Rechtsprechung / BPatG / 2007
BPatG Beschluss vom 21.11.2007 – 29 W (pat) 33/04
29. Senat
BUNDESPATENTGERICHT
29 W (pat) 33/04 _______________________
(Aktenzeichen)
…
B E S C H L U S S
In der Beschwerdesache
betreffend die Markenanmeldung 300 39 377.6
hat der 29. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der
Sitzung vom 21. November 2007 durch die Vorsitzend
e Richterin Grabrucker sowie die Richterinnen Fink und Dr. Mittenberger-Huber 08.05
beschlossen:
Die Beschlüsse der Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts vom 26. April 2002 und 4. Dezember 2003
werden aufgehoben.
G r ü n d e
I.
Die Wort-/Bildmarke 300 39 377
wurde für verschiedene Waren und Dienstleistungen zur Eintragung in das Register angemeldet.
Die Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts hat die
Anmeldung mit Beschluss vom 26. April 2002 wegen fehlender Unterscheidungskraft vollständig zurückgewiesen. Auf die dagegen gerichtete Erinnerung der Anmelderin hat die Markenstelle mit Beschluss vom 4. Dezember 2003 den Erstbeschluss für einen Teil der Waren und Dienstleistungen aufgehoben, im Übrigen
aber die Zurückweisung der Anmeldung bestätigt. Das angesprochene Publikum
erfasse die erkennbar aus den Begriffen „IMMOBILIEN“ und „SCOUT 24“ zusammengesetzte Marke in Verbindung mit den beanspruchten Waren und Dienstleistungen als reinen Sachhinweis auf einen rund um die Uhr verfügbaren Suchdienst
im Immobilienbereich. Die grafische Gestaltung in Form der Umrandung und der
unterschiedlichen Unterlegung der beiden Bestandteil
„IMMOBILIEN“ und
„SCOUT 24“ bewege sich im Rahmen des Werbeüblichen und präge sich dem
Verkehr daher nicht als Herkunftshinweis ein.
Die Anmelderin hat Beschwerde eingelegt und das Verzeichnis im Laufe des Beschwerdeverfahrens eingeschränkt auf die Waren und Dienstleistungen der
Klasse 9:
Gateways; Modems; leere Datenträger;
Klasse 35:
Büroarbeiten;
Klasse 36:
Grundstücks- und Hausverwaltung; Schätzen von Immobilien; Vermögensverwaltung;
Klasse 37:
Bau- und Reparaturwesen; Reparatur und Instandhaltung von
Häusern, Wohnungen und Gärten;
Klasse 39:
Transport- und Lagerwesen; Zustellung von Paketen.
Die Anmelderin beantragt,
die angefochtenen Beschlüsse aufzuheben.
Die Recherche des Senats zur beschreibenden Verwendung des Begriffs „Scout“
wurde der Anmelderin übersandt.
II.
Die nach § 66 Abs. 1 und 2 MarkenG zulässige Beschwerde hat in der Sache Erfolg. Für die noch verfahrensgegenständlichen Waren und Dienstleistungen ist die
angemeldete Marke weder als beschreibende Angabe noch auf Grund fehlender
Unterscheidungskraft von der Eintragung ausgeschlossen (§ 8 Abs. 2 Nr. 1 und
Nr. 2 MarkenG).
1.
Unterscheidungskraft im Sinne des § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG ist die einer
Marke innewohnende konkrete Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel
für die angemeldeten Waren und Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber solchen anderer Unternehmen aufgefasst zu werden. Sie entspricht der
Hauptfunktion der Marke, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren
oder Dienstleistungen zu gewährleisten. Die Beurteilung der Unterscheidungskraft
hat sich daher einerseits an den beanspruchten Waren und Dienstleistungen und
andererseits an der Auffassung der angesprochenen Verkehrskreise zu orientieren (vgl. EuGH GRUR 2006, 229, Rn. 27 f. - BioID; GRUR 2004, 674, Rn. 34
- POSTKANTOOR; BGH GRUR 2005, 417, 418 - BerlinCard; GRUR 2006, 850,
Tz. 18 - FUSSBALL WM 2006). Enthalten die Bestandteile einer Bezeichnung einen beschreibenden Begriffsinhalt, den das angesprochene Publikum für die in
Rede stehenden Waren und Dienstleistungen ohne Weiteres erfasst, ist der angemeldeten Bezeichnung die Eintragung als Marke wegen Fehlens jeglicher Unterscheidungskraft zu versagen (vgl. BGH GRUR 2001, 1153 - anti KALK; GRUR
2001, 1151, 1152 - marktfrisch; a. a. O. Tz. 19 - FUSSBALL WM 2006). Nach diesen Grundsätzen kann der angemeldeten Marke für die nach der Einschränkung
des Verzeichnisses noch verfahrensgegenständlichen Waren und Dienstleistungen die erforderliche Unterscheidungskraft nicht abgesprochen werden.
1.1. Die Wortbestandteile der angemeldeten Marke bestehen aus der Kombination der Begriffe „IMMOBILIEN“ und „SCOUT 24“. Das Wort „Immobilien“ bedarf
keiner näheren Erläuterung. Der englischsprachige Begriff „Scout“ ist als die englische Bezeichnung für „Pfadfinder“ und für eine Person, die etwas auffinden soll, in
den deutschen Sprachgebrauch eingegangen (vgl. Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. 2006 [CD-ROM]). Nach der vom Senat durchgeführten Recherche findet der Begriff „Scout“ im Bereich der Internetdienstleistungen außerdem Verwendung für themenbezogene Recherchedienste. Die Zahl 24 ist in Verbindung mit Online-Angeboten nach der ständigen Rechtsprechung des Bundespatentgerichts ein werbeüblicher Hinweis auf ein rund um die Uhr verfügbares Waren- oder Dienstleistungsangebot (vgl. 29 W (pat) 43/04 vom 10. Januar 2007
- print24; 26 W (pat) 158/04 vom 21. Juni 2006 - mailing24; 25 W (pat) 113/04 vom
26. April 2006 - adress24; 29 W (pat) 196/03 vom 19. Oktober 2005 - Autorecht24;
24 W (pat) 162/03 vom 16. November 2004 - unfallrecht24; 29 W (pat) 155/04 vom
29. September 2004 - design24; 29 W (pat) 137/02 vom 29. September 2004
- cam24; 29 W (pat) 262/02 vom 7. Juli 2004 - auskunft 24; 29 W (pat) 251/03 vom
14. Januar 2004 - DruckDiscount24.de; 30 W (pat) 210/02 vom 3. November 2003
- pharmacy24;
vom
23. Oktober 2003
- beauty24.de
[GRUR 2004, 336 ff.]; 24 W (pat) 126/02 vom 24. Juni 2003 - surf24; 28 W (pat)
92/02 vom 14. Mai 2003 - fleisch24; 25 W (pat) 280/01 vom 19. September 2002
- Alarm 24). In der Gesamtheit erfasst das angesprochene Publikum die Kombination „IMMOBILIEN SCOUT 24“ daher ohne Weiteres als Hinweis auf einen
24 Stunden lang verfügbaren Online-Dienst für die Immobiliensuche. Die grafische
Gestaltung des Zeichens verändert diesen beschreibenden Aussagegehalt nicht.
Eckige Umrandungen und farbliche Kontraste sind in der Werbung gängige Gestaltungsmittel und werden vom angesprochenen Publikum daher nicht als Herkunftshinweis wahrgenommen (vgl. BGH GRUR 2001, 1153, 1154 - anti KALK).
1.2. Dieser beschreibende Begriffsinhalt des Zeichens erschließt sich aber nicht
in Verbindung mit den Waren und Dienstleistungen „Gateways; Modems; leere
Datenträger; Grundstücks- und Hausverwaltung; Schätzen von Immobilien; Vermögensverwaltung; Bau- und Reparaturwesen; Reparatur und Instandhaltung von
Häusern, Wohnungen und Gärten; Transport- und Lagerwesen; Zustellung von
Paketen“. Gateways, Modems und leere Datenträger können als technische Hilfsmittel bei der Inanspruchnahme eines Online-Dienstes zum Einsatz kommen, sind
jedoch in ihrer Funktion unabhängig vom Inhalt der übertragenen Daten und Informationen. Das angesprochene Publikum hat daher keine Veranlassung, die angemeldete Marke in Verbindung mit diesen Waren als Sachhinweis auf deren Verwendungszweck oder sonstige Merkmale aufzufassen. Für die beanspruchten
Dienstleistungen gilt Entsprechendes. Bei den Dienstleistungen des Transport-
und Lagerwesens sowie der Paketzustellung fehlt jeglicher sachliche Zusammenhang mit der Immobiliensuche oder dem Thema Immobilien im Allgemeinen. Auch
für die Dienstleistungen „Grundstücks- und Hausverwaltung; Schätzen von Immobilien; Vermögensverwaltung; Bau- und Reparaturwesen; Reparatur und Instandhaltung von Häusern, Wohnungen und Gärten“ besteht kein hinreichend enger beschreibender Bezug zur Bezeichnung „IMMOBILIEN SCOUT 24“. Es handelt sich
zwar um Dienstleistungen, die auf Immobilen ausgerichtet sind. Für die Annahme,
der Verkehr werde in der Bezeichnung „IMMOBILIEN SCOUT 24“ über die Bedeutung eines 24stündigen Immobiliensuchdienstes hinaus einen Hinweis auf ein allgemeines Vermittlungsangebot immobilienbezogener Dienstleistungen erkennen,
fehlen aber hinreichende Anhaltspunkte. Nach der vom Senat durchgeführten Recherche zählen die oben genannten Dienstleistungen nicht zum typischen Angebot von Immobilienmaklern und Immobiliensuchdiensten. Dienstleistungen der
Grundstücks- und Hausverwaltung ebenso wie die eines Bauunternehmers oder
Handwerkes werden regelmäßig nicht von Immobilienmaklern erbracht und damit
vom Verkehr als unterschiedlichen Branchen zugehörig wahrgenommen. Gegen
die Annahme eines engen beschreibenden Bezugs spricht außerdem, dass die
gängigen Kriterien für die Immobilensuche, nämlich Art, Größe, Lage, Preisvorstellung usw., deutlich andere sind als die Suchkriterien für die oben genannten
Dienstleistungen, bei denen es vor allem auf Zuverlässigkeit, Qualität und Referenzen ankommen dürfte. In Verbindung mit den genannten Dienstleistungen lässt
sich der Bezeichnung „IMMOBILIEN SCOUT 24“ deshalb keine im Vordergrund
stehende Sachangabe mit eindeutigem Begriffsinhalt entnehmen.
2.
Auch ein Schutzhindernis nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG besteht nicht.
Nach der genannten Vorschrift sind die Marken von der Eintragung ausgeschlossen, die ausschließlich aus Angaben bestehen, die im Verkehr insbesondere zur
Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit, der Bestimmung oder sonstiger Merkmale der Waren oder Dienstleistungen dienen können. Dieses Schutzhindernis
besteht auch dann, wenn eine Benutzung als Sachangabe noch nicht zu beobachten ist, eine solche Verwendung aber in Zukunft jederzeit erfolgen kann. Insoweit
bedarf es allerdings der Feststellung, dass eine derartige beschreibende Verwendung vernünftigerweise zu erwarten ist (vgl. EuGH GRUR 2004, 674, Rn 97
- POSTKANTOOR; GRUR 2004, 680, Rn 38 – BIOMILD; BGH GRUR 2003, 343,
344 – Buchstabe Z; GRUR 2005, 578, 581 – LOKMAUS). Da die angemeldete
Marke für die noch verfahrensgegenständlichen Waren und Dienstleistungen keinen unmittelbar beschreibenden Aussagegehalt aufweist, ist nicht erkennbar, welche Merkmale oder Eigenschaften mit der Bezeichnung „IMMOBILIEN SCOUT 24“
konkret beschrieben werden könnten. Ein Bedürfnis diese Bezeichnung für den
Geschäftsverkehr als Sachangabe freizuhalten, ist damit nicht ersichtlich.
Grabrucker
Fink
Dr. Mittenberger-Huber
Ko