Rechtsprechung / BPatG / 2003
BPatG Beschluss vom 24.09.2003 – 29 W (pat) 280/02
29. Senat
Zitiert von 3 Entscheidungen Zitiert 4 Entscheidungen 2 zitierte Normen
BUNDESPATENTGERICHT
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(Aktenzeichen)
…
B E S C H L U S S
In der Beschwerdesache
betreffend die Markenanmeldung 300 86 836.7
hat der 29. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der
Sitzung vom 24. September 2003 durch die Vorsitzende Richterin Grabrucker, die
Richterin Pagenberg und die Richterin k.A. Fink
beschlossen:
Der Beschluss der Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts vom 3. September 2002 wird aufgehoben, 10.99
soweit die Anmeldung für die Dienstleistungen „Werbung; Geschäftsführung, Unternehmensverwaltung, Büroarbeiten; Unterhaltung; sportliche und kulturelle Aktivitäten“ zurückgewiesen wurde.
Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.
Die Wortmarke
G r ü n d e
I.
XtraMobilbox
ist am 27. November 2000 für die Waren und Dienstleistungen der
Klasse 9:
Elektrische und elektronische, optische, Mess-, Signal-, Kontroll- oder Unterrichtsapparate und –instrumente (soweit in Klasse 9 enthalten); Apparate zur Aufzeichnung, Übertragung, Verarbeitung und Wiedergabe von Ton, Bild und/oder Daten;
maschinenlesbare Datenaufzeichnungsträger, Chip-Karten; Datenverarbeitungsgeräte und Computer;
Klasse 35:
Werbung; Geschäftsführung, Unternehmensverwaltung, Büroarbeiten;
Klasse 38:
Telekommunikation; Betrieb und Vermietung von Geräten und Einrichtungen für
die Telekommunikation;
Klasse 41:
Unterhaltung; sportliche und kulturelle Aktivitäten;
Klasse 42:
Erstellen von Programmen für die Datenverarbeitung; Vermietung von Datenverarbeitungsgeräten und Computern; Projektierung und Planung von Einrichtungen
für die Telekommunikation
zur Eintragung in das Markenregister angemeldet worden.
Die Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts hat die
Anmeldung mit Beschluss vom 3. September 2002 als freihaltebedürftige und
nicht unterscheidungskräftige Angabe zurückgewiesen. Der Bestandteil „Xtra“ sei
die werbeübliche Schreibweise des Wortes „extra“ und werde daher vom Verkehr
als anpreisender Hinweis auf die besondere Qualität der angebotenen Waren und
Dienstleistungen verstanden. Aus der Kombination mit den weiteren Bestandteilen
„Mobil“ und „Box“ ergebe sich ein einheitlicher Gesamtbegriff, der ohne weiteres
im Sinne von „besonders tolle mobile (Mail)box“ verständlich sei. In Verbindung
mit den beanspruchten Waren und Dienstleistungen weise das Zeichen daher
ausschließlich darauf hin, dass es sich dabei um eine besonders tolle Mailbox für
den mobilen Einsatz handele bzw dass diese für den Betrieb einer XtraMobilbox
geeignet seien oder eine solche zum Gegenstand hätten.
Die Anmelderin hat Beschwerde eingelegt. Zur Begründung führt sie aus, dass der
Bestandteil „Mobilbox“ eine sprachüblich gebildete Verbindung der Wörter „mobil“
und „Box“ sei, die es weder in der deutschen noch in der englischen Sprache
gebe. Insbesondere werde damit nicht der Anrufbeantworter eines Mobiltelefons
bezeichnet. Dafür habe sich der Begriff „Mailbox“ eingebürgert. Bei dem Bestandteil „Xtra“ handele es sich nicht um eine gebräuchliche Abwandlung des
Wortes „extra“. Zudem habe „extra“ nur in Verbindung mit einem nachfolgenden
Adjektiv oder Adverb die Bedeutung von „besonders“, wohingegen die Wortschöpfung „Mobilbox“ ein Substantiv sei. Mangels eindeutigem Sinngehalts sei
„XtraMobilbox“ daher weder freihaltebedürftig noch fehle dem Zeichen die erforderliche Unterscheidungskraft. Dementsprechend gebe es sowohl hinsichtlich des
Bestandteils „Xtra“ als auch hinsichtlich des Bestandteils „Mobilbox“ einschlägige
Voreintragungen. Zu berücksichtigen sei außerdem, dass die Anmelderin seit
1997 einen großen Teil ihrer Waren und Dienstleistungen mit Marken kennzeichne, die mit dem Präfix „Xtra“ gebildet seien. Angesichts der Marktstellung der
Anmelderin und der erheblichen Werbeaufwendungen für die Einführung und
Marktdurchsetzung der „XtraCard“ genieße die „Xtra“-Markenfamilie bei den beteiligten Verkehrskreisen eine überdurchschnittliche Bekanntheit. Zum Nachweis der
Verkehrsdurchsetzung des Stammbestandteils „Xtra“ hat die Anmelderin das Ergebnis einer im Februar 2001 durchgeführten Verkehrsbefragung vorgelegt. Danach gaben 51% der Gesamtbevölkerung und 75% der 14- bis 29-jährigen an, die
Bezeichnung „Xtra“ im Bereich Mobilfunk schon einmal gehört oder gesehen zu
haben. Die Frage, ob die mit „Xtra“ bezeichneten Produkte und Dienstleistungen
im Mobilfunkbereich von einem ganz bestimmten Anbieter kämen, wurde von 33%
der befragten Gesamtbevölkerung und 54% in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen
bejaht. Die Anmelderin ist der Auffassung, dass der Verkehr in dem angemeldeten
Zeichen infolge der Bekanntheit des Bestandteils „Xtra“ eine Abwandlung dieses
Bestandteils bzw eine Abwandlung der eingetragenen Marke „XtraCard“ erkenne
und das Zeichen daher ohne weiteres als Unternehmenshinweis verstehe.
Sie beantragt sinngemäß,
den angefochtenen Beschluss aufzuheben.
II.
Die zulässige Beschwerde hat in der Sache nur teilweise Erfolg. Dem angemeldeten Zeichen fehlt für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen mit
Ausnahme der im Tenor genannten die erforderliche Unterscheidungskraft (§ 8
Abs 2 Nr 1, § 37 Abs 1 MarkenG).
Unterscheidungskraft im Sinne der genannten Vorschrift ist die einer Marke innewohnende konkrete Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für die angemeldeten Waren und Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber solchen
anderer Unternehmen aufgefasst zu werden. Bei der Prüfung der Unterscheidungskraft ist grundsätzlich von einem großzügigen Maßstab auszugehen, so
dass auch ein geringes Maß ausreicht, um das Schutzhindernis zu überwinden.
Die Unterscheidungskraft einer Wortmarke fehlt nur dann, wenn das Zeichenwort
eine für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen im Vordergrund stehende
Sachaussage darstellt oder es sich um ein gebräuchliches Wort der deutschen
oder einer bekannten Fremdsprache handelt, das vom Verkehr - etwa wegen einer
entsprechenden Verwendung in der Werbung - stets nur als solches und nicht als
Unterscheidungsmittel verstanden wird (BGH GRUR 1999, 1089 – YES; GRUR
2002, 64 - INDIVIDUELLE). Ersteres ist hier der Fall.
1. Maßgeblich für die Prüfung der Unterscheidungskraft eines Zeichens sind die
Waren und Dienstleistungen, für die das Zeichen Schutz begehrt, und die Wahrnehmung der Verkehrskreise, an die sich diese Waren und Dienstleistungen richten (vgl EuGH GRUR 2001, 1148 – Bravo; EuG WRP 2002, 426 – LITE). Als Abnehmer bzw Empfänger der beanspruchten Waren und Dienstleistungen kommt
der durchschnittlich informierte, aufmerksame und verständige Endverbraucher in
Betracht (vgl EuGH GRUR Int 1998, 795 – Gut Springenheide; BGH GRUR 2002,
812 – FRÜHSTÜCKS-DRINK II).
2. Das angemeldete Zeichen ist sprachüblich aus den beiden Bestandteilen „Xtra“
und „Mobilbox“ zusammengesetzt. Bei „Xtra“ handelt es sich um eine werbeübliche Abwandlung des Wortes „extra“. Die Verkürzung der Vorsilbe „Ex“ auf den
Buchstaben „X“ ist ein in der Werbesprache häufig verwendetes Gestaltungsmittel
(vgl BPatG 24 W (pat) 270/97 - XPERTWARE; 26 W (pat) 46/01 – X-TRA; 27 W
(pat) 153/97 – X-tra; 28 W (pat) 159/99 – XTREME; 28 W (pat) 59/00 – XPERT;
30 W (pat) 3/02 - PlantXpert). In Kombination mit Substantiven kennzeichnet der
Begriff „Extra“ eine Sache als etwas Zusätzliches, Besonderes, zB Extrablatt,
Extraklasse, Extrawurst (vgl Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 4. Aufl 2001,
CD-ROM) und gehört damit zu einem der sehr häufig in der Allgemeinsprache
vorkommenden und in ihr verwurzelten Wortbildungselemente. Dementsprechend
dient er auch als allgemeines Werbeschlagwort und findet für Waren und Dienstleistungen jedweder Art Verwendung, so auch im beanspruchten Waren- und
Dienstleistungsgebiet.
Der weitere Bestandteil „Mobilbox“ ist im deutschen Sprachgebrauch als Bezeichnung
für den Anrufbeantworter eines Mobiltelefons gebräuchlich
(vgl
http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de). Auch die Anmelderin selbst verwendet
den Begriff in diesem Sinne beschreibend (vgl zB www.t-mobile.de - Stichwort
„Mobilbox“ – „Eine neue Nachricht auf Ihrer persönlichen Mobilbox wird nach 28
Tagen gelöscht, ...“). Sowohl die Geräte, die mit einer Mobilbox ausgestattet sein
können, als auch die Dienstleistung des Mobilfunks als technische Voraussetzung
eines Anrufbeantworters werden daher mit diesem Begriff beschrieben. Wegen
des
engen
sachlichen
Zusammenhangs
zwischen
einem mobilen
Anrufbeantworter und der notwendigen unterstützenden Technik erschließt sich
der
beschreibende Aussagegehalt
auch
unmittelbar
hinsichtlich
des
Programmierens des Anrufbeantworters, der Vermietung der entsprechenden Geräte sowie der Projektierung und Planung der zur technischen Umsetzung erforderlichen Netzwerke und Verbindungsstellen.
3. Aus der Tatsache, dass neben dem Begriff „Mobilbox“ auch das Wort „Mailbox“
als Bezeichnung für den Anrufbeantworter eines Mobiltelefons verwendet wird,
ergibt sich nichts anderes. Die Verwendung von Synonymen ist im allgemeinen
Sprachgebrauch und auch im technischen Bereich üblich. Beispiele dafür sind die
weit verbreiteten Synonyme „Handy/Mobiltelefon“ und „Computerprogramm/Software“. Mag es sich bei „Mobilbox“ auch ursprünglich um eine Wortschöpfung der
Anmelderin gehandelt haben, so ist der Begriff mittlerweile als Sachangabe für
den Anrufbeantworter eines Mobiltelefons gebräuchlich und wird daher nur in
diesem beschreibenden Sinne verstanden. Denn auch eine ursprünglich
schutzfähige Angabe kann infolge der Benutzung durch Dritte als übliche Bezeichnung eine beschreibende Funktion entfalten (vgl EuG GRUR Int 2003, 751
- BSS; BGH GRUR 2003, 436 – Feldenkrais; BPatG BlPMZ 2003, 219 – Bravo).
Ebenso wenig steht die begriffliche Unschärfe des Begriffs „XtraMobilbox“ der Annahme einer beschreibenden Angabe entgegen. Denn auch wenn sich dem nicht
konkret entnehmen lässt, worin das Besondere der Mobilbox besteht, ist die
betreffende Funktion durch den Begriff „Mobilbox“ eingegrenzt und damit ausreichend beschrieben (vgl BGH GRUR 2000, 882 – Bücher für eine bessere Welt).
Aus den der Anmelderin übersandten Rechercheunterlagen geht hervor, dass die
technischen Möglichkeiten des mobilen Anrufbeantworters, wie übrigens der gesamte Bereich der mobilen Kommunikation, beständig weiterentwickelt werden
(vgl zB www.connect.de/d/905 - „T-Mobile erweitert das Leistungsspektrum der
Mobilbox“). Der Verkehr wird in dem angemeldeten Zeichen in Verbindung mit den
nicht im Tenor genannten Waren und Dienstleistungen daher lediglich einen Hinweis auf zusätzliche Leistungsmerkmale der Mobilbox erkennen und nicht einen
Hinweis auf einen bestimmten Anbieter. In der Gesamtheit bedeutet „XtraMobilbox“ also soviel wie „Extra-Mobilbox“ und enthält damit auch in der Verbindung der
beiden Bestandteile keinen Aussagegehalt, der über eine beschreibende Bedeutung hinausgeht.
4. Der Hinweis der Anmelderin auf die zahlreichen Voreintragungen von Kombinationsmarken mit den Bestandteilen „Xtra“ und „Mobilbox“ führt zu keiner anderen
Beurteilung. Aus der Eintragung gleicher oder vergleichbarer Marken kann kein
Eintragungsanspruch hergeleitet werden, da es sich bei der Entscheidung über die
Eintragbarkeit einer Marke nicht um eine Ermessens-, sondern um eine gebundene Entscheidung handelt. Zudem muss die Beachtung des Grundsatzes der
Gleichbehandlung mit dem Gebot rechtmäßigen Handelns der Erteilungsbehörde
in Einklang gebracht werden, wonach niemand einen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht hat (vgl EuG MarkenR 2002, 260 - SAT.2).
5. Auch unter Berücksichtigung des Grundsatzes, dass ein zusammengesetztes
Kennzeichen in seiner Gesamtheit schutzfähig sein kann, wenn eines der von
Haus aus schutzunfähigen Elemente sich im Verkehr gemäß § 8 Abs 3 MarkenG
durchgesetzt hat, wie die Beschwerdeführerin dies für den Bestandteil „Xtra“ in
Anspruch nimmt, wird der angesprochene Verkehr in der Bezeichnung „XtraMobilbox“ keinen Herkunftshinweis erkennen (vgl BGH GRUR 1983, 245 - BEKA Robusta; Fezer, Markenrecht, 3. Aufl 2001, § 8 Rdn 434; Ingerl/Rohnke, MarkenG,
Weder aus der von der Anmelderin vorgetragenen intensiven Benutzung einer
Vielzahl von „Xtra“-Marken mit anderen Wortverbindungen, noch aus einer etwaigen Durchsetzung des Bestandteils „Xtra“ alleine kann die Schutzfähigkeit abgeleitet werden.
5.1. Die von der Anmelderin vorgelegte Verkehrsbefragung zum Nachweis der
Verkehrsdurchsetzung des Bestandteils „Xtra“ bezieht sich ausschließlich auf den
Mobilfunkbereich, so dass die Verkehrsdurchsetzung grundsätzlich nur für die
Dienstleistung des Mobilfunks und die Mobilfunkgeräte in Betracht kommt. Allerdings genügt die Verkehrsbefragung nicht den von der ständigen Rechtsprechung
für die Durchsetzung eines Zeichens geforderten Ansprüchen. Die Produkte und
Dienstleistungen im Mobilfunkbereich richten sich an die Allgemeinheit der Bevölkerung. Da sich das Spektrum möglicher Nutzer von Mobilfunkdienstleistungen
und –geräten von Kindern und Jugendlichen über die gesamte berufstätige Bevölkerung bis hin zu Seniorinnen und Senioren erstreckt, kann das Ergebnis der
Befragung unter den 14- bis 27jährigen nach Auffassung des Senats nicht
entscheidungserheblich sein. Diese Altersgruppe mag zwar als die begehrteste
Zielgruppe derartiger Waren und Dienstleistungen in Betracht kommen, sie ist
jedoch nicht ausschlaggebend für die Bestimmung der Verkehrskreise im
markenrechtlichen Sinne. Soweit das Ergebnis der Verkehrsbefragung vom
Februar 2001 unter der sogenannten erwachsenen Gesamtbevölkerung ab
14 Jahren einen Zuordnungsgrad von 33% für die Bezeichnung „Xtra“ als Hinweis
auf einen Anbieter im Mobilfunkbereich ergibt, liegt dieser Prozentsatz deutlich
unter dem vom Bundesgerichtshof in ständiger Rechtsprechung verlangten
Durchsetzungsgrad von mindestens 50%, die auch auf Zustimmung in der
Literatur trifft (vgl BGH GRUR 2001, 1042 – REICH UND SCHÖN; Fezer,
Markenrecht, 3. Aufl 2001, § 8 Rdn 432; Ingerl/Rohnke, MarkenG, 2. Aufl 2003,
5.2. Aber selbst wenn man nicht auf einen bestimmten, fest fixierten Prozentsatz
für die Annahme der Verkehrsdurchsetzung abstellen (vgl EuGH GRUR 1999, 723
- Chiemsee Rdn 52), sondern weitere maßgebliche Kriterien für eine Verkehrsdurchsetzung, insbesondere den Marktanteil der Anmelderin, den Werbeaufwand
und die Dauer der Benutzung, berücksichtigen wollte, können die hierzu von der
Beschwerdeführerin gemachten Angaben nicht stützend für die Annahme einer
Verkehrsdurchsetzung von „Xtra“ herangezogen werden. Nach dem Vortrag der
Anmelderin und ausweislich des vorgelegten Werbematerials verwendet die Anmelderin den Bestandteil „Xtra“ stets in Kombination mit anderen Begriffen zur
Kennzeichnung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Marktanteil, Höhe der Werbeaufwendungen sowie Dauer der Benutzung beziehen sich daher nicht auf den
Bestandteil „Xtra“ alleine, sondern gelten zum einen für alle von der Beschwerdeführerin benutzten Marken mit dem Bestandteil „Xtra“ und zum anderen eben nur
für diese Wortverbindungen und nicht für die isolierte Verwendung des Bestandteils „Xtra“. Auch soweit der für die Marke „XtraCard“ getätigte Werbeaufwand gesondert ausgewiesen ist, gilt Gleiches. Diese Aufwendungen können nicht als
Nachweis für eine isolierte Verkehrsdurchsetzung von „Xtra“ gelten.
5.3. Eine Zurückverweisung an das Deutsche Patent- und Markenamt zur Durchführung eines Verkehrsdurchsetzungsverfahrens kam nicht in Betracht, da die Beschwerdeführerin die Verkehrsbefragung vom Februar 2001 bereits als Nachweis
der Verkehrsdurchsetzung vorgelegt hatte und der Senat sie auch als solchen
nach den fachlichen Kriterien einer demoskopischen Umfrage behandelt und in
das Verfahren miteinbezogen hat. Ein darüber hinausgehender Vortrag der Beschwerdeführerin dafür, dass die Durchführung einer erneuten Umfrage aufgrund
möglicher veränderter Umfrageergebnisse seit Februar 2001 zu einem anderen
Ergebnis führen könnte, lag nicht vor. Für den Senat ergaben sich auch keine anderen Anhaltspunkte, denen nachzugehen die Amtsermittlungspflicht geboten
hätte. Insbesondere erscheint der Zeitraum von zweieinhalb Jahren als nicht zu
weit zurückliegend um hier vernünftigerweise von deutlich anderen Ergebnissen
zugunsten der Beschwerdeführerin ausgehen zu müssen.
6. Im Übrigen stünden der Schutzfähigkeit des angemeldeten Zeichens unter Einbeziehung der in der Entscheidung „BEKA Robusta“ des Bundesgerichtshofs zum
Ausdruck kommenden Grundsätze noch folgende Überlegungen entgegen:
6.1. Im vorliegenden Fall ist die Bezeichnung „Xtra“ nicht selbständiger Teil eines
mehrgliedrigen Kennzeichens, sondern bildet mit dem weiteren Bestandteil „Mobilbox“ eine Wortverbindung. Die Binnengrossschreibung des Bestandteils „Mobilbox“ ist eine übliche grafische Gestaltung, aus der sich nicht die Mehrteiligkeit des
Zeichens ableiten lässt (vgl BPatG 29 (W) pat 208/01 - TeleOffice; 30 (W) pat
244/01
- orderView;
32 (W) pat 281/02
- kochSensor;
33 (W) pat 142/00
- EasyTrade). Bereits aus diesem Grund ist der Fall nicht ohne weiteres übertragbar.
6.2. Die Verbindung der beiden schutzunfähigen Bestandteile ergibt ein neues
Wort mit einem eigenständigen und für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen als Sachaussage geeigneten Sinngehalt, in dem der Verkehr das als verkehrsbekannt unterstellte Element „Xtra“ nicht mehr als Herkunftshinweis erkennt.
Der in der Entscheidung „BEKA Robusta“ formulierte Grundsatz, wonach ein aus
zwei schutzunfähigen Bestandteilen zusammengesetztes Zeichen in der Regel
dann schutzfähig ist, wenn sich ein Bestandteil im Verkehr durchgesetzt hat, beruht hingegen auf der Annahme, dass der Verkehr auch im Nebeneinander eines
verkehrsbekannten Elements mit einem weiteren schutzunfähigen Bestandteil regelmäßig den Herkunftshinweis erkennt. Bei den von der Rechtsprechung entwickelten Erfahrungssätzen zur Wahrnehmung von Zeichen kommt es aber stets
auf die Umstände des Einzelfalls an. Dementsprechend hat der Bundesgerichtshof
wiederholt diese Einzelfallprüfung zur Wahrnehmung mehrgliedriger Zeichen
durch den Verkehr betont (zB BGH GRUR 1999, 241 - Lions; GRUR 2000, 233 –
RAUSCH/ELFI RAUCH; WRP 2003, 1228 – City Plus). Dabei ergibt sich für den
Senat im vorliegenden Fall Folgendes: Der Bestandteil „Xtra“ ist in seiner Verbindung mit dem Wort „Mobilbox“ zu einem neuen Gesamtbegriff mit einem eigenständigen, die Waren und Dienstleistungen beschreibenden Sinngehalt geworden,
der vom angesprochenen Publikum nur als solcher und nicht als Kombination eines Herkunftshinweises mit einer beschreibenden Angabe verstanden wird. Denn
als allgemeiner und werbeüblicher Ausdruck der Verstärkung lässt sich das Wort
„extra“ zu einer beliebigen Anzahl von Begriffen verbinden, bei denen jeweils der
weitere Bestandteil die Sachaussage enthält. Dementsprechend ergab die Recherche des Senats in der Wortschatz-Datenbank der Universität Leipzig rund
1.500 Treffer für Wortverbindungen mit dem Begriff „Extra“ und rund 1.100 Treffer
für Zusammensetzungen mit dem Bestandteil „Extra-„ (ohne Mehrfachnennung,
vgl www.wortschatz.uni-leipzig.de). Auf Grund der sprachüblichen Wortbildung
und der Häufigkeit der Verwendung von „extra“ im allgemeinen Sprachgebrauch
erkennt der Verkehr den Bestandteil „Xtra“ daher in dem angemeldeten Zeichen
nur in seiner beschreibenden Bedeutung. Sein unter Umständen möglicher Charakter als herkunftshinweisender Stamm einer Serienmarke ist darin untergegangen und tritt in der Wahrnehmung des Verkehrs vollkommen zurück.
6.3. Des weiteren handelte es sich bei BEKA um ein bereits seit langem im Wege
der Verkehrsdurchsetzung eingetragenes Zeichen, dh es ging um die Besitzstandswahrung und nicht – wie hier - um die Anerkennung der Verkehrsdurchsetzung für einen schutzunfähigen Bestandteil einer Wortverbindung im Rahmen des
Eintragungsverfahrens.
7. Hinsichtlich der Dienstleistungen „Werbung; Geschäftsführung, Unternehmensverwaltung, Büroarbeiten; Unterhaltung; sportliche und kulturelle Aktivitäten“ ist
jedoch die Unterscheidungskraft zu bejahen. Zwar handelt es sich dabei um
Dienstleistungen, die im Wege des Mobilfunks und damit auch mit Hilfe einer Mobilbox angeboten oder in Anspruch genommen werden können. Insoweit besteht
aber zu dem Anrufbeantworter eines Mobiltelefons nur ein mittelbarer Zusammenhang, denn diese Dienstleistungen sind ihrer Art nach unabhängig von der technischen Infrastruktur, mit den sie erbracht werden. Das Wort „XtraMobilbox“ bezeichnet oder beschreibt daher weder wesentliche Merkmale dieser Dienstleistungen noch lässt sich ihm für diese Dienstleistungen ein im Vordergrund stehender
Begriffsgehalt zuordnen, der die Verkehrskreise von der Vorstellung wegführen
könnte, es mit einem Unternehmenshinweis zu tun zu haben.
Grabrucker
Pagenberg
Fink
Cl