache

an das Berufungsgericht. Die Anschlußrevision der Klägerin ist nicht be-

gründet.

I.

Das Berufungsgericht hat eine Schadensersatzhaftung der Be-

klagten bejaht und zur Begründung im wesentlichen ausgeführt:

Die Klägerin sei aktivlegitimiert. Es könne offenbleiben, ob sie als

Miterwerberin der Eigentumswohnungen aus eigenem Recht gegen die

(cid:9) (cid:6) (cid:15) (cid:6)

Beklagte vorgehen könne, weil sie in jedem Fall aufgrund der Abtre-

tungsvereinbarung vom 16. Dezember 1999 den ihrem Ehemann zuste-

henden Schadensersatzanspruch geltend machen könne. Das Abtre-

tungsverbot des § 399 BGB finde keine Anwendung. Die Schadenser-

satzforderung des Ehemannes sei nicht auf Freistellung von der zur Fi-

nanzierung des Kaufpreises begründeten Darlehensverbindlichkeit, son-

dern auf Geld gerichtet. Nachdem die Zahlungsansprüche der Bauträge-

rin unstreitig unter Einsatz der Darlehensvaluta befriedigt worden seien,

fehle es bereits an der erforderlichen tatsächlichen Beschwernis mit ei-

ner Verbindlichkeit gegenüber einem Dritten. Die "Freistellung" von der

Kreditverbindlichkeit diene nur der Vereinfachung, nämlich der Abkür-

zung des Zahlungswegs und der Miterfassung noch entstehender Kredit-

kosten. Dies ändere indessen nichts daran, daß der Zahlungsanspruch

und der Anspruch auf Freistellung Ausprägungen ein und desselben An-

spruchs auf Vermögensausgleich seien.

Unbeschadet der Frage, ob die Beklagte eine im Rahmen der Pro-

spekthaftung relevante Garantenstellung innegehabt habe, führe ihr En-

gagement auf seiten der Bauträgerin zu einer Haftung wegen Aufklä-

rungs- oder Beratungsverschuldens gegenüber dem Zedenten. Dadurch,

daß der Anlageberater der Beklagten ihn auf das Anlageobjekt hingewie-

sen, das Prospektmaterial besorgt und die Vertragsverhandlungen mit

der Bauträgerin begleitet habe, sei jedenfalls der Tatbestand einer Anla-

gevermittlung erfüllt. Der dadurch begründeten Pflicht zur richtigen und

vollständigen Information über die für den Anlageentschluß bedeutsamen

Umstände sei die Beklagte nicht nachgekommen. Vielmehr hätte ihr

Kundenberater den aufklärungsbedürftigen Ehemann der Klägerin bei

dem Gespräch vom 10. September 1996 - auch im Hinblick auf die beab-

sichtigte "Großinvestition" - darauf hinweisen müssen, daß von 160 ver-

kauften Wohnungen nur 138 vermietet seien und die Durchschnittsmiete

nicht wie im Prospekt angegeben 14 DM/qm, sondern lediglich 13 DM/qm

betrage. Ferner sei er über Risiken für die Verwirklichung der weiteren

Bauabschnitte und über die Liquiditätsprobleme der Bauträgerin zu in-

formieren gewesen.

Die von der Beklagten zu verantwortenden Fehlvorstellungen des

Ehemannes der Klägerin seien für die Anlageentscheidung auch ursäch-

lich geworden. Im Wege des Schadensersatzes könne die Klägerin ver-

langen, so gestellt zu werden, wie sie und ihr Ehemann gestanden hät-

ten, wenn die Anlageentscheidung nicht getroffen worden wäre. Die Be-

klagte habe daher den für das Anlageobjekt gezahlten Kaufpreis in Höhe

von 3.083.643 DM, die im Zusammenhang mit der Investition angefalle-

nen Nebenkosten über 70.772 DM, die Kreditkosten von insgesamt

636.731,23 DM und die Kosten der Bewirtschaftung von 104.612,76 DM

zu ersetzen, was unter Abzug der Mieteinnahmen den ausgeurteilten

Betrag von 3.601.656,10 DM (= 1.841.497,50

(cid:29)(cid:30)(cid:15)(cid:17)(cid:31)

(cid:15)(cid:8)(cid:16)(cid:5)(cid:15)!

Die im Falle der Rückabwicklung des Bauträgervertrages auf die

Klägerin und ihren Ehemann zukommenden Steuernachzahlungen über

451.373,06

(cid:7)#(cid:7)

(cid:0)(cid:20)+-,(cid:8)(cid:13)(cid:17)(cid:9)(cid:12)(cid:6)

(cid:11)(cid:2)(cid:13)

(cid:18)(cid:20)(cid:19)"(cid:15)

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(cid:14)(cid:5)(cid:15)(cid:8)(cid:14)’(cid:15)((cid:31))(cid:18)*(cid:25)(cid:27)(cid:19)

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(cid:11)(cid:2)(cid:13)546(cid:4) r-

den aus der Kapitalanlage erwachsene Vorteile ausgeglichen, die an-

dernfalls schadensmindernd zu berücksichtigen wären. Nach § 252 BGB

umfasse der Schadensersatzanspruch des Anlegers zwar grundsätzlich

auch den entgangenen Gewinn, der ihm ohne das schädigende Ereignis

zugeflossen wäre. Es gebe aber keinen allgemeinen Erfahrungssatz des

Inhalts, daß die Beteiligung an einem Bauherrenmodell immer gewinn-

(cid:6) (cid:9) (cid:1) (cid:31)

bringend sei. Daß sich der Ehemann der Klägerin an einem anderen

- erfolgreichen - Bauobjekt beteiligt hätte und dort die angestrebten

Steuervorteile realisiert worden wären, sei nicht substantiiert dargelegt.

II.

Diese Ausführungen halten rechtlicher Nachprüfung im wesentli-

chen stand, berücksichtigen aber nicht alle für die Berechnung und Ab-

wicklung des Schadens des Zedenten erheblichen Umstände.

A. Revision der Beklagten

1. Das Berufungsgericht hat die Klägerin im Ergebnis zutreffend

als berechtigt angesehen, die an sie abgetretenen Schadensersatzan-

sprüche ihres Ehemannes geltend zu machen. Entgegen der Ansicht der

Revision war die Abtretung nicht gemäß § 399 BGB ausgeschlossen.

Danach kann zwar eine Forderung nicht abgetreten werden, wenn die

Leistung an einen anderen als den ursprünglichen Gläubiger nicht ohne

Veränderung seines Inhalts erfolgen kann. Eine auf Befreiung von einer

Verbindlichkeit gerichtete Forderung ist daher im allgemeinen nicht ab-

tretbar (BGHZ 12, 136, 141; 41, 203, 205; BGH, Urteil vom 12. März

1993 - V ZR 69/92, WM 1993, 1557, 1559 m.w.Nachw.). Daraus vermag

die Revision aber nichts für sich herzuleiten. Dabei kann offenbleiben, ob

der Ansicht des Berufungsgerichts gefolgt werden könnte, nach der der

Schadensersatzanspruch des Ehemannes der Klägerin gegen die Be-

klagte in seiner Gesamtheit von vornherein auf Geld und nicht nach

§ 257 BGB auf Befreiung von der zur Finanzierung der Kapitalanlage be-

gründeten Darlehensverbindlichkeiten gerichtet war. Darauf kommt es

nicht entscheidend an, weil ein etwaiger Befreiungsanspruch gemäß

§ 250 Satz 2 BGB in einen Geldanspruch übergegangen ist.

Diese Vorschrift eröffnet dem Geschädigten die Möglichkeit, unab-

hängig von den §§ 249 Abs. 2, 251 BGB zu einem Anspruch auf Gelder-

satz zu gelangen, wenn er dem Ersatzpflichtigen erfolglos eine Frist zur

Herstellung, d.h. hier Haftungsfreistellung, mit Ablehnungsandrohung

setzt. Dem steht es nach ständiger Rechtsprechung des Bundesge-

richtshofs gleich, wenn der Schuldner die geforderte Herstellung oder

überhaupt jeden Schadensersatz ernsthaft und endgültig verweigert.

Dann wandelt sich der Freistellungsanspruch in einen Zahlungsanspruch

um, wenn der Geschädigte Geldersatz

fordert (BGH, Urteile vom

7. Januar 1965 - VII ZR 28/63, WM 1965, 287, 289, vom 11. Juni 1986

- VIII ZR 153/85, WM 1986, 1115, 1117, vom 26. Februar 1991 - XI ZR

331/89, WM 1991, 1002, vom 29. April 1992 - VIII ZR 77/91, WM 1992,

1074, 1076, vom 12. März 1993 - V ZR 69/92, WM 1993, 1557, 1559 f.,

vom 31. Januar 1996 - VIII ZR 243/94, WM 1996, 1282, 1283 und vom

10. Februar 1999 - VIII ZR 70/98, WM 1999, 779, 781).

So liegt der Fall hier. Die Beklagte hat von Anfang an nicht nur die

Aktivlegitimation der Klägerin bestritten, sondern eine Schadensersatz-

verpflichtung insbesondere aus einem Beratungsverschulden schon dem

Grunde nach strikt abgelehnt. Für die Klägerin und ihren Ehemann

mußte sich daher der Eindruck aufdrängen, daß eine Nachfrist die Be-

klagte nicht umstimmen würde, sondern lediglich eine leere und sinnlose

Förmelei wäre.

2. Entgegen der Ansicht der Revision hat das Berufungsgericht ein

Aufklärungs- und Beratungsverschulden der Beklagten gegenüber dem

Zedenten zu Recht bejaht.

a) Nach ständiger Rechtsprechung des erkennenden Senats

kommt zwischen der Bank und ihrem Kunden konkludent ein Beratungs-

vertrag zustande, wenn - gleichgültig ob auf Initiative des Kunden oder

aber der Bank - im Zusammenhang mit einer Anlageentscheidung tat-

sächlich eine Beratung stattfindet (Senat BGHZ 123, 126, 128, Urteile

vom 28. Januar 1997

- XI ZR 22/96, WM 1997, 662 f. und vom

24. September 2002 - XI ZR 345/01, WM 2002, 2281, 2283, insoweit in

BGHZ 152, 114 ff. nicht abgedruckt). Das war hier der Fall.

Die Beklagte hat dem Ehemann der Klägerin, der lediglich ein

Darlehen zur Begleichung einer Steuernachzahlung aufnehmen wollte,

von sich aus geraten, die Steuerschuld durch Beteiligung an einem Bau-

herrenmodell "wegzudrücken", dafür das Modell einer Bauträgerin, an

der sie über eine Tochtergesellschaft maßgeblich beteiligt war, empfoh-

len, die Übersendung des Emissionsprospekts veranlaßt und sich außer-

dem auch noch an dem entscheidenden Verkaufsgespräch über zehn

Eigentumswohnungen zu einem Preis von mehr als drei Millionen DM

beteiligt.

b) Aufgrund des danach konkludent geschlossenen Beratungsver-

trages war die Beklagte unter anderem zu einer zutreffenden, negative

Fakten nicht verschweigenden, aktuellen Information über das Anlage-

objekt, dessen Rentabilität und die damit verbundenen spezifischen Risi-

ken verpflichtet. Denn nur aufgrund von Informationen, die ein zutreffen-

des aktuelles Bild über die empfohlene Anlage boten, war der Ehemann

der Klägerin, der der Beklagten besonderes Vertrauen entgegenbrachte

und erkennbar von deren besonderen Kenntnissen und Verbindungen

hinsichtlich des Anlageobjekts profitieren wollte, in der Lage, eine sach-

gerechte Anlageentscheidung zu treffen.

Diese Pflichten hat die Beklagte entgegen der Ansicht der Revision

zumindest hinsichtlich der Ertragsfähigkeit der von der Klägerin und ih-

rem Ehemann erworbenen Eigentumswohnungen verletzt. Als das Ge-

spräch zwischen dem Ehemann der Klägerin und dem damaligen Ge-

schäftsführer der Bauträgerin in Gegenwart des Kundenberaters der Be-

klagten im September 1996 geführt wurde, stand ein erheblicher Teil der

bereits erstellten Eigentumswohnungen mindestens seit einem halben

Jahr leer. Gleichwohl erklärte der Geschäftsführer der Bauträgerin, ohne

daß der Kundenbetreuer der Beklagten dem entgegentrat, angesichts der

Vielzahl von Mietinteressenten sei der Abschluß eines Mietgarantiever-

trages nicht sinnvoll. Zudem betrug die tatsächlich erzielte Miete durch-

schnittlich nur 13 DM/qm und nicht wie im Prospekt prognostiziert

14 DM/qm. Darauf mußte der Kundenberater den Ehemann der Klägerin

- wie das Berufungsgericht zu Recht angenommen hat - ungefragt hin-

weisen.

Dem kann - anders als die Revision meint - nicht entgegengehal-

ten werden, daß die Abweichung der Mieterträge von den Prospektanga-

ben zu geringfügig gewesen sei, um eine Aufklärungspflicht der Beklag-

ten zu begründen. Zwar mag die zum damaligen Zeitpunkt bestehende

Mietdifferenz in Höhe von rund 1 DM/qm auf den ersten Blick nicht sehr

bedeutsam erscheinen. Schon die Tatsache, daß die Vermietung der Ei-

gentumswohnungen ins Stocken geraten war, konnte aber für sich ge-

nommen einen zur Vorsicht neigenden Anleger vom Kauf abhalten. Dar-

über hinaus war es nicht nur die aktuelle Mietdifferenz, die den Ertrag

und damit den Verkehrswert der Immobilie herabminderte. Vielmehr

mußten auch die im Prospekt prognostizierten Mietsteigerungen ange-

sichts der im September 1996 in B. und im B. Umland beste-

henden Marktverhältnisse und deren voraussichtlicher Entwicklung nach

unten korrigiert werden. Von einer nur geringfügigen, die Bagatellgrenze

nicht überschreitenden und für die Anlageentscheidung unbedeutenden

Wertbeeinträchtigung kann unter solchen Umständen angesichts des be-

absichtigten Kaufs von zehn Eigentumswohnungen keine Rede sein.

Ob die Ertragsangaben und prognostizierten Mietsteigerungen bei

Erstellung des Prospektes realistisch waren, ist entgegen der Auffassung

der Revision ohne Bedeutung. Die Pflichtverletzung der Beklagten beruht

nicht auf einem ihr zuzurechnenden Prospektfehler, sondern allein dar-

auf, daß die zum Zeitpunkt der vertraglich geschuldeten Information be-

stehende Vermietungssituation und Ertragslage sowie deren voraus-

sichtliche Entwicklung in den nächsten Jahren verschwiegen wurden.

c) Die Beklagte hat ihre Pflicht, über die Höhe der durchschnittlich

erzielten Miete und die Vermietungssituation aktuell und richtig zu infor-

mieren, auch schuldhaft verletzt. Das gilt auch dann, wenn ihr tätig ge-

wordener Kundenberater darüber nicht informiert gewesen sein sollte.

Aufgrund des Projektstandsberichts von Mai 1996 steht fest, daß die

aufklärungsbedürftigen Umstände einem Vorstandsmitglied der Klägerin

bekannt waren. Dieses Wissen mußte bei ordnungsgemäßer Organisati-

on der Kommunikation zum Schutze des Ehemanns der Klägerin, der

nicht allein deshalb schlechter gestellt werden darf, weil Vertragspartner

nicht eine natürliche Person, sondern eine Bank mit organisationsbe-

dingter Wissensaufspaltung ist, akten- oder EDV-mäßig dokumentiert, für

alle mit der Vermarktung des Bauträgermodells befaßten Mitarbeiter

verfügbar gehalten und von ihnen genutzt werden. Daß das über die er-

forderlichen Kenntnisse verfügende Vorstandsmitglied der Beklagten an

dem Vertrag mit dem Ehemann der Klägerin nicht mitgewirkt und davon

möglicherweise nichts gewußt hat,

ist deshalb ohne Belang (vgl.

BGHZ 109, 327, 331; 117, 104, 108; 132, 30, 35 ff.; 135, 202, 205; BGH,

Urteil vom 13. Oktober 2000 - V ZR 349/99, WM 2000, 2515, 2516).

d) Die schuldhafte Beratungspflichtverletzung der Beklagten ist für

die Anlageentscheidung des Ehemanns der Klägerin auch ursächlich

geworden. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs

(siehe z.B. BGHZ 61, 118, 121 f.; 151, 5, 12; Senatsurteile vom 28. Mai

2002 - XI ZR 150/01, WM 2002, 1445, 1447 und vom 21. Oktober 2003

- XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2245) ist zu vermuten, daß die in einem

wesentlichen Punkt falsche oder unvollständige Beratung für die Anlage-

entscheidung ursächlich war. Diese tatsächliche Vermutung hat die Be-

klagte nicht widerlegt.

e) Ebenso ist gegen die von der Klägerin gewählte Art der Scha-

densberechnung entgegen der Auffassung der Revision nichts einzu-

wenden.

aa) Bei schuldhafter Verletzung eines Beratungsvertrages kann

der Anleger von dem Schädiger nach dem in § 249 Satz 1 BGB normier-

ten Grundsatz der Naturalrestitution regelmäßig verlangen, so gestellt zu

werden, als hätte er sich an dem Anlagemodell nicht beteiligt (st.Rspr.,

siehe etwa BGH, Urteile vom 2. Dezember 1991 - II ZR 141/90,

WM 1992, 143 f. und vom 13. Januar 2000 - III ZR 62/99, WM 2000, 426,

429). Dabei genügt für den Nachweis eines Vermögensschadens, daß

die Kaufsache den gezahlten Kaufpreis nicht wert ist oder wenn trotz

Werthaltigkeit des Kaufgegenstandes die mit dem Vertrag verbundenen

Verpflichtungen und sonstigen Nachteile durch die Vorteile nicht ausge-

glichen werden (vgl. BGH, Urteil vom 26. September 1997 - V ZR 29/96,

WM 1997, 2309, 2311). Daß die Klägerin und ihr Ehemann danach durch

die Anlageentscheidung einen Schaden erlitten haben, liegt angesichts

der Tatsache, daß der geminderte Ertragswert der Eigentumswohnungen

für deren Verkaufswert von wesentlicher Bedeutung ist, auf der Hand.

bb) Anders als die Revision meint, gibt es auch keinen sachlichen

Grund, der es rechtfertigt, die Schadensersatzpflicht auf einen angemes-

senen Ausgleich des Minderwerts der Kaufsache zu beschränken. Da die

Beklagte dem Ehemann der Klägerin eine umfassende Information über

die Vor- und Nachteile der Anlage schuldete, ist eine derartige Art der

Schadensabwicklung - wie auch das Berufungsgericht ausdrücklich be-

tont hat - aus dem Schutzzweck der verletzten Pflicht nicht herzuleiten

(vgl. Senatsurteile, BGHZ 116, 209, 212, vom 5. Mai 1992 - XI ZR

242/91, WM 1992, 1355, 1357 und vom 16. Juni 1992 - XI ZR 166/91,

WM 1992, 1269, 1271). Eine andere Beurteilung entspräche auch nicht

den von der höchstrichterlichen Rechtsprechung (siehe z.B. BGHZ 69,

53, 56; 111, 75, 82; BGH, Urteil vom 4. April 2001 - VIII ZR 32/00,

WM 2001, 1118, 1120 f.) im Rahmen der vorvertraglichen Verschuldens-

haftung des Verkäufers entwickelten Grundsätzen, nach denen der Käu-

fer zwischen einer angemessenen Herabsetzung des überhöhten Kauf-

preises und einer Rückgängigmachung des Kaufvertrages frei wählen

kann.

f) Der Revision ist auch nicht zu folgen, soweit sie sich auf ein Mit-

verschulden des Ehemannes der Klägerin beruft. Nach ständiger Recht-

sprechung des Bundesgerichtshofs (siehe etwa BGH, Urteil vom

26. September 1997 - V ZR 65/96, NJW-RR 1998, 16 m.w.Nachw.) kann

der Informationspflichtige dem Geschädigten grundsätzlich nicht nach

§ 254 Abs. 1 BGB entgegenhalten, er habe den Angaben nicht vertrauen

dürfen und sei deshalb für den entstandenen Schaden mitverantwortlich.

Die gegenteilige Annahme stünde im Widerspruch zum Grundgedanken

der Aufklärungs- und Beratungspflicht. Daß der Ehemann der Klägerin

als Rechtsanwalt und Notar die allgemeinen Risiken einer derartigen Ka-

pitalanlage kannte, macht ihn nicht weniger schutzwürdig als andere

Personen, die auf die Richtigkeit und Vollständigkeit einer Beratung ver-

trauen.

3. Indessen hat das Berufungsgericht nicht alle für die Schadens-

berechnung und -abwicklung erheblichen Umstände berücksichtigt.

a) Nach dem in § 249 Satz 1 BGB normierten Grundsatz der Natu-

ralrestitution kann die Klägerin aus den dargelegten Gründen von der

Beklagten verlangen, so gestellt zu werden, wie sie und ihr Ehemann

ohne die Anlageentscheidung stünden. Ihr sind daher - wie das Beru-

fungsgericht zutreffend angenommen hat - der für den Erwerb der zehn

Eigentumswohnungen gezahlte Kaufpreis in Höhe von 3.083.643 DM, die

im Zusammenhang mit der Investition angefallenen Nebenkosten über

70.772 DM, die auf die Finanzierungsdarlehen entfallenden Kreditkosten

von insgesamt 636.731,23 DM und die Kosten der Bewirtschaftung von

104.612,76 DM unter Anrechnung der Mieteinnahmen zu ersetzen. Dabei

hat das Berufungsgericht jedoch nicht beachtet, daß auch die Darle-

hensverträge, die ohne das Beratungsverschulden der Beklagten nicht

abgeschlossen worden wären, gemäß § 249 Satz 1 BGB rückabzuwik-

keln sind. Bei der Schadensberechnung sind deshalb nicht nur die an-

gefallenen Kreditkosten, sondern auch die aufgrund der Anlageentschei-

dung ausgereichten Darlehen zu berücksichtigen. Andernfalls würden die

Klägerin und ihr Ehemann - wie die Revision vor allem in der mündlichen

Verhandlung zu Recht geltend gemacht hat - wirtschaftlich wesentlich

besser stehen als sie vor dem Kauf der Eigentumswohnungen standen.

Da nicht festgestellt ist, in welcher Höhe die Finanzierungsdarlehen va-

lutieren, ist dem erkennenden Senat eine eigene Entscheidung über die

in Abzug zu bringenden Beträge nicht möglich. Die angefochtene Ent-

scheidung war daher aufzuheben und die Sache an das Berufungsgericht

zurückzuverweisen, soweit das Berufungsgericht zum Nachteil der Be-

klagten entschieden hat.

b) Ferner wird das Berufungsgericht zu berücksichtigen haben,

daß die Klägerin und ihr Ehemann nicht nur abzutretende Gewährlei-

stungsansprüche über 1.370.287,94 DM aus dem Kauf der Eigentums-

wohnungen im Gesamtvollstreckungsverfahren der W.

Immobilien GmbH beim Amtsgericht C. unter

Aktenzeichen ..., sondern ebensolche Ansprüche über

2.003.358 DM im Gesamtvollstreckungsverfahren der W.

Verwaltungs GmbH unter Aktenzeichen ... ange-

meldet haben. Im Tenor des Berufungsurteils wurden indes nur die erst-

genannten Gewährleistungsansprüche berücksichtigt, obwohl die Anmel-

dung der Ansprüche über 2.003.358 DM im Tatbestand des Berufungs-

urteils ausdrücklich aufgeführt ist.

B. Anschlußrevision der Klägerin

Das Berufungsgericht hat einen Schadensersatzanspruch der Klä-

gerin in Höhe der bei Rückabwicklung des Kaufvertrages zu erwartenden

Steuernachzahlungen jedenfalls im Ergebnis zu Recht verneint.

1. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (siehe etwa

BGHZ 74, 103, 114 ff.; BGH, Urteil vom 11. Oktober 2001 - III ZR

288/00, WM 2001, 2262, 2264 m.w.Nachw.) stellen Steuernachforderun-

gen, die nach Rückabwicklung eines steuersparenden Rechtsgeschäfts

zu erwarten sind, grundsätzlich keinen Schaden gemäß § 249 BGB dar,

weil durch sie die aus der Anlageentscheidung erwachsenen Steuervor-

teile kompensiert werden, die andernfalls zugunsten des Schädigers

schadensmindernd zu berücksichtigen wären. Der Einwand der An-

schlußrevision, die Klägerin habe die aus der Anlageentscheidung ent-

standenen Vorteile bereits vorab in Abzug gebracht, greift nicht. Zwar hat

sie bei der Schadensberechnung die Mieteinnahmen berücksichtigt, nicht

jedoch die finanziellen Vorteile die ihr und/oder ihrem Ehemann dadurch

entstanden sind, daß sie als Eigentümer der Wohnungen steuerliche

Sonderabschreibungen in Anspruch genommen haben.

2. Entgegen der Ansicht der Anschlußrevision ist die Klage auf Er-

satz entgangener Steuervorteile auch nicht gemäß § 252 BGB begrün-

det, weil die Klägerin und ihr Ehemann sich ohne die Pflichtverletzung

der Beklagten an einem anderen Steuersparmodell beteiligt und dadurch

erfolgreich Steuern gespart hätten. Zwar schließt die auf den Grundsatz

der Naturalrestitution (§ 249 Satz 1 BGB) gestützte Inanspruchnahme

der Beklagten die Geltendmachung eines Schadens wegen entgangenen

Gewinns gemäß § 252 BGB nicht aus. Richtig ist auch, daß an die Dar-

legung des entgangenen Gewinns entgegen der Ansicht des Berufungs-

gerichts keine strengen Anforderungen zu stellen sind, sondern der Klä-

gerin nach dieser Vorschrift - wie bei § 287 ZPO - gewisse Erleichterun-

gen bei der Darlegungslast zugute kommen. Die Wahrscheinlichkeit einer

Gewinnerzielung aufgrund einer zeitnahen alternativen Investitionsent-

scheidung kann aber grundsätzlich nur mit Hilfe einer konkreten Berech-

nung festgestellt werden. Dazu reicht es nicht aus, daß ein positiver

Aspekt des hypothetischen Geschäfts, hier steuerliche Abschreibungs-

vorteile, herausgegriffen wird, ohne ihm die Kosten und Nachteile ge-

genüberzustellen, die mit der Anlageentscheidung verbunden gewesen

wären. Nur die Differenz ergibt den wahrscheinlich eingetretenen Gewinn

im Sinne des § 252 Satz 2 BGB (BGH, Urteil vom 24. September 1999

- V ZR 71/99, WM 1999, 2510, 2512). Dazu fehlt ausreichendes Vorbrin-

gen der Klägerin.

Diese hat ohne jede Konkretisierung des Objekts, der damit ver-

bundenen Aufwendungen und der Rendite lediglich behauptet, ihr Ehe-

mann und sie hätten, wenn sie von der Beklagten richtig beraten worden

wären, in ein anderes steuersparendes Bauherrenmodell investiert, da-

durch ihre Steuerbelastung um 688.749,83 DM vermindert und Zinsen

auf die jetzt zu erwartende Steuernachzahlung vermieden. Dieser Vor-

trag ist, worauf die Beklagte in den Vorinstanzen mehrfach hingewiesen

hat, ersichtlich unsubstantiiert. Die auf § 139 ZPO gestützte Rüge der

Revision, auch das Berufungsgericht habe sie darauf hinweisen müssen,

hat der Senat geprüft, aber nicht für durchgreifend erachtet (§ 564 Satz 1

ZPO).

III.

Der Revision der Beklagten war daher stattzugeben und die An-

schlußrevision der Klägerin zurückzuweisen.

Nobbe Müller Joeres

Wassermann Mayen